|
Kritik am Zinseszinssystem und Eugen Drewermann
Verwandte Themen: Und die Bibel hat doch recht? (bibl. Zinskritik) Zinsverbot in Antike und Christentum Ruhland, Gesell, Machiavelli... Presse zum Zinsthema Kurzfassung Zinskritik Kredite und Kreditkrise Nachrichten zur Finanzkrise / Kreditkrise 06.11.2008 Wie im Schlaraffenland Von Eugen Drewermann ....So zeigt sich derzeit überdeutlich, was Kapitalismus im Prinzip bedeutet: maximale Profitsteigerung durch maximale Ausbeutung von Menschen und natürlichen Ressourcen. Nicht private Gier ist der Grund, sondern das Ausleseprinzip eines Wettbewerbs der wechselseitigen Vernichtung. Liberalisierung und Deregulierung der Märkte sind das Credo von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Der Missionierungsauftrag von Milton Friedman und den Chicago-Boys hat ganze Regionen verelenden lassen und Millionen Menschen in den Untergang getrieben. Die strukturelle Gewalt, die damit verbunden ist, bedarf ständig erweiterter Militäreinsätze. Auf 33 Milliarden Euro wird sich 2009 der Rüstungshaushalt allein der Bundesrepublik belaufen - gedacht für teilweise völkerrechtswidrige Einsätze der NATO auf dem Balkan und in Afghanistan oder für Antiterror-Aufträge vor der Küste Somalias...... ......Wir sollten daher dreierlei auf einmal abschaffen: alle Formen der modernen Lohnsklaverei, die "Option" zum Kriegführen und den Zinswucher. Eugen Drewermann ist Theologe, Psychoanalytiker, Schriftsteller und seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Kirchenkritiker in Deutschland. http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005358.html Gegen Ende dieser Datei weiteres von Eugen Drewermann. Detlef Ouart, 13.11.2008 Die Ausplünderung des Volkes geht weiter Man sagt: "Die erste Million ist die Schwerste, die Zweite kommt von selbst." Es ist so, dass die Banken ihr Geld (Zinseszinsen) nicht zu verschenken haben, es muss erwirtschaftet werden. So erwirtschaften diejenigen die auf Erwerbsarbeit angewiesen sind den Reichtum derer, die von Kapitaleinkünften (oftmals sehr gut) leben können. Doch damit nicht genug: "Man sagt: "Kapital muss immer zuerst bedient werden, sonst stellt es sich der Wirtschaft nicht zur Verfügung." Wenn Zinsen zu niedrig ausfallen, wird nicht in Arbeit investiert. So müssen Arbeitskosten wie Löhne reduziert werden, damit das Kapital der Wirtschaft zur Verfügung steht. Deshalb geht es den Arbeitenden immer schlechter, fallen Löhne, steigen Arbeitszeiten, Stress und Überforderung, währenddessen es Kapitalbesitzern mit viel Kapital immer besser geht, diese immer mehr Politik und Gesellschaft zu ihren Gunsten beeinflussen können. Daher braucht man sich nicht wundern, dass man in den gekauften Massenmedien nicht über diese Tatsachen berichtet wird. http://www.detlef-ouart.de/Kommentare.htm#131108 Detlef Ouart Zinseszins gleich Schuldesschuld http://www.detlef-ouart.de/Zinseszins_gleich_Schuldesschuld.htm Es werde Geld! Unser Geld wird dahin verschwinden, woher es gekommen ist – ins Nichts Das Geld, das die Welt regiert, ist so schwammig konstruiert, dass nicht einmal die obersten Währungshüter mit Bestimmtheit sagen können, was Geld wirklich ist. In Tat und Wahrheit wird es aus dem Nichts geschöpft, und dorthin wird es sich am Tag der Abrechnung auch wieder verflüchtigen. Das ist der Moment der grossen Chance....... ......Greenspan antwortete: «Wir haben ein Problem, Geld exakt zu definieren. Die gängige Definition von Geld gibt uns nicht die geeigneten Mittel, die Geldversorgung zu kontrollieren.» Der Kongressabgeordnete Ron Paul: «Wenn Sie Geld nicht definieren können, wie können Sie denn das Geldsystem kontrollieren?» Alan Greenspan: «Das ist das Problem …».......... http://www.hinter-den-schlagzeilen.info/pm/more.php?id=3647_0_1_0_M ....In den Jahren 2003 und 2004 druckten die Zentralbanken dieser Welt - allen voran die Asiaten - insgesamt etwa 1,3 Billionen $ (andere Währungen auf $ umgerechnet), was die globale Geldmenge um etwa 61% vergrösserte. Und 2005 wurden (auf das Jahr hochgerechnet) noch einmal bunte, mit Zahlen bedruckte Papierchen (genannt "Geld") im Gesamtwert von etwa 600 Milliarden $ erstellt und in Umlauf gebracht. Das Ganze entspricht einer Ausweitung der Welt-Geldmenge von beinahe 100% in nur drei Jahren. Auf jeden Fall handelt es sich hier um die grösste Geld-Massenproduktion der Geschichte - jedenfalls in Friedenszeiten. Kein Wunder also, dass diese massiven Interventionen in die Preisbildung immer grössere Verzerrungen erzeugen..... http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=1742 Die Insel der Schiffbüchigen Eine Fabel, die das Geheimnis des Geldes enthüllt http://www.michaeljournal.org/insel.htm Die Schulden-Bergpredigt Unsere Politiker sind zu den Futtertrögen der Macht zurückgekehrt. Die Altlasten aus allen Vorgänger-Regierungen sind geblieben: Das gigantisch wachsende Schuldengebirge, das Fünfmillionenheer der Arbeitslosen. Diese nationale Problematik wird Sie als weitsichtiger Anleger in ihren Entscheidungen in den nächsten Jahren zu wachsamer Skepsis gemahnen. ........ ...... Die Schuldentilgung: selbst über Jahrhunderte ein unlösbares Problem....... Verschuldungsweltmeister USA und das weltweite Schulden-Szenario Die Gesamtschulden der USA in Höhe von 36 Billionen US$ sind höher als das gesamte Welt-Sozialprodukt von 32 Bio. US$. Würde man diese gigantische Summe im Sekundentakt Dollar für Dollar durchzählen, dann hätten bereits die frühen Hominiden vor 1 Million Jahren mit der Zählprozedur beginnen müssen. Eine weitere unfaßbare Zahl: die US-Neuverschuldung frißt 70% der Weltersparnisse auf. Von 1995 bis Ende 2002 stieg die Gesamtverschuldung der USA von 10,28 auf insgesamt 38 Bio. US$. Das ist Faktor 4 des Sozialprodukts (BIP). Man stelle sich bloß vor, daß ein Dollar einem Liter Wasser entspräche, dann könnte man mit dieser gigantischen "Liquidität" den 51 Kubikkilometer fassenden Bodensee...... .....Fazit Die "ordentliche Entsorgung" des Schuldengebirges wäre eine Illusion. Schminken Sie sich das soziale Schlaraffenland Deutschland ab. Die Politik des leichten Geldes (Liquiditätsschwemme durch Manipulationen der Papiergeldsysteme) führte weltweit zu einer ausweglosen Schieflage auf der Titanic..... ziemlich langer Artikel bei http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=2281 Reale Zinswirtschaft in Computerspielen nicht möglich Bisher ist es unmöglich reale Wirtschaftsbedingungen in einem Computerspiel zu integrieren, ohne daß das Spiel ad absurdum geführt wird. Wirtschafts- und Aufbauspiele für PC und Spielekonsolen sind ein beliebtes Genre. So kann man sich z.B. bei der Sim City Reihe sich seine Stadt nach eigenen Gesichtspunkten aufbauen und verwalten oder gleich ganze Konzerne aus dem Boden stampfen, wie z.B. bei Industrie Gigant und dessen Nachfolger. Bisher gibt es aber kein einziges Computerspiel, welches die REALEN Zins- und Geldanlagebedingungen unseres derzeitigen Wirtschaftssystems simuliert. Der Grund ist einfach, es würde nicht funktionieren, das Spiel würde "witzlos" werden. Als Beispiel diene hier das Spiel Civilation. Hier führt man eine Nation und kann u.a. sogenannte Weltwunder errichten, welche dem Spieler besondere Vorteile bringen. Ein Weltwunder ist die Wall Street. Hat der Spieler die Wallstreet errichtet, bekommt er von diesem Zeitpunkt an 5 % Zinsen auf sein Vermögen gutgeschrieben. Pro Runde sind die Zinsen aber auf 50 Geldeinheiten limitiert, d.h. selbst bei einem Vermögen von 10.000 Geldeinheiten, gibt es nur 50 Geldeinheiten Zinsen, keine 500. Der Grund hierfür ist einfach, denn durch zu hohe Zinsgewinne wäre das Spiel viel zu einfach, die Nation, welche die Wall Street als Weltwunder hat, würde überproportional gestärkt werden. Daher limitiert man hier die Zinsen, damit das Spiel auch spielbar bleibt und man wirklich aktiv etwas für den Fortschritt seiner Nation tun muß. Es gibt kein Computerspiel, welches die realen Bedingungen nutzt, entweder führt die Simulation zu einem Kollaps oder sie ist einfach nur noch witzlos. Das stimmt nachdenklich. http://www.extremnews.com/berichte/wirtschaft/c210ab6269f17 Wer auf Zinsen gibt und einen Aufschlag nimmt sollte der am Leben bleiben? Er soll nicht leben, sondern, weil er alle diese Greuel getan hat, soll er des Todes sterben; seine Blutschuld komme über ihn. Bibel, Hesekiel 18,13 aus der Seite: Pressemeldungen zum Zinsthema: http://www.killerzins.de/news.htm ....Ohne die moralische Unterstützung der Kirchen wird dieser grandiose Sozialschatz allerdings nicht zu heben sein. Die Lösung der sozialen Frage setzt die von Silvio Gesell entwickelte Natürliche Wirtschaftsordnung (NWO) voraus, in der sich das zinsfordernde und herrschende Geld in ein nur noch dienendes Geld verwandelt. Fluch wird Segen! Damit kommen wir - die Unterzeichner dieses Briefes - jenen 5 % der Bevölkerung ins Gehege, die sich der restlichen 95 % zu bedienen wissen - und zwar durch eine verheerende und dennoch legalisierte (!) Ausbeutung über den Zins. Von ratlosen Wirtschaftswissenschaftlern ausgeblendet, von hilflosen Politikern ignoriert, wird dieses brennend aktuelle Thema von den Medien gehorsam totgeschwiegen. Motto: "Die schweigende Mehrheit schweigt, weil ihr das Rettende verschwiegen wird." (H. Benjes). Bis heute ungeklärt (und darum fragen wir ja an): Wann regt sich das Gewissen der Kirchen; wann läuten die Glocken endlich einmal Sturm? Wir maßen uns nicht an, Kirche über die biblische Zinskritik aufzuklären; aber wir sehen uns veranlasst, die Kirche an die satanische Wirkung des Zinses zu erinnern..... http://www.muslix.de/HB/apfel/apfbr.htm Die Crux mit unserem Geld oder jeder braucht es und keiner weiss was es ist http://www.inwo.org/einführung.html Weitere Zitate aus der Killerzins-Seite: Jetzt endlich habe ich erkannt, dass nicht das Wirtschaftswachstum den Zinseswahnsinn erzeugt, sondern dass der Zins die einzige wahre und wirkliche Ursache dafür ist, dass die Welt dem Wahnsinn des ewigen Wachstums verfallen ist. Konrad Lorenz (*1903, †1989), österr. Verhaltensforscher, Medizin-Nobelpreis 1973 Wer Zins nimmt, wird mit dem Königsbann belegt, wer wiederholt Zins nimmt, wird aus der Kirche ausgestoßen und soll vom Grafen gefangengesetzt werden. Kaiser Lothar (*795, †855) im Jahr 825 In dem kapitalistischen System steckt ein Rechenfehler. Die Kapitalisten können nicht rechnen. Das ist die ganze Wahrheit. Wenn sie rechnen könnten, würden sie wissen, dass keine Wirtschaft andauernd Zins und Zinseszins zahlen kann. Paul C. Martin (*1939), Autor und Wirtschaftsjournalist, in "Wann kommt der Staatsbankrott" (1982) ...ein Krieg gegen die gesamte Dritte Welt, ein Krieg um die Auslandsschulden. Seine schärfste Waffe ist der Zinssatz, und die ist tödlicher als die Atombombe." Luis Ignácio Lula da Silva (*1945), bras. Präsident Geld wurde erfunden, um Tauschhandlungen zu tätigen. Und deshalb ist es an sich unerlaubt, für den Gebrauch des geliehenen Geldes eine Belohnung zu nehmen, die man Zins nennt. Thomas von Aquin (*1224, †1274), dt. Vertreter der Scholastik Der Zins hat die ganze Gesellschaft vergiftet, die soziale Moral zerstört. An dieser Sünde muss unsere Gesellschaft zugrunde gehen. Der Zins ist der Angelpunkt der sozialen Frage. Karl von Vogelsang (*1818, †1890), dt. Theologe (1884) aus http://www.volksstimme.de/debatte/show_fullarticle....... Artikel gefunden am 13.6.05 Der katholische Theologe Eugen Drewermann zur Aktualität der Bergpredigt und zur Kapitalismuskritik Die hohe Moral des Einzelnen und die niedere Moral des Staates Seit SPD-Chef Franz Münfefering vom "Heuschreckenkapitalismus" soziale Verantwortung gefordert hat, hält die Kapitalismusdiskussion an. Der katholische Theologe Eugen Drewermann sieht in der Zinseszinsspirale die Ursache dafür, dass der Kapitalismus sich nur im Zustand der Expansion halten kann. "Wir haben eine betriebswirtschaftliche Logik ausgedehnt auf die Gestaltung der Welt", kritisiert er im Gespräch mit Volksstimme-Redakteur Gerald Semkat. Volksstimme: Herr Drewermann, Sie sprechen am 15. Juni im Magdeburger Dom auf einer Veranstaltung über die Aktualität der Bergpredigt in Zeiten der Gier nach Macht und Geld. Mit der Bergpredigt könne man nicht regieren, sagte Bismarck. Eugen Drewermann: Den selben Satz hat in den 70er Jahren Helmut Schmidt noch einmal verwandt. Es ist ein Trauerspiel, dass im Abendland kein Politiker versucht hat, nach dem Beispiel der Bergpredigt die Welt zu gestalten. Der Einzige, der das probiert hat, war der Hindu Mahatma Gandhi. Volksstimme: Ist das Ideal der Bergpredigt überhaupt erreichbar? Ändern sich im Laufe der Zeit nicht auch Vorstellungen über Moral und Ethik? Drewermann: Ich glaube, dass die Bergpredigt nicht die Utopie ist, sondern eine Beschreibung einer Welt, wie wir sie alle brauchen - wahrgenommen freilich aus der Perspektive der am meisten Bedürftigen. Würde die Frage unseres Zusammenlebens lauten: Wie können wir den mehr als zwei Milliarden, die am Rande oder unterhalb der Armutsschwelle leben, helfen, wie können wir in ein Gleichgewicht von Kreatur und Kultur kommen, dann würde deutlich, dass wir vieles, was heute notwendig scheint, nur als blanken Wahnsinn verstehen können. Volksstimme: Zum Beispiel? Drewermann: Bekanntlich sind wir in der Bundesrepublik hoch verschuldet. Zugleich stellen wir fest, dass wir 60 Milliarden Euro brauchen, um die Zinsen zu bezahlen. Damit aber wird der Schuldenberg nicht geringer. So zahlen wir im Wesentlichen Steuern, damit die Geldbesitzer ihre einmal gegebenen Kredite wunderbar verzinst bekommen. Mitten in dieser Überschuldung geben wir 25 Milliarden Euro fürs Militär aus. Wir stecken drei Milliarden Euro in ein Raketenschutzschild. Wir tun so, als würden uns einfliegende Raketen am meisten bedrohen und nicht die Armut, nicht die Zerstörung der Umwelt, nicht die Absperrung ganzer sozialer Schichten vom Wohlstand. Volksstimme: Worin sehen Sie die Ursachen für solch einen Zustand? Drewermann: Zinstreiberei und ein ständig expansives Wirtschaftssystem, das die Kreditbedienung gewährleisten muss, schaffen notwendigerweise eine aggressive Politik, die irgendwann permanente Kriege braucht, um dieses System zu erhalten. Das alles versündigt sich an den Grundprinzipien, die in der biblischen Moral, auch des Alten Testaments, dem Umgang mit Geld zugrunde gelegt sind. Volksstimme: Sie sprechen sich für ein Zinsverbot aus? Drewermann: Das Zinsverbot war eine wichtige Voraussetzung für den Zusammenhalt des Volkes Israel. Eine zinsfreie Geldform wird ernstlich an keiner Universität vertreten. Sie funktionierte aber stets, wo man es probiert hat. Österreich kennt so ein Beispiel mitten in der Weltwirtschaftskrise des Jahres 1923. Volksstimme: Sie haben auf dem evangelischen Kirchentag in Hannover das kapitalistische Wirtschaftssystem als "gemeingefährlich" bezeichnet. An welcher Stelle beginnt für Sie die von Ihnen heftig kritisierte Gier? Drewermann: Kapitalismus bedeutet, ständig Kredite aufnehmen zu müssen, um auf dem Markt innovativ tätig zu werden. Und der Zinseszinsspirale für die Kredite hinterher zu laufen. Weil Kapitalismus ständig unter Schuldenlasten antritt, ist er außerordentlich dynamisch und extensiv. Wir unterhalten ein Wirtschaftssystem, das sich nur im Zustand der Expansion halten kann. Volksstimme: Der Drang nach Wachstum folgt doch aus der Logik des Systems? Drewermann: Wir haben eine betriebswirtschaftliche Logik ausgedehnt auf die Gestaltung der Welt. Warum aber müssen wir unter solchen Bedingungen antreten, warum müssen wir jene bevorzugen, die am aggressivsten winzige Vorsprünge, die sie haben, zur Vernichtung aller Nachbarn nutzen. Das alles ist nur möglich, weil wir uns betrügen lassen durch eine Preisgestaltung. Was am Ende so billig rüberkommt, nimmt niemals die Folgekosten der Verbilligung in sich auf. Entlässt ein Unternehmen Arbeitskräfte, kann es billiger produzieren. Für die Arbeitslosen aber zahlt der Staat und damit der Steuerzahler. Wir zahlen über die Steuern letztlich für vermeintlich verbilligte Autos oder Eier. Volksstimme: Was sollte man ändern? Drewermann. In der Bundesrepublik haben zehn Prozent der Bevölkerung 2,5 Billionen Euro in ihren Händen. Andererseits leben 13 Prozent der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Warum ist es nicht möglich, Millionäre zu besteuern? Warum kann man nicht Vermögen mindestens in Höhe der erwirtschafteten Zinserträge besteuern? Wieso kann Herr Köhler fordern, man solle Rendite nicht diskreditieren? Im Sinne Jesu ist es ein unglaubliches Prinzip, jemandem Geld zu leihen und darauf zu spekulieren, dass er es noch nicht zurückzahlen kann, weil sich dann der eigene Gewinn über den Zinseszins vermehrt. Dies ist nicht Menschlichkeit. Dies ist strukturgebundener Irrsinn. Volksstimme: SPD-Chef Franz Müntefering hat mit seiner Kritik am "Heuschreckenkapitalismus" von Unternehmen soziale Verantwortung eingefordert. Halten Sie diese Forderung für glaubwürdig? Drewermann: Nein, sie ist ein leicht durchschaubares wahltaktisches Manöver gewesen. Die SPD unter Schröder hat sämtliche Ziele, für die diese soziale Bewegung einmal gestanden hat, verraten. Heiner Geißler hat einmal gesagt, die SPD habe ihre Seele verloren. Ich füge hinzu: Ein Körper ohne Seele stirbt. Volksstimme: Es heißt, wer diese Welt bessern will, müsse bei sich selber anfangen. Aber sollen die anfangen, die schon unten liegen? Drewermann: Ich glaube nicht, dass man auf Wirtschaftsprobleme mit moralischen Appellen an den Einzelnen antworten kann. Ich halte es auch nicht für richtig, wenn die Kirchen so vorgehen. Mich ärgert es seit 50 Jahren, dass man den Bürgerfrieden predigt, den Familientisch zu Weihnachten und gleichzeitig erklärt, dass wir natürlich ein Militär brauchen und natürlich lernen müssen zu töten für die richtigen Dinge. Es ist unglaublich, dass man die Moral dem Individuum anlastet und die Gesellschaft weiterhin im Raubtierzustand hält. Dass die Moral des Einzelnen viel höher ist als die öffentliche Moral in Staatshand, ist nicht verwunderlich, wenn wir Politik als Kampf um die Macht und als Kampf um den Erhalt der Macht betrachten. Die wahre Bedeutung von Geld .... Gier und die Angst vor Knappheit Während in Wirtschaftsfachbüchern behauptet wird, daß Menschen und Firmen für mehr Weltmarktanteile und Rohstoffe im Wettbewerb stehen, behauptet Bernard Lietaer, daß sie in Wirklichkeit für höhere Profite kämpfen und Weltmarktanteile und Rohstoffe nur dafür benutzen. Gier und die Angst vor Knappheit werden für Bernard Lietaer durch das jetzt praktizierte Geldsystem ständig erzeugt und vergrößert. Er führt als Beispiele an, daß man mehr als genug Nahrungsmittel für alle Menschen produzieren kann und es außerdem ganz ohne Zweifel genug Arbeit für jeden einzelnen gibt. Was wirklich knapp ist, ist das Geld, um dies alles zu bezahlen. Somit liegt die Knappheit nach Ansicht von Bernard Lietaer in den nationalen Währungen selbst. Tatsächlich ist es die Aufgabe der Zentralbanken, diese Geldknappheit zu produzieren und aufrechtzuerhalten. Die Folge ist, daß alle gegeneinander kämpfen müssen, um zu überleben. Geld wird geschaffen, wenn Banken es beschließen. Lietaer führt dazu folgendes Beispiel an: Wenn die Bank an einen Kunden einen Kredit von 100.000 Dollar gibt, ist dies nur der Teil, den der Kunde ausgibt und der dann in der Wirtschaft zirkuliert. Die Bank erwartet aber vom Kunden, daß er im Laufe der nächsten 20 Jahre für diesen Kredit 200.000 Dollar zurückzahlt, kreiert jedoch diese zweiten hunderttausen Dollar - die Zinsen - nicht selbst. Statt dessen schickt die Bank den Kunden in die feindliche Welt, um gegen jeden zu kämpfen, damit der Kunde die zweiten hunderttausend Dollar erarbeitet. "Es müssen die einen verlieren, damit andere gewinnen. Einige müssen Schulden machen, damit andere Zinsen erhalten". Wenn also Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden überprüfen, prüfen sie in Wirklichkeit, ob die Kunden in der Lage sind, gegen andere Menschen zu kämpfen und den Wettbewerb zu gewinnen, ob sie es schaffen, die zweiten hunderttausend Dollar aufzutreiben, die nicht von der Bank geschaffen wurden. Und wenn die Kunden es nicht schaffen, verlieren sie ihr Haus oder was immer sie sonst an Sicherheit angegeben haben...... http://www.holis.de/wiso/dwbvg.php Man erkennt ein Auguren-Lächeln Über Halbnomaden und Hohepriester Am 18. September habe der Wähler dem neoliberalen Durchmarsch eine Absage erteilt, wird zuweilen geschrieben und einschränkend hinzugefügt, dieses Votum sei wohl auch als Abwehrreaktion zu verstehen. Zu viele fürchteten um ihren sozialen Status. Tatsächlich haben alle bisher im Bundestag vertretenen Parteien den Neoliberalismus mehr oder weniger deutlich auf ihre Fahnen geschrieben. Sie unterwerfen sich einer Indienstnahme der Politik durch die Wirtschaft. Sie verkörpern eine politische Klasse, die nichts Besseres zu tun hat, als die Bedürfnisse des Neoliberalismus hochpriesterlich auf das Volk herunter zu beten. Sie lassen uns entbehren, was nötig wäre - eine Politik, die im Interesse des Volkes die Wirtschaft kontrolliert und korrigiert. Stattdessen geraten die Börsen in Hochstimmung, wird ruchbar, dass erneut ein großer Konzern 3.000 oder mehr Arbeiter "freistellen" will. In der Regel liefert der Konkurrenzdruck einer globalisierten Wirtschaft die Begründung, werden Entlassungen in dieser Zahl als unvermeidlich hingestellt, schwindet die Kaufkraft weiter und bleibt die viel beschworene Belebung der Binnennachfrage eine Schimäre. Fürchten da viele nicht zu Recht um ihren sozialen Status? Der Druck auf die Menschen ist groß, man soll wie ein Halbnomade seinem Arbeitsplatz und seiner Existenz hinterher ziehen. Aber auch mit Hunderttausenden von Ich-AGs lässt sich kein Staat, geschweige denn eine Gesellschaft machen. Dürfen die Reichen immer reicher, müssen die Armen immer ärmer werden? Ist das ein Naturgesetz wie die Schwerkraft? Müssen wir daran glauben, weil es uns die Medien glauben machen wollen, die ein Sprachrohr derer sind, die im Sinne des "Naturgesetzlichen" regieren? Es ist aufschlussreich, wie der Impuls, der mit der Linkspartei dem neuen Bundestag zuteil wird, durch die bislang das parlamentarische Geschäft arbeitsteilig verwaltenden Parteien ignoriert wird. Etwa neun Prozent haben für die Linke gestimmt, und die Antwort der Regierenden lautet arrogant: Das interessiert uns nicht, wir müssen zwar anerkennen, sie sind demokratisch gewählt, aber unter Demokratie verstehen wir nicht, dass wir deshalb mit ihnen reden müssten. Man kann dem internationalen Neoliberalismus der Wirtschaft nur Paroli bieten durch eine Internationalisierung der Interessen der arbeitenden Menschen. Dieser Appell wurde schon vor mehr als 100 Jahren formuliert, doch dann setzte sich die Überzeugung durch, es reiche, wenn die Gewerkschaften national handelten. Sie könnten in ihren Ländern die Interessen ihrer Klientel am besten und wirksam genug vertreten. Heute reicht das nicht mehr, wenn wir erleben, wie die Arbeiterschaft - global und national - gegeneinander ausgespielt wird. Mit dem Argument - dies sei wegen der Globalisierung unausweichlich - sind die Grenzen für den Transfer von Kapital geöffnet, während die Politik in ihrem nationalen Käfig verharrt. Und eine Internationalisierung menschlicher Bedürfnisse als Reaktion auf eine Globalisierung der Wirtschaft findet nicht statt. Der Ort, an dem es sie geben könnte, wären die Vereinten Nationen. Doch die sind gedemütigt durch den häufigen Bruch ihrer Charta, diszipliniert durch die Hegemonie der USA, stranguliert in ihren Möglichkeiten durch die verweigerten Beitragszahlungen der Supermacht. Dabei hätte sich die UNO so vieler Bedürfnisse anzunehmen. Das Bewusstsein der Weltbevölkerung für einen drohenden Klimawandel, der weitere Katastrophen nach sich ziehen wird, gehört dazu. Zur Profitmaximierung soll der Zugriff auf strategische Rohstoffe möglichst wenig kosten und der Zugriff auf immer billigere Arbeitssklaven rund um den Globus jederzeit möglich sein. Beides setzt voraus, was wir längst haben, eine absurde Militarisierung der Außenpolitik. Die USA geben jeden Tag mehr als eine Milliarde Dollar für Waffen aus, deren Zerstörungskraft unsere Vorstellungen sprengt und jede Hoffnung auf eine Befriedung der Menschheit blockiert. Lieber bringen die Industrienationen jährlich Milliarden Dollar auf, um Flüchtlinge aus den Entwicklungsländern auszusperren und abzuschieben - Mittel, die das Dreifache der in der EU für Afrika aufgebrachten Entwicklungshilfe sind. Mit dieser einen Welt haben es auch die Kirchen zu tun. Den Worten nach sind sie für den Frieden, doch sie heißen eine Ökonomie gut, die so aggressiv ist, dass Frieden niemals ihr Ergebnis sein kann. Allein die Zinstreiberei reißt Arm und Reich immer weiter auseinander und fordert ein ständiges Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt. Die Kirchen thematisieren diese Probleme nicht, sie streicheln die Symptome, anstatt die Krankheit zu kurieren. Man erkennt ein Auguren-Lächeln und möchte von Heuchelei reden. Von Eugen Drewermann (Artikel gefunden am 27.10.05) Hier ist ein Blick auf die amerikanische Schuldenuhr möglich! |