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Und weil der Soldat nach Verwesung stinkt, drum hinkt ein Pfaffe voran, der über ihn ein Weihrauchfaß schwingt, daß er nicht stinken kann. Gegen Verführung Lasst euch nicht verführen! Es gibt keine Wiederkehr. Der Tag steht in den Türen; Ihr könnt schon Nachtwind spüren. Es kommt kein Morgen mehr. Lasst euch nicht betrügen, Dass Leben wenig ist. Schlürft es in schnellen Zügen! Es wird euch nicht genügen, Wenn ihr es lassen müsst! Lasst euch nicht vertrösten! Ihr habt nicht zu viel Zeit! Lasst Moder den Erlösten! Das Leben ist am größten: Es steht nicht mehr bereit. Lasst euch nicht verführen Zu Fron und Ausgezehr! Was kann euch Angst noch rühren? Ihr sterbt mit allen Tieren, Und es kommt nichts nachher. Bertolt Brecht, Dichter (1898-1956) WENN DIE HAIFISCHE MENSCHEN WÄREN Von Bertolt Brecht "Wenn die Haifische Menschen wären", fragte Herrn X. die kleine Tochter seiner Wirtin, "wären sie dann netter zu den kleinen Fischen?" "Sicher", sagte er. "Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie im Meer für die kleinen Fische gewaltige Kästen bauen lassen, mit allerhand Nahrung drin, sowohl Pflanzen wie auch Tierzeug. Sie würden sorgen, dass die Kästen immer frisches Wasser hätten, und sie würden überhaupt allerhand sanitäre Maßnahmen treffen. Wenn zum Beispiel ein Fischlein sich die Flosse verletzen würde, dann würde ihm sogleich ein Verband gemacht, damit es dem Haifischen nicht wegstürbe vor der Zeit. Damit die Fischlein nicht trübsinnig würden, gäbe es ab und zu große Wasserfeste; denn lustige Fischlein schmecken besser als trübsinnige. Es gäbe natürlich auch Schulen in den großen Kästen. In diesen Schulen würden die Fischlein lernen, wie man in den Rachen der Haifische schwimmt. Sie würden zum Beispiel Geographie brauchen, damit sie die großen Haifische, die faul irgendwo liegen, finden könnten. Die Hauptsache wäre natürlich die moralische Ausbildung der Fischlein. Sie würden unterrichtet werden, dass es das Größte und schönste sei, wenn ein Fischlein sich freudig aufopfert, und dass sie alle an die Haifische glauben müssten, vor allem, wenn sie sagten, sie würden für eine schöne Zukunft sorgen. Man würde den Fischlein beibringen, dass diese Zukunft nur gesichert sei, wenn sie Gehorsam lernten. Vor allen niedrigen, materialistischen egoistischen und marxistischen Neigungen müssten sich die Fischlein hüten und es sofort den Haifischen melden, wenn eines von ihnen solche Neigungen verriete. Wenn Haifische Menschen wären, würden sie natürlich auch untereinander Kriege führen, um fremde Fischkästen und fremde Fischlein zu erobern. Die Kriege würden sie von ihren eigenen Fischlein führen lassen. Sie würden die Fischlein lehren, dass zwischen ihnen und den Fischlein der anderen Haifische ein riesiger Unterschied bestehe. Die Fischlein, würden sie verkünden, sind bekanntlich stumm, aber sie schweigen in ganz verschiedenen Sprachen und können einander daher unmöglich verstehen. Jedem Fischlein, das im Krieg ein paar andere Fischlein, feindliche, in anderer Sprache schweigende Fischlein tötete, würden sie einen kleinen Orden aus Seetang anheften und den Titel Held verleihen. Wenn die Haifische Menschen wären, gäbe es bei ihnen natürlich auch eine Kunst. Es gäbe schöne Bilder, auf denen die Zähne der Haifische in prächtigen Farben, ihre Rachen als reine Lustgärten, in deren es sich prächtig tummeln lässt, dargestellt wären. Die Theater auf dem Meeresgrund würden zeigen, wie heldenmütige Fischlein begeistert in die Haifischrachen schwimmen und die Musik wäre so schön, dass die Fischlein unter ihren Klängen, die Kapelle voran, träumerisch, und in allergenehmsten Gedanken eingehüllt, in die Haifischrachen strömten. Auch eine Religion gäbe es da, wenn die Haifische Menschen wären. Sie würde lehren, dass die Fischlein erst im Bauch der Haifische richtig zu leben begännen. Übrigens würde es auch aufhören, wenn die Haifische Menschen wären, dass alle Fischlein. wie es jetzt ist, gleich sind. Einige von ihnen würden Ämter bekommen und über die anderen gesetzt werden. Die ein wenig größeren dürften sogar die kleineren auffressen. Das wäre für die Haifische nur angenehm, da sie dann selber öfter größere Brocken zu fressen bekämen. Und die größeren, Posten habenden Fischlein werden für die Ordnung unter den Fischlein sorgen, Lehrer, Offiziere, Ingenieure im Kastenbau usw. werden. Kurz, es gäbe überhaupt erst eine Kultur im Meer, wenn die Haifische Menschen wären HYMNE AN GOTT Tief in den dunklen Tälern sterben die Hungernden, Du aber zeigst ihnen Brot und lässest sie sterben. Du aber thronst ewig und unsichtbar Strahlend und grausam über dem ewigen Plan. Ließest die Jungen sterben und die Genießenden Aber die sterben wollten, ließest du nicht..... Viele von denen die jetzt vermodert sind Glaubten an dich und starben mit Zuversicht. Ließest die Armen arm sein manches Jahr Weil ihre Sehnsucht schöner als dein Himmel war Starben sie leider, bevor mit dem Lichte du kamst Starben sie selig doch – und verfaulten sofort. Viele sagen, du bist nicht und das sei besser so. Aber wie kann das nicht sein, das so betrügen kann? Wo soviel leben von dir und anders nicht sterben konnten – Sag mir, was heißt das dagegen - daß du nicht bist? Bertold Brecht, Gedichte 1913-1926 Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus Gothama, der Buddha, lehrte Die Lehre vom Rade der Gier, auf das wir geflochten sind, und empfahl, Alle Begierde abzutun und so Wunschlos einzugehen ins Nichts, das er Nirwana nannte. Da fragten ihn eines Tags seine Schüler: «Wie ist dies Nichts, Meister? Wir alle möchten Abtun alle Begierde, wie du empfiehlst, aber sage uns, Ob dies Nichts, in das wir dann eingehen, Etwa so ist wie dies Einssein mit allem Geschaffenen, Wenn man im Wasser liegt, leichten Körpers, am Mittag Ohne Gedanken fast, faul im Wasser liegt oder in Schlaf fällt, Kaum noch wissend, daß man die Decke zurechtschiebt, Schnell versinkend, ob dies Nichts also So ein fröhliches ist, ein gutes Nichts, oder ob dies dein Nichts nur einfach ein Nichts ist, kalt, leer und bedeutungslos.» Lang schwieg der Buddha, dann sagte er lässig: «Keine Antwort ist auf euere Frage.» Aber am Abend, als sie gegangen waren, Saß der Buddha noch unter dem Brotbaum und sagte den andern, Denen, die nicht gefragt hatten, folgendes Gleichnis: «Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte, Daß noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief Ihnen zu, daß Feuer im Dach sei, sie also auffordernd, Schnell hinauszugehen. Aber die Leute Schienen nicht eilig. Einer fragte mich, Während ihm schon die Hitze die Braue versengte, Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne, Ob nicht doch Wind ginge, ob da ein anderes Haus sei, Und so noch einiges. Ohne zu antworten, Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich, Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde, Wem der Boden noch nicht so heiß ist, daß er ihn lieber Mit jedem andern vertausche, als daß er da bliebe, dem Habe ich nichts zu sagen.» So Gothama, der Buddha. Aber auch wir, nicht mehr beschäftigt mit der Kunst des Duldens, Eher beschäftigt mit der Kunst des Nichtduldens und vielerlei Vorschläge Irdischer Art vorbringend und die Menschen beschwörend, Ihre menschlichen Peiniger abzuschütteln, meinen, daß wir denen, die Angesichts der heraufkommenden Bombenflugzeuggeschwader des Kapitals noch allzu lang fragen, Wie wir uns dies dächten, wie wir uns das vorstellten Und was aus ihren Sparbüchsen und Sonntagshosen werden soll nach einer Umwälzung, Nicht viel zu sagen haben. [In: Bertolt Brecht: Hundert Gedichte 1918-1950, Berlin 1962, S.116 f.] Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher! (Berthold Brecht, dt. Schriftsteller, 1898-1956) Wer a sagt, der muss nicht b sagen. Er kann auch erkennen, dass a falsch war. Bertold Brecht Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank. Bertold Brecht Ich gestehe es: Ich habe keine Hoffnung. Die Blinden reden von einem Ausweg. Ich sehe. Wenn die Irrtümer verbraucht sind Sitzt als letzter Gesellschafter Uns das Nichts gegenüber. Der Radwechsel Ich sitze am Straßenrand. Der Fahrer wechselt das Rad. Ich bin nicht gern, wo ich herkomme. Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre. Warum sehe ich den Radwechsel Mit Ungeduld? Der Moritat von Mackie Messer Und der Haifisch, der hat Zähne Und die trägt er im Gesicht Und Macheath, der hat ein Messer Doch das Messer sieht man nicht Ach, es sind des Haifischs Flossen Rot, wenn dieser Blut vergießt! Mackie Messer trägt 'nen Handschuh Darauf man keine Untat liest An 'nem schönen blauen Sontag Liegt ein toter Mann am Strand Und ein Mensch geht um die Ecke Den man Mackie Messer nennt Und schmul Meier bleibt verschwunden Und so mancher reiche Mann Und sein Geld hat Mackie Messer Dem man nichts beweisen kann Jenny Towler ward gefunden Mit 'nem Messer in der Brust Und am Kai geht Mackie Messer Der von allem nichts gewußt Und das große Feuer in Soho Sieben Kinder und ein Greis In der Menge Mackie Messer, den Man nichts fragt und der nichts weiß Und die minderjährige Witwe Deren Namen jeder weiß Wachte auf und war geschändet Mackie, welches war dein Preis Und die Fische, sie verschwinden Doch zum Kummer des Gerichts Man zitiert am End den Haifisch Doch der Haifisch weiß von nichts Und er kann sich nicht erinnern Und man kann nicht an ihn ran Denn ein Haifisch ist kein Haifisch Wenn man's nicht beweisen kann Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens Der Mensch lebt durch den Kopf. Sein Kopf reicht ihm nicht aus. Versuch es nur, von deinem Kopf Lebt höchstens eine Laus. Denn für dieses Leben Ist der Mensch nicht schlau genug. Niemals merkt er eben Diesen Lug und Trug. Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch 'nen zweiten Plan Gehn tun sie beide nicht. Denn für dieses Leben Ist der Mensch nicht schlecht genug. Doch sein höhres Streben Ist ein schöner Zug. Ja, renn nur nach dem Glück Doch renne nicht zu sehr Denn alle rennen nach dem Glück Das Glück rennt hinterher. Denn für dieses Leben Ist der Mensch nicht anspruchslos genug. Drum ist all sein Streben Nur ein Selbstbetrug. Der Mensch ist gar nicht gut Drum hau ihm auf den Hut. Hast du ihm auf den Hut gehaun Dann wird er vielleicht gut. Denn für dieses Leben Ist der Mensch nicht gut genug Darum haut ihm eben Ruhig auf den Hut! |