Erschienen in den Meerschweinchen-News (Monatsschrift des MFD):
 
10 Gründe
 

Liebe Kollegen im Verein - ten (Schweinderl)Wahnsinn, gute Frage, nach 16 Jahren Existenz des MFD: Warum eigentlich ausgerechnet Meerschweinchen...? Ich hab also richtig ernsthaft nachgedacht & raus kam:
 
Wenn ich so meinen Blick über die 15 süßesten Nasen "von do bis Paris" schweife, KANN es für mich gar keine Alternative geben. Und ich bin sicher, daß es jedem von Euch - mit den eigenen Schweinchen - auch so geht. Aber für Außenstehende, also normale Menschen, nicht Cavymaniacs, muß man ja eine Erklärung für den sich vermehrenden, gurkenvernichtenden, quieckenden Wahnsinn haben. Darum 10 (und paar meer..) Gründe fürs Schweinchen.
 
1. Sie führen Freudentänze auf, wenn Du heimkommst, auch an einem Sch...tag bringen sie Dich zum Schmunzeln.
2. Sie sabbern nicht, sie stinken nicht, sie gehorchen NICHT
3. ..oder nur, wenn sie wollen.
4. Sie fressen kein stinkiges Dosenfutter& man muß sie weder reiten, noch mit ihnen Gassi gehen.
5. Sie haben Sex & so fühlt man sich als Tierhalter nicht ganz so fies, was "Einsperren" betrifft.
6. Sie haben Familie, Freundschaften, feurige Liebhaber überwinden spielend jede Hürde..
7. Sie können unglaubliche Dinge anstellen mit Dingen wie z.b. den Wasserflaschen ( nächtliche Percussionsessions), ihren Häusern, denn
8. ..sie sind eigentlich Popmusiker & Innenarchitekten.
9. Sie gucken Dein Fernsehprogramm, aber saufen Dir Dein Bier nicht weg.
10. Sie verzeihn Dir, wenn Du einen Sch...tag hattest, vorausgesetzt, Du vergißt nicht, sie zu füttern....

 
mit herzlichsten Grüßen an Mensch & Tier, Petra Gemeinhardt aus München
 


 
Ein ganz besonderes Schweinchen:
Unsere EUROPA

 
Daß sie ein besonderes Tierchen ist, merkte man schon bei der Süßen , als sie klein war. Sanft, wach, so lieb und schön, stach sie von Anfang an unter ihren vier Geschwistern hervor. Dank ihrer Fähigkeit, Kontakt aufzunehmen, ihrer Ausnahmekondition und göttlichem Willen, der sich uns wohl niemals erschließen wird, erhielt sie außerdem ein zweites Leben:
Der Kaiserschnitt beim Meerschweinchen - ist noch immer ein Schreckgespenst und mir selbst ist vor 2 1/2 Jahren meine Soraya nach der Sectio Caesarea eingegangen. Der Kreislauf...Aber , was tun, wenn man vor der Indikation steht, denn, einfach einschläfern geht ja auch nicht....
Ende Juli war es so weit, daß, unsre süße EUROPA, ein GH blackTan, von hervorragend kurzem Typ & Bau, zum 1.Mal werfen sollte. Sie war eine superfitte Trächtige, allerdings zeichnete sich ab, daß sie viele Junge erwartete.
Als es so weit war, weckte sie mich gegen 4.30 auf:. Der Erstgeborene kam nicht von allein ganz raus, also Eihaut aufgerissen und dran gezogen. Ein Schnaufer und ich dachte "nein, das darfs nicht gewesen sein, du mußt leben", abgerubbelt, der Mama unter die Nase gehalten. Sie hat dann gleich weitermacht mit dem Versorgen, Nr.2(zu meinem erstaunen ein lilacTan) gebar sie dann im Häuschen alleine, ich wartete in der Küche, rauch eine, nach 20 Minuten guck ich nach, nix weiter. Meiner Rechnung nach waren noch 3 Babies im Bauch. Als um 8 Uhr immer noch nur die 2 bereits Geborenen dasaßen und die Mutti recht ratlos guckte(und die Patriarchinnen abwechselnd ins Geburtshäuschen zum Nachschauen liefen), rief ich den TA an. Ab in die Praxis.
Der Schall zeigte noch 2 schlagende Herzen. Oxitocin, Kalzium- Wehen kamen zwar, aber 0 Babies. Röntgen. Das sah man, daß Nr. 3 und 4(riesengroß) quer lagen. Nix zu machen. nada. rien. Es war inzwischen elf Uhr und die arme Sau hatte noch diese überflüssigen Preßversuche hinter sich. Weil uns keine Wahl blieb, stimmte ich zu. Sectio mit Kombinationsnarkose: Injektion und Gas. Das OP- Team: 2 TA und 2 Helferinnen. Ihr seht also schon, daß es sich in diesem Falle um eine best ausgestattete private Tierklinik handelt (Adresse bei mir erhältlich!!). So überließ ich ihnen meine EUROPA mit einem Hoffnungsschimmer. Wie gesagt: Eine Alternative hätte es ja nicht gegeben.Die Verabredung war, in erster Linie Muttererhaltend zu operieren, die Sau gleich zu kastrieren, da dies weniger Aufwand bedeutet, als die Gebärmutter noch zuzunähen. Zeit = Narkose= Kreislaufrisiko.
Die beiden Erstgeborenen habe ich dann nachhause genommen und zugefüttert. Karottenbabybrei mit Haferflocken. Ich habe 0 Milch gegeben, weil ich fand, sie sollten Schweinchenmilch bekommen...
Gottlob hatten sie ein Polster Nr. 1 wog132, Nr. 2 hatte 112 gramm.Sie bekamen die Namen Wotan und Parzival.

 
Um 14 Uhr Anruf , EUROPA hatte den Eingriff überlebt. Um 17 Uhr sagte man mir, daß sie sitzt. Ich habe Freudentränen geheult, Europa heim geholt.Der Extrakäfig mit sauberem Handtuch, Küchentüchern, Wärmflasche stand bereit. Sie fraß ein Rad Gurke zur Begrüßung. Stieg von der Wärmflasche runter. Wir hatten Ende Juli, es war warm genug, doch ich empfehle, die Wärmequelle (v.a. nachts) auch dann zumindest anzubieten.
Die Babies kamen sofort zu ihr.
 
Die Naht: Tampon auf der eigentlichen Naht, der nach 2 Tagen entfernt wurde. Das Schweinchen hatte die Wunde absolut in Ruhe gelassen, auch die Babies, die ja unter ihrem Bauch gesessen waren, hatten die Tamponade und später die Wunde in Ruhe gelassen.. Die Wunde darunter war nach 17 Tagen komplett geschlossen. Ich hatte sie mit Braunol und Bepanthensalbe versorgt.
 
Die heimische Nachsorge: Die ersten Tage nach der OP hatte sie tgl. 1 Tr. Metacam gegen Schmerzen. Bekam 8 Tage lang 0,2ml Baytril oral,
Arnica D6 - globuli (3 x tgl.) zur Wundbehandlung und
sie saß (solang die Wunde nicht 100%ig geschlossen war) mit ihren 2 Söhnen auf Tüchern, Küchenrolle.
 
Die MILCH war nach 1 Tag versiegt. Da hilft 3 x 3 Globuli URTICA C30 und Anlegen. Da mußten sie durch . Am 2. PostOP-Tag waren wir lange unterwegs, da haben wir nachts nochmal 1en Impuls Urtica 3Globuli gegeben und dann nahm die Natur ihren Lauf. Wir haben die Babies, prächtige Burschen nur 2 Tage(2x tgl.) zugefüttert, die Mama etwas länger mit "Critical Care", damit sie das Baytril wegsteckt. Babies tranken ab da gut 4 Wochen, Mutter gluckte- so süß, so lieb, so koopertiv, wie dieses Tier mitmacht hat. Sie ist ein kleines Wunder.
 
Ich glaube, folgende Kriterien sind total wichtig für ein Gelingen eines Kaiserschnitt:
- Zeitpunkt, wenn er gemacht wird, BEVOR irgendwelche Vergiftungserscheinungen aufgetreten sind.
- Allgemeine Fitneß der Sau
- TA( hier waren die Bedingungen optimal)
- Kombinarkose (weniger belastend für das Tier) und Nachsorge in TA Praxis
- Last not least: LEBENDE BABIES! Das ist Motivation zum Überleben
- Hygienische(nicht hypersterile, aber die Sau soll trocken sitzen , 0 Einstreu in Wunde) und liebevolle streßfreie Nachsorge daheim(eh klar)
- Reiki, sanfte Körpermassage
- Fortune oder der berühmte Schutzengel, ohne geht nix..
Ich bin ja Fan der Homöopathie, Naturheilkunde, Hausmittel, aber bei einem solchen Eingriff geht's nicht ohne HighTech. Schul -und Alternativmedizin solltenZUSAMMENARBEITEN!

 
Die beiden toten Babies habe ich begraben und betrauert, aber die Natur ist weise, denk ich, 4(!) hätte meine Süße nach der OP vielleicht nicht so toll geschafft.
 
EUROPA und ihre Jungs lebten nach Heilung in der Großgruppe und sind dort sofort wieder aufgenommen worden. Es schien so, als hätten meine Patriarchinnen und der Kastrat sie richtig vermißt. Am 1. Tag legten sich diese 3 "Leittiere" um die Säugende herum. Wotan fand ein neues Heim, der lilac- tan, na, ist noch da, cool aber nicht "schön".. & wartet noch auf einen Liebhaber...
EUROPA ist topfit, liebt es auf den Häuschen zu sitzen, ein wunderschönes rotes Pelzchen bedeckt ihren Bauch und von der OP ist nix mehr zu sehen. Sie läßt sich einfach aus dem Stall herausnehmen, schaut mich mit liebem, sanftem Blick an, und das ist das Schönste, was man sich vorstellen kann. Ich habe das Gefühl, daß wir beide vor Freude und dankbarkeit vergehn, daß sie uns "dagelassen" wurde....
 
Mit diesem Bericht grüße ich Euch und Eure Tiere und wünsche allen Gesundheit, ein herzliches "Quieck", und bitte um Verständnis, wenn manches etwas sehr laienhaft ausgedrückt ist...
Eure Petra Gemeinhardt und die Moppel v. Isarstrand
 


 
Meerschweinchen und Kinder
 
Nichts ist süßer als die Freude, wenn ein kleiner Bub oder Mädchen ihre flauschigen Lieblinge ausgewählt haben und sie dann endlich mit nach Hause nehmen...Tja, aber-dabei find ich, daß es, damit aus dieser "Liebesgeschichte" auch eine glückliche Dauerbeziehung für alle Beteiligten wird wird, schon ein paar Dinge zu klären gibt
Zum Beispiel verkaufe ich inzwischen Tiere nur an Kinder, wenn ich von den Eltern (oder einem Elternteil) richtig überzeugend zu verstehen kriege, daß sie - die Eltern- das/die Tierchen auch mögen. Es reicht ja nicht nur "im Notfall saubermachen", sondern dazu gehört schon mehr. Oft geht ein Schweinderl, das ein Geschenk zur Erstkommunion war, spätestens paar Jährchen später in deren Besitz über: Schulwechsel, andere Hobbies, der erste Freund.....Ich habe diese Erfahrung schon gemacht und solang Mutti die Schweinchen liebt , ists ja auch alles o.k.. Nur leider hab ich Tiere auch schon förmlich "retten" müssen vor absolut un-tiergemäßer Behandlung in einer Familie. Es klingt vielleicht hart, aber es gibt leider Eltern, die in Tieren Spielzeuge für ihre Kinder sehen. Diese bekommen von mir jetzt eben kein Schweinderl mehr.
Es gibt natürlich auch Teenager, die haben sich schon informiert und wissen, was das heißt, für Tiere zu sorgen, nur fürcht ich, daß das hier in der Großstadt leider nicht allzuviele sind. Ich habe neulich so eine Begegnung gehabt, wo ich sicher bin, diese Tiere haben die beste Fürsorge der Welt..
Schön war auch das Erlebnis, wie eine kleine Restfamilie(nach Scheidung) sich mit den Schweinemädchen Cleo & Sternchen so richtig gut getan hat. Die Tiere sind jetzt über 5 Jahre alt, genießen ein herrliches Leben und waren für die Kinder und ihre Mutter richtige Trostspender. So viel Liebe, wie die kleinen Schweinchen geben können- wenn Eltern mitmachen, die Kinder unterstützen, dann ist die Kombi Meerschweinchen+ Kinder super!! Allerdings sollten die Kinder schon so groß sein, daß sie verstehen, was kleine Schweinchen brauchen, daß sie sie sanft tragen & aufnehmen & auch mal in Ruhe lassen können. Ab der 2.- 3. Klasse fänd ichs gut, mit Meerschweinchen anzufangen. Verantwortung für ein Wesen zu übernehmen läßt ja auch die sozialen Kompetenzen eines Kindes wachsen. Wichtig ist nur, daß keiner der Beteiligten mit der Pflege überfordert ist und, daß klare Absprachen eingehalten werden. Das Tier als Druckmittel anzuwenden, halte ich für total verkehrt, z.B. auch schon gehört"Wenn du das und das nicht machst, darfst du mit den Tieren nicht spielen"-Ja, wie sollen die Meerschweinchen verstehen, daß ihnen plötzlich die Streichelstunde gestrichen wird?!. Züchter und die Kinder mitsamt den Eltern sollten sich Zeit nehmen beim Aussuchen der Tiere und genau durchsprechen, was die kleinen Kerle brauchen. Wenn die Neubesitzer wissen, daß es eine "Anlaufstelle" gibt, ists auch nochmal leichter...
Mit den besten Wünschen an alle großen und kleinen Meerschweinchenbesitzer und ihre Tiere! Viel Freude miteinander wünscht
Petra Gemeinhardt
 


 
Hallo, liebe Schweinchenfreunde, über den positiven Einfluß unsrer Süßen zu schreiben, find ich richtig schön! Da könnt man Bücher füllen, glaub ich, Ich hab mit "Dr. Naseweiß" eine Begebenheit rausgegriffen, das mich nachträglich, wenn ich dran denk, noch tief bewegt...
Beste Grüße an euch alle, Mensch und Tier und - miep,Petra Gemeinhardt

 
Dr. Naseweiß
 
Am positivem Einfluß meiner Meerschweinchen auf mich selbst, wenn ich zwar auch noch nicht alt und siech bin , bisweilen jedoch erschossen, geschreddert (für Streßsymptome gibt es kein bayrisches Wort) was auch immer...erfreu ich mich täglich. Kleines Schwein auf dem Bauch, das miept, guckt und spielt, was ist dann noch wichtig?... Mein Mann und ich kennen und lieben das. Manchmal, wenn wir Besuch haben, kommts schon vor, daß schließlich jeder mit Schwein da sitzt, es krault, selbstvergessen schaut, sichtlich entspannt.
Hier ein Bericht von einer ganz besonderen Schweinchendame. Unsere erste Mischrosette Naseweiß- eine freche Schwarze mit weißer Blässe und rot-weißen Hinterläufen, die ihr Stupsnäschen hoch trug, lautstark Futter einfoderte und, wenn sie partout nicht bekam, was sie wollte, richtig ausschlagen konnte. Sie war die gluckenhafte Übermutter, pfiffig und eifrig.Vor gut 5 jahren, noch in unserem alten Haus, ereignete sich Folgendes tatsächlich:
Innegrit war aus England zurückgekommen, weil ihre Mutter nicht mehr alleine zurecht kam. Die Wohnung, ein Altbau, wurde noch mit Holz geheizt, einen Aufzug gab es nicht. Wir machten gelegentlich Besorgungen, doch so ging es nicht weiter. Also, Innegrit zog mit gut 50 Jahren wieder in den 3. Stock bei ihrer Mutter ein. Kurz danach ereilten die Greisin 2 Schlaganfälle und sie ward ans Bett gefesselt. Innegrit sprach wenig mit uns und wurde immer verhärmter. Irgendwann trafen wir eher zufällig aufeinander und sie schüttete ihr Herz aus: Die Mutter spräche nicht, obwohl das Sprachzentrum gar nicht betroffen sei. Sie war echt bekümmert und ich lud sie auf einen Kaffe ein. Da sah sie Enno & Naseweiß, meine Meerschweinchen. Frech hatte meine Sau ihr weißes Näschen gehoben, die Augen blitzten in dem schwarzen Fell und brachten uns auf die Idee: Wir setzten Naseweiß in ein Körbchen und gingen zu Innegrits Mutter. Ein Handtuch auf die Bettdecke und Naseweiß darauf gesetzt - Nach einer ganzen Weile streckte sich die bewegliche Hand der Bettlägrigen langsam in Richtung Fell, Naseweiß, die ich ganz leicht hielt, blieb still sitzen, gab kleine Laute von sich, die knöcherne Hand fuhr ungeschickt durch die Rosetten. Was sich Naseweiß von mir nie hätte gefallen lassen (das Gegen- den Strichbürsten), ließ sie gwähren, so ging es eine ganze Weile. Mal nahm ich Naseweiß ins Körbchen, wo sie ihre Notdurft verrichtete, dann kam sie wieder auf die Decke. Irgendwann ächzte Innegrits Mutter und ich konnte eine Stimme hören, vom Schweigen richtig staubig "Schwarz weiß, wie ein Klavier schaust aus. So schön....ein schwarz weißes.." Das waren die ersten Worte, die die alte Dame seit langem gesprochen hatte. Ich erfuhr, daß sie mal Klavierlehrerin gewesen war. Seit dem kamen wir, wann immer es ging, auf einen Besuch nach oben. Dank Dr. Naseweiß sprach die Mutter wieder in ganzen Sätzen, auch zu ihrer Tochter,lachte, wenn Naseweiß nach der Gurke gierte, herummurkelte. Naseweiß verhielt sich ,je nach Stimmung der alten Frau frecher, fast übermütig oder, wenn es mal ein schwacher Tag war, sanftmütig. Sie stimmte sich absolut ein. Das Schweinchen, das Streicheln eines kleinen lieben Tieres hat etwas in Gang gesetzt, von dem wir ja wissen, daß es funktioniert- aber wir vergessen allzuoft, daß die Tiere fühlen, spüren, was der Mensch braucht und heilen können. Gerade deshalb sollten wir auch sehn, daß sie genug Harmonie und Liebe mitbekommen, denn sie geben ja soviel, unsere Schweinchen.