Die Vier Regeln des Kapitalismus
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Geschrieben von Einar von Vielen am 14. Januar 2005 01:59:51:
Der folgende Text geistert nun nahezu zwei Wochen im Netz, aber hier fand dieser Text noch keine Würdigung, weshalb ich dies hiermit nachhole, und ihn als ersten Vorschlag auf Sterntalers Fragen einbringe.
Vorschlag für die Aufnahme in die Sammlung:
Die Vier Regeln des Kapitalismus
Begründung: wunderbar geschriebener Text zur Einführung in die Problematik von Renditesrenditen.
Der Kapitalismus ist ’ne tolle Sache! Er hat uns Mikrowellen, Farbfernseher, HiFi-Anlagen, Geschirrspülmaschinen, Handys, Faxgeräte, Quarzuhren, Autos mit Airbag und ABS, Playstationen und Nintendo, Satellitenschüsseln, unzählige Fernsehkanäle, Filme auf Video und DVD, Surround Sound, Digitalkameras, Computer, das Internet und viele andere schöne und nette Sachen beschert. Wie konnte man nur früher ohne diese Dinge auskommen und glücklich sein? Man könnte von einer Erfolgsstory sprechen.
Was bedeutet nun konkret Kapitalismus? Wie bei allen Ismen, verrät schon allein der Name den Sinn der ganzen Veranstaltung und man möchte vom angepriesenen logischerweise auch möglichst viel haben. Beim Sozialismus möchte man möglichst viel an Sozialem, beim Nationalsozialismus an Nationalem, beim Islamismus oder Katholizismus möglichst viel an richtigem Glauben, beim Kommunismus Kommunales, also möglichst viel an „allen gehört alles“ und beim Kapitalismus natürlich möglichst viel an Kapital, also Geld und Besitz. Und deshalb ist der Kapitalismus auch so schön, denn wer hätte nicht gerne immer mehr Geld und Besitztümer oder Sie etwa nicht? Halten wir also als erstes Wichtigstes fest: Kapitalismus bedeutet, aus Kapital, Besitz und Geld noch mehr zu machen.
Regel Nr. 1 des Kapitalismus: Aus Geld noch mehr Geld machen.
Sie haben bisher sicherlich gedacht, man könnte mit Unternehmungen und
Geschäften richtig Knete machen. Nun, dass kann man auch. Aber es ist mit
Anstrengungen verbunden und man weiß nie so recht, was letztendlich dabei heraus
kommt. Besser ist, man macht’s auf die bequeme Tour. Und das geht so: Die Banken
sagen uns ja täglich „Machen Sie mehr aus Ihrem Geld!“ oder neuerdings „Steigern
Sie Ihren Ertragswinkel!“ Und wirklich dumm, wer seine Pinnunzen nicht dort
vermehrend anlegt. Ja, der Kapitalismus möchte doch, dass es wirklich jedem gut
geht und jeder richtiggehend in Geld schwimmt. Und deshalb können Sie Ihr Geld
auch für eine Verzinsung von 5 Prozent alle 14 Jahre verdoppeln. Und wenn Sie
Ihr Erspartes jeden Monat um einen gewissen Betrag aufstocken, geht es noch
schneller mit der Vermögensbildung. Sie besitzen bei einer monatlichen Rate von
250 Euro nach 15 Jahren bereits über 100.000 Euro. Und wenn das jeder
Bundesbürger tun würde, wären wir bereits nach gut 50 Jahren alle Millionäre.
Einen Cent an Christi Geburt zu 5% Zins auf die hohe Kante gelegt, wäre heute zu
einem Sextillion Euro – eine 1 und 36 Nullen – angewachsen. Nun stellen Sie sich
diesen Wohlstand vor! Alle Menschen dieser Welt leben in großzügigen Villen,
haben mindestens zehn dicke Schlitten vor der Türe zu stehen und flößen sich
vorm Swimmingpool Longdrinks am Fließband ein! Niemand bräuchte mehr in der
Frühe aufstehen und zur Arbeit gehen. Alle Menschen würden das Leben in vollen
Zügen genießen und nur noch das tun, was ihnen gerade gefällt. Rentenprobleme,
Finanzlöcher in den Gesundheitskassen, Armut und Sozialfälle wären völlig
unbekannt. Ja, der Kapitalismus ermöglicht doch glatt das Paradies auf Erden –
wenn das der Marx geahnt hätte!
Ich sehe schon Ihr verdutztes Gesicht, denn
zwischen Theorie und Realität klaffen wahrlich Welten. Man könnte meinen, dass
nur wenige Menschen den Sinn des Kapitalismus wirklich verstanden hätten – wie
dumm. Wahrscheinlich erahnen Sie bereits den Pferdefuß bei der Sache. Genau,
wenn wirklich jeder stinkreich wäre, könnte man sich mit dem Geld zwar die
Wohnung tapezieren, aber nichts dafür kaufen. Es wäre nämlich niemand mehr da,
der arbeiten, also für das Geld Waren oder Dienstleistungen anbieten würde. Man
müsste glatt seine Geldscheine wieder von der Wand kratzen und vertilgen um
nicht zu verhungern. Ja, so naiv kann man auch wirklich nicht sein, denn Zinsen,
die man von der Bank erhält, müssen ja auch von jemand erwirtschaftet werden.
Geld ist nur das wert, was man sich dafür kaufen kann und wenn wirklich jeder
Millionen auf seinem Konto hätte, wäre das Geld wie anno 1923 kaum noch etwas
wert. Man könnte sich nicht mal mehr ein Brot für seine Million kaufen.
Damit das nicht soweit kommt, muss die Menge an Waren und Dienstleistungen der ständig wachsenden Geldmenge möglichst angepasst werden. Woher soll das Geld für die Zinsen denn sonst kommen? Anders gesagt, muss das Geld immer wieder investiert werden und deshalb benötigen wir ein ständig steigendes Wirtschaftswachstum. Oder noch anders gesagt, müssen Sie, Du und Ich – also Wir alle – Jahr für Jahr wegen der Zinsen immer mehr, schneller und innovativer arbeiten. Ja, wer viel bekommt, muss auch viel dafür tun, oder was denken Sie denn?! Aber ich verrate Ihnen noch etwas: Sie dürfen nicht nur dafür rackern, Sie tragen auch sämtliche Kosten für die Kapitalvermehrungsmaschinerie. So kommen wir nun zur zweiten Regel des Kapitalismus:
Regel Nr. 2 des Kapitalismus: Sie zahlen grundsätzlich die Zeche.
Als Privatperson können Sie selbst bestimmen, ob Sie einen Kredit aufnehmen und sich für einen gewissen Zeitraum verschulden möchten um etwas zu erarbeiten. In der Wirtschaft dagegen geht ohne Fremdkapital meistens sehr wenig. Und da wir alle über unsere Arbeit und unseren Konsum mit der Wirtschaft verknüpft sind, zahlt jeder Zinsen, auch wenn er gerade nicht verschuldet ist. Sie zahlen also generell die Zeche, und das geht so:
Bis ein Produkt am Markt gekauft werden kann, müssen dafür im Vorfeld noch viele Voraussetzungen geschaffen werden. Diese sind meist mit Kosten verbunden. Da gibt es Kosten für Marktforschung, Entwicklungskosten des Produktes, Kosten für Produktionsanlagen, die zur Herstellung benötigt werden, die Geschäftsräume oder Produktionshallen müssen gebaut oder angemietet werden, Werbestrategien entwickelt und Absatzmärkte gefunden werden usw. Und wie gesagt, kostet dies alles meistens sehr viel Geld, noch bevor auch nur ein Stück verkauft worden ist. Nun werden diese Kosten, wie alle anderen Kosten vom Chef, von den Unternehmen und Firmen in die Endpreise der Produkte und Dienstleistungen einkalkuliert. Wenn Sie also etwas kaufen, zahlen Sie auch immer die darin enthaltenen Zinsen gleich mit. Je höher die Vorfinanzierung, desto höher der Zinsanteil. Im Wohnungsbau kann dieser Anteil bis zu 80% betragen, die Sie über die Miete bezahlen! Letztendlich müssen also Sie, Du und Ich nicht nur immer mehr für die Zinsen malochen, sondern letztendlich auch noch sämtliche Kosten dafür tragen. Haben Sie vielleicht etwas anderes erwartet?!
Ja, das haben Sie nun von Ihrer Zinsgier. Sie haben doch nicht wirklich gedacht, Sie würden die Knete so für nichts kassieren! In dieser Gesellschaft gibt es nichts zu verschenken, merken Sie sich das! Und da die Zinshöhe meistens über der Inflationsrate liegt und durch den Zinseszins (siehe Regel Nr.1) nach einiger Zeit in astronomische Höhen steigt, müssen Sie sich eben immer mehr dafür anstrengen. Das ist doch gerecht, oder? Wer etwas haben möchte, muss auch etwas dafür tun, so ist das nun mal im Leben. Das Bruttosozialprodukt der Bundesrepublik Deutschland steigerte sich deshalb in den letzten vier Jahrzehnten um rund das Dreizehnfache! (nominal – für die Kenner :-)) Aber ich verrate Ihnen noch etwas: Sie, Du und Ich müssen für die Zinsen immer mehr malochen und auch noch für sämtliche Kosten aufkommen, aber nur weil wir Regel Nr. 3 des Kapitalismus noch nicht verstanden haben:
Regel Nr. 3 des Kapitalismus: Fremde Arbeit macht reich, eigene bettelarm
Und das geht so:
Sie kennen doch sicherlich den Slogan der Banken: „Lassen
Sie Ihr Geld für sich arbeiten!“ Nun, ich habe mal den Test gemacht und einen
Hunderter an mein Arbeitsgerät – den Computer – gelegt und mich danach acht
Stunden in die Sonne begeben. Danach kam ich wieder, doch nichts war erledigt.
Dann habe ich den Geldschein ganz detailliert meine Arbeitsaufgaben geschildert
und direkt an die Tastatur gelegt. Aber auch das half nichts, meine Arbeit war
einfach nicht gemacht. Auch der Bestechungsversuch mit einem Zehner half nichts.
Als ich dann nach drei Tagen Ärger mit meinem Chef bekam und dieser mit
Gehaltskürzungen drohte, dämmerte es mir. Dieser Spruch war ja ganz anders
gemeint! :-(
Sie haben vielleicht gedacht, mit ihren müden Zinsen ein gutes Geschäft
gemacht zu haben. Nun, kurzsichtig betrachtet sah es wirklich so aus. Aber Ihre
paar Pinnunzen spielen im großen Geschäft von Regel Nr. 1 „Aus Geld noch mehr
Geld machen“ kaum eine nennenswerte Rolle. Diese paar lächerlichen Euros, die
Sie als Zinsen kassieren, dienen nämlich nur als Lockmittel – damit Sie Regel
Nr. 2 möglichst perfekt erfüllen und keinen Verdacht schöpfen. Den Verdacht
nämlich, dass Sie einen Großteil Ihrer Arbeitskraft und Lebenszeit für
Zinseinnahmen anderer verbrauchen!
Richtig gute Geschäfte machen nämlich
die, die tatsächlich ihr Geld für sich arbeiten lassen und selbst dabei keinen
Finger dafür rühren müssen. Das sind nicht etwa Sie, Ihr Chef, die
mittelständischen Unternehmer oder wie man so schön sagt die „bösen Ausbeuter“.
Nein, die wahren Kapitalisten unternehmen überhaupt nichts, tun nichts und
schaffen überhaupt keine Werte, geschweige denn Arbeitsplätze. Sie verleihen nur
ihr immenses Kapital um damit ordentlich Profit zu machen und noch mehr zu
bekommen – mehr tun sie nicht. Arbeiten sollten schon die anderen, ist doch
klar. Und wenn der Profit zu gering bemessen ist, wird das Geld woanders
investiert und die Allgemeinheit schaut blöd in die Röhre – so einfach ist das
mit Regel Nr. 1. Dann wird eben in China, Taiwan, Rumänien, und wer sonst noch
der Profitgier nicht im Wege steht, investiert.
Tja, und gemeinnützige oder
soziale Arbeit, damit macht man doch wirklich keine Rendite. Die könnte man auch
gänzlich einsparen. Na und nicht zu vergessen die vielen Arbeitslosen, die sind
doch nun völlig unprofitabel. Wer nichts leisten kann, fliegt hinten über – so
ist das nun mal im Kapitalismus. Und deshalb werden die Leute, die Leistung
erbringen immer mehr gehetzt und die anderen verarmen. Gerechte Verteilung der
Arbeit, na so etwas? Bringt das etwa mehr Profit?! Und auch die Diskussionen um
Studiengebühren und neue Elite-Unis sind nur dazu da, aus den Fähigen noch mehr
Leistung herauspressen zu können und den Rest in die Armut zu verabschieden. Was
soll man auch in Leute investieren, die zu wenig Rendite einbringen?!
Tsss...
Ohne eine anständige Rendite wird in der Wirtschaft eben gar nichts
investiert und kein Unternehmer kann etwas unternehmen und deshalb auch keine
Arbeitsplatze schaffen. Und damit die Rendite immer weiter gesteigert werden
kann, muss in der Wirtschaft auch immer mehr gerackert, modernisiert,
rationalisiert und standardisiert werden. Maschinen können rund um die Uhr
laufen, verlangen keine Sozialleistungen und sind deshalb viel effektiver als
Menschen. So wurden trotz oder gerade wegen der ständigen Leistungssteigerung
die Arbeitslosenzahlen seit 1960 von etwa 1,7 auf statistisch geschönte 10
Prozent gehoben, was allerdings der Renditesucht keine Probleme bereitet. Die
Kosten für Arbeitslosigkeit trägt sowieso der Staat, also die Allgemeinheit oder
anders gesagt, wir alle – Sie kennen doch Regel Nr. 2!
Damit aber auch in Zeiten schlechter Konjunktur der Rubel rollen kann, bietet
man den Kapitalisten schon einiges: Der Staat und die Kommunen locken mit
Fördermitteln, Investitionszuschüssen, Arbeitsmarktförderprogrammen,
Bürgschaften, Sicherheiten, Steuervergünstigungen usw., damit in irgendetwas –
und sei es nur eine neue völlig unnütze Straße, in Rüstung, gefährliche
Atomenergie oder Flussbegradigungen – investiert wird. Ja, und damit die
Förderknete auch reichlich fließen kann, hat nun der Staat immer weiter Steuern
und Abgaben bis zum Erbrechen erhöht. Das finden Unternehmer und Arbeitnehmer
auch ganz toll, denn Sie wissen ja, wer dafür malochen und die Zeche zu bezahlen
hat – nämlich sie selbst. Sie kennen doch Regel Nr. 2, oder?
Das ganze kann
nun leider nicht ewig gehen, denn die Kräfte und Ressourcen der Allgemeinheit
sind irgendwann erschöpft. Deshalb funktioniert die soziale Marktwirtschaft auch
nur solange wirklich sozial, wie sich die Steigerungsraten der
Wirtschaftsleistung über denen der Zinsforderungen entwickelt. So gab es
Jahrzehntelang genug zu verteilen – sogar genug für Kapitalschmarotzer! Nur
leider arbeiten die Steigerungsraten im Wirtschaftswachstum und die der
Zinskurve diametral gegeneinander. Will sagen, dass eine prozentuale Steigerung
des Wirtschaftswachstums wegen des immer höheren Verbrauches an Ressourcen und
gesättigter Märkte immer schwieriger zu ermöglichen ist, währenddessen
Zinsansprüche mit der Zeit durch die Kapitalmasse in immer größere und absurdere
Dimensionen ausufern. Irgendwann kann auch beim besten Willen die
Wirtschaftskraft nicht mit der expotentiellen Vermehrung der Zinsansprüche durch
den Zinseszins mithalten.
Deshalb wird der zu verteilende Gesamtkuchen mit der Zeit immer kleiner, werden Sozialleistungen, Rechte, Löhne und Vermögen der arbeitenden Menschen immer mehr gekappt. Nur nutz dies alles nichts, denn expotentiale Zinsforderungen stehen zwar auf dem Papier, können aber in der Realität niemals erfüllt werden. So wird das Geld – real gesehen – mit der Zeit immer wertloser. Damit nun unsere lieben Kapitalisten, schlussendlich nicht auch noch dumm in die Röhre gucken müssen, gibt es aber noch Regel Nr. 4 des Kapitalismus:
Regel Nr. 4 des Kapitalismus:
Irgendwann ist sense mit
Geldvermehrung und „alle“ beginnen wieder bei Null
Tja, wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören, so sagt man doch. Aber ganz
ehrlich, wenn es nach den Kapitalisten ginge, würde das Geldscheffeln natürlich
niemals enden, ist doch logisch. Deshalb wird auch das Kapitalvermehrungssystem
mit allen erdenklichen Mitteln am Leben erhalten. Das System ist auch nicht am
Ende, weil jemand ohne zu arbeiten irgendwann genügend Pinnunzen gemacht hätte.
Nein, ganz im Gegenteil. Das System ist nach einiger Zeit am Ende, weil die
Leute, die die Zinsen erwirtschaften müssen, irgendwann nicht mehr können. Haben
Sie nicht auch das Gefühl bei der Arbeit wird es immer schlimmer, stressiger und
anstrengender? Sagen Sie sich nicht immer öfter: „Ich kann nicht mehr!“? Na
sehen Sie.
Die ganze Geldscheffelei hat nämlich auch eine Schattenseite. Die
Guthaben des einen sind auch immer die Schulden eines anderen – sonst geht die
Rechnung nicht auf. Deshalb müssen die Schulden in der Summe auch immer parallel
zu den Guthaben steigen. Und so ist es auch. Da hat sich der Staat und die
Kommunen verschuldet, aber auch die meisten Unternehmen und zu guter letzt
natürlich doch auch Sie, oder? Das sollten Sie schon allein deshalb tun, damit
Sie Regel Nr. 3 möglichst gut erfüllen können. Schauen Sie sich um in der Welt,
alles versinkt in Schulden! Na sehen Sie. Und alle rackern wie blöde! Na so
etwas.
Nun kann ich mir Billionäre oder Trillionäre, die Millionen Euros tagtäglich
an Zinsen kassieren, noch ganz gut vorstellen. Eine Volksgemeinschaft mit
derartigen Schulden ist dann aber wirklich bankrott. Spätestens wenn die
Einnahmen die Zinsraten übersteigen, ist Schluss mit lustig, dann ist endgültig
sense. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und was hätten Trillionäre von
Trillionen Euros, wenn diese dann auch wertlos wären? Deshalb ist für Sie, Du
und mich, also für die Allgemeinheit irgendwann Schluss, aber natürlich nicht
für alle. Ja, so dumm ist doch niemand, der sich ein System ausheckt, dass er
sich letztendlich selbst liquidiert. *kopfschüttel*
Wenn jemand einen
größeren Kredit aufnimmt und sich verschuldet, muss er dafür als Pfand meistens
eine Sicherheit bieten, sonst bekommt er die Knete nicht. Und diese Sicherheit
besteht meistens aus Sachwerten. Es können Grundstücke, Häuser, Firmeneigentum,
Antiquitäten, wertvolle Kunstgüter, Gold und Silber, Schmuckstücke etc. sein.
Sie wissen ja sicherlich von Ihren Großeltern, welche Werte bisher über
Jahrhunderte hinaus Krisen und Kriege überstanden haben. War es etwa Geld? :-)
Genau, das meine ich und das wissen richtige Kapitalisten auch sehr gut. Wenn
Sie, Du und Ich, also die Allgemeinheit unter Schulden am absaufen sind, wird
erst richtig Kasse gemacht und kräftig umgeschichtet.
Und das geht so:
„Sparen, sparen und nochmals sparen!“ – kommt Ihnen das bekannt vor? Sie können
dieses Wort sicherlich nicht mehr hören, aber es macht Sinn. Da sich der Staat
für die Renditesucht der Kapitalisten mittlerweile total überschuldet hat und
auch Steuererhöhungen keine Effekte mehr bringen, wird nun in die
entgegengesetzte Richtung umgeschlagen. Wo vorher noch mit vollen Händen
ausgegeben wurde, soll „plötzlich“ an allen Ecken und Enden gespart werden. Und
weil alle dabei so wunderschön mitmachen, sparen auch die Konsumenten an
Ausgaben, dadurch die Unternehmen an Einnahmen und diese wiederum an Lohnkosten
und dadurch die Verbraucher wiederum an Einnahmen und Ausgaben, die Unternehmen
an Einnahmen usw. Dass damit die Konjunktur gänzlich abgewürgt wird, die
Arbeitslosigkeit in die Höhe schnellt und der Staat immer mehr Steuerausfälle zu
verzeichnen hat, ist bestens eingeplant. Die ganze Sache hat nämlich für
richtige Kapitalisten einen überaus günstigen Effekt: In der Not verkaufen alle,
was auch nur zu verkaufen geht und zwar zu Spottpreisen! So kann man richtig
günstig einkaufen gehen und sich in Ruhe die besten Stücke aussuchen. Sie wissen
ja: Grundstücke, Häuser, Firmeneigentum, Antiquitäten, wertvolle Kunstgüter,
Gold und Silber, Schmuckstücke etc. Ja und sogar Staatseigentum – also Eigentum,
das die Allgemeinheit einmal mit ihren Steuergeldern finanziert hat – wird für’n
Appel und’n Ei verkloppt, oder anders gesagt „privatisiert“. Sie sehen schon, zu
guter letzt gilt auch hier Regel Nr. 2!
Das ist leider noch nicht alles, denn
das dicke Ende kommt erst noch. So richtig bei Null kann man erst wieder
beginnen, wenn alles, aber auch alles am Boden liegt. Und da die wilde Sparerei
den Bürgern die letzten Cents aus den Hemden saugt und die Not durch
Massenarbeitslosigkeit immer mehr um sich greift, herrschen in der Gesellschaft
immer mehr Frust, Kriminalität und Aggressionen. Das liegt daran, dass die
meisten Menschen gar nicht um die Ursachen der Krise wissen und sich gegenseitig
die Schuld in die Schuhe schieben. Da kämpfen Unternehmer gegen Angestellte,
diese gegen Arbeitslose, Familien gegen Kinderlose, Rentner gegen junge
Menschen, Inländer gegen Ausländer, Linke gegen Rechte, Ossis gegen Wessis usw.
Und weil die schwächsten gegen die da „oben“ kaum etwas zu sagen haben, suchen
sie sich noch schwächere, um ihren Frust abzulassen. Das kann sich soweit
steigern, bis sämtliche Werte in einem Krieg eingeebnet werden und man wieder
wirklich bei Null beginnen kann – wie das auch so oft in der Geschichte war.
Unsere Kapitalisten wird’s freuen, denn so können sie mit der
Rüstungsindustrie noch richtig fette Kasse machen. Auch werden dabei sämtliche
Kriegsparteien mit den schönsten Investitionen beglückt werden – da sind sie
nicht so wählerisch. Von einer entfernten Südseeinsel aus wird dann beim
Gläschen Sekt gewettet, welche Partei denn nun den Krieg gewinnt – oh wie
interessant. Und wenn’s den Aufbau wieder gibt, dann setzt es einen
Währungs-Schnitt und alle bekommen prompt Kredit – so ist das nun mal im
Kapitalismus!
Nachwort
Was kann man tun? Reformen, Reformen und nochmals Reformen! Sicherlich können Sie dieses Wort auch schon nicht mehr hören – und das zurecht. Was unsere Politiker nämlich als Reformen bezeichnen, ist auch nur ein herumdoktern an den Symptomen. Der Verschuldungs- und Investitionszwang, der durch das Zinssystem verursacht wird, ist der Tumor im Fleische der Gesellschaft. Anfangs unbemerkt und klein, entwickelt er sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem gefährlichen Geschwür. Man kann ihn lange Zeit ignorieren, verdrängen und so tun, als sei alles in Ordnung. Doch irgendwann werden lebenswichtige Organe angegriffen, gerät das gesellschaftliche Leben immer mehr aus den Fugen, gibt es trotz hoher Produktivität immer mehr Arbeitslosigkeit und Armut. Dann gibt es die unzweifelhafte Diagnose: Krebs! Doch was tun die Ärzte, unsere Politiker? Sie ignorieren den Tumor, schnippeln einwenig hier und dort herum und verordnen Diät – anstatt die Ursachen zu benennen und zu beseitigen. Nur eine Reform des Wirtschafts- und Finanzsystems kann die Lösung sein! Wenn Regel Nr. 1 „Aus Geld noch mehr Geld machen“ beseitigt wird, erledigt sich der Rest fast von selbst und der Patient Gesellschaft kann genesen. Helfen Sie mit und verbreiten Sie diesen Artikel bei Ihren Bekannten, Freunden und Verwandten. Informieren Sie sich über das System, zweifeln Sie und stellen Sie Fragen. Engagieren Sie sich für eine menschlichere Marktwirtschaft. Die Wirtschaft ist für die Menschen da, und nicht umgekehrt!
Mit freundlichen Grüßen
Detlef Ouart E-Mail: detlef.ouart@web.de
02. September 2004 22:31:27
Informationen:
http://www.humanwirtschaft.org/
http://userpage.fu-berlin.de/%7Eroehrigw/creutz/geldsyndrom/
http://www.miprox.de/
http://www.geldcrash.de/
http://www.freiwirtschaft.de/
http://www.23x.de/
http://www.killerzins.de/front_content.php?idcat=14
http://www.feldpolitik.de/
Initiativen:
http://www.inwo.de/
http://www.humanwirtschaft.org/humanwirtschaftspartei/index.htm
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