HEIMKINDER-SCHICKSALE

 
Misshandlungen in kirchlichen Kinderheimen
Schläge im Namen des Herrn

 
audio
Erbrochenes musste wieder gegessen werden
Länge: 3:09 min

 
In seinem Buch "Schläge im Namen des Herrn" hat der 52-jährige "Spiegel"-Journalist Peter Wensierski das erschütternde Schicksal von tausenden Kindern und Jugendlichen recherchiert, die während der 1950er und 1960er Jahre in kirchlichen Kinderheimen systematisch misshandelt, geschlagen und gedemütigt wurden.....
.....Es gab Strafen wie auf Holzscheiten Knien und Beten. Oder Kniebeugen Machen mit Bibeln auf den Händen und wenn die 'runterfielen, wurde mit Stücken auf die Hände geschlagen. Es gibt wirklich Szenen, die an Folter grenzen, die da stattgefunden haben. Es war außer Kontrolle, die staatlichen Stellen haben diese Heime nicht genügend kontrolliert. Kinder waren denen ausgeliefert. Und den Beschwerden der Kinder wurde kein Glauben geschenkt......
http://oe1.orf.at/highlights/63659.html
 

 
Wahre Barmherzigkeit
 
...Erbrochenes gegen den Schweinehund
Gisela Nurthen war fünfzehn Jahre alt, als sie 1961 ins Dortmunder "Heim für gefallene Mädchen" kam, das von den "Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul" geführt wurde. Der Grund ihrer Einweisung war so nichtig wie bei vielen anderen ihrer Leidensgenossinnen: Sie benahm sich etwas anders als andere Mädchen ihres Alters, etwas auffälliger und lebenslustiger. Sie hatte ein Elvis-Plakat an die Wand ihres Kinderzimmers geklebt, trug gern kurze Röcke oder enge Hosen, fuhr mit Jungs auf dem Moped durch die Gegend und schrieb einen "Liebesbrief" an einen Zwölfjährigen. Zum Verhängnis wurden ihr ein Tanzabend und eine Nacht, in der sie nicht zu ihrer alleinerziehenden Mutter nach Hause gekommen war.
Ein Streifenwagen der Polizei griff sie zusammen mit einem Freund auf, und schon vierundzwanzig Stunden später entschied ein Richter, der sie nie zu Gesicht bekam, dass sie auf "Vorschlag" ihres Vormunds beim Jugendamt ins Heim verbracht werde. Ein Routinevorgang, wie er damals sehr oft vorkam: Entscheid nach Aktenlage, Denunziationen von Nachbarn eingeschlossen. "Vier Jahre dauerte die Haft hinter Klostermauern. Gisela Nurthen war ohnmächtig einem perfiden Repressionssystem frommer Schwestern ausgeliefert, die sie mit Prügeln zu Gebet, Arbeit und Schweigen zwangen. Bis heute hat die Frau das Trauma dieser unbarmherzigen Jahre nicht verwunden." Das Heim der "barmherzigen Schwestern" war ein Zuchthaus. Von Anfang an setzte es, auch bei allergeringsten Abweichungen von der festgefügten Ordnung, Schläge und Tritte, bis Blut floss. Beschimpfungen und Verwünschungen, verbale Erniedrigungen jeder Art galten als pädagogisches Prinzip.
War das fetttriefende Billigessen auch noch so ekelhaft, es musste aufgegessen werden - auch das schon erbrochene. Der Gang zur Toilette war nur zu bestimmten Zeiten erlaubt. Wer dazwischen musste, wurde hart bestraft. Dafür weideten sich die Schwestern an der befohlenen Intimreinigung der "Sünderinnen", die sie minutiös beobachteten. Manchmal legten sie auch selbst Hand an beim Scheuern und Schrubben der gottlosen Sündenfalle. Das alles war Teil des heiligen "Kampfes gegen sich selbst", für gnadenlose "Selbstzucht" und gegen den "inneren Schweinehund".
Manchmal wurden gegen diesen auch Psychopharmaka verabreicht, wie bei Marion. Jahrelang und ohne jede ärztliche Untersuchung. Die gab es sowieso nicht. Lange Zeit war Marion später tablettensüchtig. Ein unglaublicher Höhepunkt der systematischen Quälerei war eine Art Scheinhinrichtung im Herbst 1970 (!). Eine Schwester befahl der neunjährigen Carola, mitten in der Nacht ihr eigenes Grab zu schaufeln. Im Schlafanzug. "Sie weinte, sie schluchzte, sie grub." Dann zerrte die Magd Jesu Christi die hilflose Kleine wieder ins Heim. Bis heute ist Carola, seit ihrem 39. Lebensjahr erwerbsunfähig, in psychiatrischer Behandlung.
Tagsüber musste vielerorts im Akkord unbezahlte Zwangsarbeit verrichtet werden: zehn Stunden nähen, stopfen, waschen, mangeln, bügeln. Selbst im Schlafsaal war die Tortur noch lange nicht zu Ende. Eines Abends, das Licht war schon aus und die wachhabende Nonne gerade nicht da, sang Gisela mit Inbrunst einen Song ihres geliebten Elvis Presley. Mit einem Ruck wurde sie "aus dem Bett gerissen, über den Boden geschleift, heraus aus dem Schlafsaal, den Flur entlang bis zur ‹Klabause›, jenen gefürchteten Zellen mit Glasbausteinen anstelle von Fenstern. Die Ausstattung bestand nur aus einer Holzpritsche, einer groben Decke und einem Blecheimer mit Deckel als Toilette."......
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=13262&CategoryID=80
 
Was meint ihr? Barmherziger geht es eigentlich kaum mehr, oder?
 

 
"Wie geprügelte Hunde"
Von Peter Wensierski

 
Sie wurden geschlagen, erniedrigt und eingesperrt. Unter oft unvorstellbaren Bedingungen wuchsen in den fünfziger und sechziger Jahre Hunderttausende Kinder und Jugendliche in kirchlichen Heimen auf. "Wir waren Zwangsarbeiter", sagen sie heute. Ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte.
 
Hamburg - In den sechziger Jahren trimmten staatliche, katholische und evangelische Erzieher Kinder und Jugendliche in rund 3000 Heimen mit mehr als 200.000 Plätzen. Gut die Hälfte der Kinder war zwei bis vier Jahre lang in solchen Heimen. Andere verbrachten ihre ganze Kindheit und Jugend in den oft hermetisch abgeschlossenen Häusern. Erst wenn sie das 21. Lebensjahr vollendet hatten, als Volljährige, wurden sie in die Gesellschaft entlassen. Heute leben vermutlich noch mindestens eine halbe, wahrscheinlich aber mehr als eine Million ehemaliger Heimkinder aus dieser Zeit in Deutschland. Sie sind zwischen 40 und 65 Jahre alt.
Rund 80 Prozent der Heime waren in konfessioneller Hand. Insbesondere die katholischen Frauen- und Männerorden führten jahrzehntelang zahlreiche Erziehungsanstalten. Sie hießen "Zum Guten Hirten" oder waren nach Heiligen und Ordensgründern benannt: "Don-Bosco-Heim", "St. Vincenzheim", "St. Hedwig" oder "Marienheim". Die alte Mönchsregel "Bete und arbeite" erlebte eine perverse Renaissance in diesen konfessionellen Erziehungsheimen der jungen Bundesrepublik.
 
In der Diakonie Freistatt bei Diepholz, einer Zweigstelle der von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel, wurde sie brutal umgesetzt. Freistatt mit seiner Presstorfproduktion, mit seinen Schlossereien und Schmieden war als reiner Wirtschaftsbetrieb konzipiert, der die billigen Arbeitskräften ausnutzte. Wenn nicht gerade Choräle gesungen wurden, mussten die 14- bis 21-Jährigen im Sommer wie im Winter im Moor Torf stechen und pressen.
 
"Besenstiele als Züchtigungsmittel"
 
In der abgelegenen Anstalt schufteten viele Jugendliche, bei denen "Verwahrlosung drohte", bis 1970 getreu dem Motto des Pastors Gustav von Bodelschwingh: "Ein Junge, der am Tage stramm gearbeitet hat, der hat nach dem Feierabend keine Neigung für dumme Streiche mehr." Dennoch versuchten Zöglinge zu fliehen.
 
Diese mussten nach ihrer Ergreifung den Torf in schweren "Kettenhosen" stechen, die nur Trippelschritte erlaubten. Selbst zum Kirchgang mussten die Jugendlichen die Beinschellen tragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die inzwischen auf sechs Häuser angewachsene Diakonie Freistatt ständig überfüllt. In den fünfziger Jahren waren in Freistatt etwa 500 junge Männer eingesperrt. Damals war es noch üblich, dass Neuankömmlinge, die etwa aus anderen Heimen entwichen waren, aus Schikane anfangs auf dem Boden schlafen mussten.
 
Trotz des Verbots staatlicher Stellen, zu züchtigen oder als Strafmaßnahme die Haare abzuschneiden, prügelten die Erzieher in Freistatt, meist evangelische Diakone, munter weiter. 1960 beanstandete das Landesjugendamt Hannover "die Verwendung von Forkenstielen, Torflatten, Pantoffeln und Besenstielen als Züchtigungsmittel".
 
"Der Wille muss erst gebrochen werden"
 
Schon 1928 war die SPD Hannover bei Pastor von Bodelschwingh abgeblitzt, als die Genossen nach der Entlohnung für die harte Arbeit fragten: Die jungen Männer könnten ja frei wohnen, antwortete der Gottesmann, ein Lohn sei nicht drin, sie würden hier als Pfleglinge vor einer Notlage in Freiheit geschützt. Das Torfstechen wird bei einer Tagung der "Betheler Inneren Missions Anstalt Freistatt" auch 1950 noch als "eine wertvolle Beschäftigungsmöglichkeit" bezeichnet. "Wer nicht spurte, wurde verprügelt", berichtet D. Grünenbaum, ein ehemaliger Erzieher und Diakon. Ihm wurde zum Dienstantritt von einem älteren Aufseher gesagt, er solle doch einfach nur den Stärksten in seiner Gruppe herausfinden: "Dem müssen Sie rechts und links hinter die Ohren hauen, dann haben Sie hier die nötige Autorität." Grünenbaum begriff rasch: "Der Wille musste erst gebrochen werden. Das Prinzip war, der Jugendliche muss erst ganz unten sein."....
 
Teil 2 gibt es auch noch:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,400215,00.html
 

 
Saarbrücken
Prügel an Realschule

 
15. Februar 2006
Wegen der Mißhandlung von Schülern wird eine von katholischen Traditionalisten getragene Realschule in Saarbrücken geschlossen. Wie Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) am Dienstag abend bestätigte, haben ein Lehrer und die Schulleitung Züchtigungen von zwei Schülern eingeräumt. Danach wurden die beiden Neuntkläßler im Dezember und im Februar auf den Kopf geschlagen.
 
Vor knapp einem Jahr war die Privatschule bereits abgemahnt worden, nachdem von Schlägen, Tritten und dem Einsperren in einen Keller berichtet worden war. Die Staatsanwaltschaft leitete damals ein Ermittlungsverfahren ein, das nach ihrer Auskunft noch nicht abgeschlossen ist. Das Ministerium wurde laut Schreier über die neuerlichen Vorfälle erst am Montag von der Leitung der Herz-Jesu-Realschule per Fax informiert.
 
Lehrer vom Dienst suspendiert
 
Der Minister zeigte sich empört darüber, daß die Übergriffe zunächst verheimlicht wurden, obwohl in der Zwischenzeit eine Inspektion stattgefunden habe. Der betroffene Lehrer sei vom Dienst suspendiert. Die Genehmigung zum Betrieb der Realschule solle allerdings erst zum Schuljahreswechsel widerrufen werden, damit die etwa 50 Schüler das laufende Schuljahr noch zu Ende bringen und dann in staatliche Schulen wechseln können.
 
Träger der erweiterten Realschule ist der Don-Bosco-Schulverein. Hinter diesem steht die Priesterbruderschaft des Hl. Pius X., die vor über 30 Jahren von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet wurde. Lefebvre wollte Reformen des Vatikanischen Konzils nicht anerkennen und wurde 1988 wegen unerlaubter Bischofsweihen exkommuniziert.
http://www.faz.net/.......
 

 

 
Bildquelle: http://www.wensierski.info/assets/images/Buchcover.jpg
 
http://www.wensierski.info/
 


 
Arbeite und bete!
Kinderzwangsarbeit in der Diakonie Freistatt
http://www.heimkinder-ueberlebende.org/


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