Vom
imaginären Charakter der Psyche
Die Psyche ist eine Illusion. Aber eine sehr
hartnäckige, wurde behauptet.
Letzten Endes wäre sie wohl nicht existent. Es gäbe sie
nur, weil wir sie fortwährend neu erschaffen, und an sie glauben!
Diese These ist nicht neu. Im Gegenteil: Seit mehreren
Jahrtausenden ist sie bekannt und ebensolange wird das Wissen darüber gelehrt.
Zum Beispiel ist diese Sache ein wesentlicher Bestandteil der indischen
Philosophie. Bis heute werden in Indien sogar schon Studenten und Schüler damit
konfrontiert. Auch der Buddhismus und speziell der Zen-Buddhismus beschäftigt
sich intensiv mit diesem Thema.
Auf Lateinisch wurde der Begriff „Ego“ für Psyche
gebraucht. Das „Ich“ ist gemeint, oder manchmal wird in diesem Zusammenhang
auch „falsches Ego“ gesagt. Es handelt sich in jedem Fall um sehr schwammige
Begriffe, die später noch genauer untersucht, definiert und eingegrenzt werden.
In neuester Zeit kommt gerade die Gehirnforschung zu dem
gleichen Ergebnis. Die österreichische Zeitschrift „Profil“ hatte am 30. Juli
2001 eine Ausgabe (Nr.31) mit der Coverstory: „Die Suche nach dem Ich“
herausgegeben. Unter der Überschrift stand folgende Einleitung:
„Gehirnforschung. Mit modernster Technik liefern
Wissenschaftler immer dichtere Indizien für eine provokante These: Geist und
Bewußtsein sollen endgültig als perfekte Fiktion des Gehirns entlarvt werden.
Ist der Mensch in Wirklichkeit bloß eine Bio-Maschine?“ Aus diesem Artikel
werde ich später noch zitieren.
Zuerst einige Vorbemerkungen:
Wie kommt es nun, daß dieser doch sehr wichtigen
Angelegenheit so wenig Bedeutung beigemessen wird (zumal die Story schon seit
Ewigkeiten bekannt ist) ? Und geschweige denn, irgendwelche Konsequenzen daraus
gezogen wurden?
Nun, das hat gleich mehrere Gründe:
Zum Ersten stellt sich sehr schnell heraus, daß diese
Forschung zu Erkenntnissen führt, die sehr wenig systemkonform sind. Daher
wurde in frühen Zeiten diese Forschung zur Geheimwissenschaft (=Esoterik)
gemacht. Ich halte das Wissen, das damit zusammenhängt für den wesentlichen
Kern der Esoterik. Als dann aber die Esoterik in der zweiten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts zur Modebewegung wurde, da hat man so viel Sinniges und Unsinniges
hinzugefügt, daß das Wesentliche wieder kaum aufzufinden war...
Jedoch liegt uns dieses Wissen nun ziemlich vollständig
vor.
Meine Wenigkeit hat lediglich diese Story
zusammengetragen, und sie im Laufe von Jahrzehnten um einige Beweisführungen
und Gedankengänge vervollständigt, weil wir westlichen Menschen nicht glauben,
sondern wissen wollen.
Jedenfalls erhält der Studierende meiner Meinung nach
mit diesem Wissen ein leistungsfähiges Werkzeug in die Hände, mit dem er
erkennen kann, was wirklich los ist, wenigstens zuerst einmal mit sich selbst.
Das führt in weiterer Folge dazu, daß er seine Bedürfnisse kennt, und sich
nicht mehr so leicht manipulieren und bevormunden läßt. Außerdem geht er mit
Depressionen anders um, und verringert sie wesentlich. Dadurch wird er
vorsichtig, aber dauerhaft die Bremse aus seiner Psyche nehmen können, und ein
stetig ansteigendes Energieniveau beobachten.
Ich wage zu behaupten, wenn nur wenige Prozent der
Menschen sich damit ernsthaft beschäftigten, daß es zu schwerwiegenden
Veränderungen auf diesem Planeten kommt, welche sich mittelfristig äußerst
positiv auswirken.
(Warum das im alten Indien nicht wirklich auf breiter
Basis funktioniert hat, darauf werde ich später noch eingehen.)
Zum Zweiten birgt die intensive Beschäftigung mit diesem
Thema eine wirklich ernstzunehmende Gefahr. Menschen, die leicht zu begeistern
sind, sowie fanatische Menschen übersehen leicht wesentliche Dinge. Und auch
Menschen, die aus „unlauteren“ Beweggründen dieses Wissen suchen, laufen
definitiv Gefahr, ihren Verstand zu verlieren. (Auch davon wird später ausführlich
die Rede sein).
Zum Dritten ist es sehr schwierig, überhaupt darüber zu
sprechen. Wenn Sie z.B. jemandem direkt, oder auch nur durch die Blume zu
verstehen geben wollen, daß mit seinem „Ich“
etwas nicht so sei, wie er sich das vorstellt, dann fühlt sich derselbe
sofort extrem auf den Schlips getreten.
So nur ist es zu verstehen, daß man im alten Indien
versucht hat, auf ein klar definiertes Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler
zu bestehen (Das Wort Guru bedeutet Lehrer). Der Lehrer wird auf ein Podest
erhoben und unangreifbar gemacht.
Natürlich aber entstehen dadurch weitere Probleme, z.B.
mit Autorität, Willkür, Scharlatanerie, Machtmißbrauch usw.
Zum Glück gibt es noch die Möglichkeit, von einer
Metaebene aus an das Thema heranzugehen. Das bedeutet in diesem Falle, das
Thema als Phänomen zu behandeln, abgetrennt von ich und du, und
verallgemeinert, sozusagen von außen daraufgeschaut.
(Aber auch das macht Schwierigkeiten. Meist wird der
Stil kritisiert, in dem öfters das Wörtchen „man“ auftaucht, und außerdem läuft
man Gefahr, die Sache ungewollt ein wenig von oben herab zu betrachten. Bitte sehen Sie mir das nach!)
Zum Vierten ist das Desinteresse an dieser Thematik
darin begründet, daß wir uns zu vorschnellen Schlußfolgerungen verleitet sehen,
wie sie z.B. im letzten Satz des obigen Zitates zum Ausdruck kommen. Soll hier
die Menschenwürde untergraben werden? Soll hier bewiesen werden, daß es keinen
Gott gibt?
Nun, diesbezüglich kann ich Sie wirklich beruhigen, für
meinen Begriff wird eher das Gegenteil
dabei herauskommen.
Zitat aus der Zeitschrift „Profil“ vom 30. Juli 2001
(Nr.31, Seite 118):
„Welcher Kunstgriffe sich die Biomaschine im Kopf bei
der Schaffung unserer Wünsche, Begierden und Absichten bedient, läßt sich an
einem einfachen Beispiel zeigen. Selbst für banale Entscheidungen wie “Ich
möchte jetzt einen Kaffee“ leistet der schwabbelige Neurocomputer enorme
Rechenarbeit. Am Anfang steht möglicherweise ein Durstgefühl, ausgelöst von
Neuronen, die von Sensoren erregt werden – welche wiederum den Salzgehalt des
Blutes überwachen. Daraufhin entbrennt eine hitzige Debatte zwischen
Hirnzentren, die Ängste vor zuviel Koffein haben, und Arealen im limbischen
System – einer für Gefühle zuständigen Region – die mit Kaffee nur angenehme
Empfindungen verbinden. Erinnerungen an den letzten Kaffeehausbesuch kommen
ebenso ins Spiel, wie die Frage, ob für die kleine Pause überhaupt Zeit ist.
Was von der regen Hirntätigkeit letztlich ins Licht des Bewußtseins dringt und
von uns als freie Entscheidung empfunden wird, ist nur das endgültige
Abstimmungsergebnis aller beteiligten Synapsen. Bis dahin hat das mysteriöse
Ich nicht einmal registriert, dass im Hintergrund überhaupt diskutiert wurde.
Bequem gibt er sich der Selbsttäuschung hin, alleiniger Machthaber über die
Welt im Kopf zu sein, obwohl es immer erst zu Wort kommt, wenn die
Entscheidungsfindung längst gelaufen ist.“
Diesem Zitat will ich ein weiteres gegenüberstellen, das
aus einem anderem Zeitalter stammt (Bhagavadgita „Das Lied der Gottheit“ 3.24 – 3.29, Reclam 7874) :
(Erklärung: 1.
Die Bhagavadgita spielt ~ 3000 v.Chr. und ist ein Gedicht aus dem
Mahabharata, in dem die Gottheit als Wagenlenker Arjunas Streitwagen dirigiert.
Der Kämpfer zaudert, weil er in den gegnerischen Reihen seine Verwandten
erkennt. Die Gottheit erklärt ihm, was wirklich los ist, und nimmt ihm damit
jeden Zweifel. 2. Die „Gunas“ sind die
3 Erscheinungsweisen der materiellen Natur, die das große Rad der Welt am
Laufen halten.)
Gott spricht zu Arjuna:
„Denn sollte jemals es geschehn,
Daß ich nicht handle ohne Rast,
Die Menschheit hätte sich schon längst
Dann meinem Beispiel angepasst.
Die Wesen würden nichts mehr tun,
Weil alle nur mein Tun erhält;
Die Kasten würden sich verwirr’n
Zugrunde ging die ganze Welt.
Nur Toren handeln wahnbetört,
Daß ihnen werde Lohn zuteil,
Die Weisen handeln frei von Hang,
Allein nur für der Menschheit Heil.
Der Wissende verwirre nicht
Den Sinn dess‘ der am Handeln hängt,
er heiße ihre Werke gut
Und handle still in mich versenkt.
In
Wahrheit handeln in der Welt
Allein
die „Gunas“ der Natur,
Verblendet
durch sein Selbstgefühl,
Der
Tor glaubt selbst zu handeln nur.
Doch wer da „Gunas“ Werk und Selbst
Voll Weisheit auseinanderhält,
Weiß „Gunas“ wirken hier auf sich,
Und hängt nicht an der Sinnenwelt.
Es haftet an der Gunas Werk
Der, der nicht Geist und „Gunas“ trennt,
Drum soll den Toren nicht verwirr’n,
Der Weise, der die Wahrheit kennt.“
Eine seltsame Übereinstimmung, nicht wahr? Wie kamen die
alten Inder wohl an dieses Wissen, so ganz ohne Elektroden und High-Tech? Wie
weit ist es eigentlich her mit unserer High-Tech-Hochkultur, die Jahrtausende
später sich anschickt, das Rad neu zu erfinden?
Das letzte Zitat hat nun nicht nur die Ergebnisse der
Gehirnforschung bestätigt, sondern auch schon philosophische Konsequenzen
gezogen, und aufgezeigt, wie man damit umgehen kann. Auch ein deutlicher
Warnhinweis wurde angebracht, der darauf hinweist, daß keineswegs nun alles
sinnlos geworden ist, und daß man mitnichten deshalb alle Tätigkeit einstellen
braucht. Im Gegenteil!
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir hat sich
auf Grund dieser Betrachtungen die Welt auf den Kopf gestellt.
Da ruht die Last und die Verantwortung dieser Welt auf
unseren Schultern, drückt uns nieder und plötzlich wird gesagt: Das einzig
Schwere ist die Psyche, und überhaupt verkennt Ihr die Situation: Nicht ihr
tragt die Welt, sondern die Welt trägt euch! Man kommt sich vor wie ein Clown,
der sich abplagt mit einem nicht vorhandenem Gewicht.
Jedoch ertönen da noch einige ungeklärte Umstände wie:
„Die Weisen handeln frei von Hang“ oder „Und hängt nicht an der Sinnenwelt“,
also Aufforderungen, die vorerst dazu angetan scheinen, die Psyche erneut zu
belasten. Es wird hier im Anschluß dieser scheinbare Widerspruch aufgelöst,
jedoch ist es dazu notwendig, etwas weiter auszuholen.
Dann aber, wird vermutet, können uns Stück für Stück
Steine vom Herzen fallen, und die Erleichterung wird spürbar sein.
Das Stichwort bringt mich auf einen weiteren Gedanken:
Damals, zu der Zeit der Seefahrten, als die großen Piraten die Welt
beherrschten (obwohl: daran hat sich ja nicht viel geändert), da wurde ein
gewisses Sanskritwort zuerst ins Englische übersetzt als „Enlightenment“. Ins Deutsche wurde der Begriff dann als
„Erleuchtung“ übertragen. Ich frage mich ernsthaft, ob diese Übersetzung
richtig und sinnvoll ist. Gerade die Bewegung „Leben light“ die so „in“ war um
den letzten Jahrtausendwechsel, bringt mich auf die Idee. - Erraten: Die „große
Erleichterung“ muß das heißen! „Psyche light“, der neue Trend.
Tatsächlich verstehe ich die „große Erleichterung“, nach
allem, was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, als die Auflösung des
Rätsels der Psyche.
Und dazu ist es nicht notwendig, 100000 Raketen an der
Erde zu befestigen, um sie aus dem Zentrum zu schieben, um nachher die Sonne,
die noch viel schwerer ist, in die Mitte des Weltbildes zu schieben, wenn Sie
verstehen, was gemeint ist.
Es war auch die Gehirnforschung, die, allerdings schon
vor längerer Zeit, gezeigt hat, daß der menschliche Körper eigentlich keinen
Schlaf braucht. Zugegeben, er braucht Ruhepausen, aber schlafen tut nur die
Psyche. Sie ist es, die im Schlaf unverarbeitete Vorgänge in Träumen
verarbeiten muß, die ihr aus dem Anspruch nach der Oberhohheit entstehen. Und
wenn der Mensch zu lange nicht schläft, wird er verrückt. Was geschähe aber,
wenn die Psyche ersatzlos gestrichen, oder zumindest stark reduziert werden
könnte?
Schon hat man von Jogis gehört, die nur 3 Stunden Schlaf
brauchen. Mir fällt auch ein Prominenter ein, der diese Theorie untermauert.
(Die Leute lassen sich ja heute nicht mehr beeindrucken, wenns nicht ein
Prominenter sagt) Da hat einmal ein
junger Mann zu Beginn der gültigen Zeitrechnung im nahen Osten gelebt, dessen
umstürzlerische Thesen dem dortigen System ein Dorn im Auge war. Das ging
soweit, daß er vom Geheimdienst gestellt und umgebracht wurde. Das dortige Volk
hat seine Thesen nie in Erwägung gezogen, jedoch später haben irgendwelche
Morgenlandfahrer diese Thesen nach Rom gebracht, wo sie von Vielen begeistert
aufgenommen wurden. Sicherlich haben diese auch Erkenntnisse dazu beigetragen,
daß das degenerierte römische Reich kurz darauf zusammenbrach. Soviel zur
Brisanz von solchen Thesen. Dieser junge Mann nun, Sie haben seinen Namen
längst erraten, hat sich ganz öffentlich darüber beschwert, daß niemand mit ihm wachen kann. Diese Geschichten kennen wir im Westen ja
alle auswendig, sodaß Zitatangaben nicht nötig sind. Es war übrigens derselbe
Mann, der schon so weit erleichtert war, daß er es wagen konnte, am oberen
Jordan-See über das Wasser zu wandeln. Noch heute erinnert eine Kneipe dort an
diese Begebenheit:
St. Peter’s Fisch-Restaurant....
(Der untere Jordan-See ist mittlerweile schon so
versalzen, daß er fast jedermann trägt - gut zum üben!) Aber Spaß beiseite, ich
komme vom Thema ab.
Nun ist es an der Reihe, ein etwas dunkleres Thema zu
beleuchten,
das Thema über die
Depression
Schon der obige junge Mann war der Meinung, daß es
manchmal sinnvoll sein kann, tief in die Höllen der eigenen Psyche
hinabzusteigen...
Wie man heute bei uns im Westen mit Depressionen umgeht
ist gelinde gesagt, eine Schande, eher dazu angetan, die Depression zu
vertiefen. Da hat sich eine ehemals freie Wissenschaft gemausert zu einer neuen
Geheimwissenschaft, gedeckt durch die Lobby einer der größten Industrien, die
wir haben: die chemische Medizin.
Geheim ist sie in dem Sinne, daß heute kaum einer mehr
an das Wissen herankommt, sich solche Medikamente selbst herzustellen. Eingeweihte
gibt es nur noch wenige und nur auf der obersten Etage, während diejenigen, die
früher die Eingeweihten waren, nämlich die Ärzte, heute zu Beamten der
Großindustrie verkommen sind. Bei denen muß man sich heutzutage am Schalter in
der Schlange anstellen, um die schriftliche Erlaubnis zu bekommen, sich ein
Medikament zu holen.
Zugegeben, das ist etwas polemisch ausgedrückt, jedoch
werden trotz allem auf solche Art gute, und immer bessere Geschäfte gemacht.
Auf diese Weise wird soviel Geld verzockt, daß wir uns nun bald in die
kollektive Insolvenz getrieben sehen. Besonders im Bereich der „geistigen
Erkrankungen“ hat man da ganz neue Marketing-Strategien entwickelt. Solche
Krankheiten werden nämlich einfach als unheilbar erklärt, was schließlich zur Folge
hat, daß man seine Kunden nicht verliert.
Damit ist aber noch lange nicht das ganze Ausmaß des
Dilemmas beschrieben, denn es sind noch ganz andere Bereiche in Mitleidenschaft
gezogen. Als Beispiel will ich eine Einzel-Meinung, auf die ich gestoßen bin,
zitieren: Da hat doch jemand gesagt: „Die Gesellschaft hat mich krank gemacht,
deshalb soll sie mich gefälligst auch wieder gesund machen, und wenn sie das
nicht schafft, dann muß sie halt die Nachteile tragen. Aha. Man gibt die
Verantwortung ab, sogar für sich selbst. In der fortschreitenden Entmündigung
müsste soetwas eigentlich Trend werden.
Das Thema Depression finde ich wenig geeignet für die
Chemoterapie. Und während für Antidepressiva neue Märkte gesucht werden,
beispielsweise bei Kindern im Vorschulalter, da rufen wir uns zu: Lauft, und
holt sie euch wieder, die Verantwortung. Denn wer sie in Anspruch nehmen will,
der muß frei sein zu entscheiden. Ich illustriere das mit einem Märchen:
Es war einmal eine saure Gurkenzeit, und der König
begann sich Sorgen zu machen.
Schon bald merkte er, daß er davon krank wurde. Er zog
sich zurück und grübelte, bis er die Lösung hatte. Es gibt keinen Sinn, die
Sorge macht mich handlungsunfähig, sagte er sich. Da traf er eine Entscheidung:
Ich weiß jetzt, daß ich mir keine Sorgen mehr machen brauche/darf/kann/mag,
zumindest solange ich meine Verantwortung in Anspruch nehmen kann, dachte er.
Und meinen Untertanen werde ich das nicht lehren, denn es erfordert sicherlich
eine bestimmte Reife, trotzdem weiterhin sein Bestes zu geben. Schon bald war
er erholt und gestärkt zurück. Nur einmal machte er eine Bemerkung über den
Vorfall: In der Meditation, sagte er, habe sich Gottes Weisheit offenbart, und
sie habe ihm einen großen Stein vom Herzen genommen. Und wenn er nicht gestorben
ist, dann folgt er noch immer dem steinigen Weg:
Na ja, der Stein war wohl schon locker. Und der König
baut gut Stress ab. Wollen wir versuchen, noch einen Stein locker zu machen?
Zum Beispiel den mit der Angst? Der ist ja der größte Stein. Dagegen ist der
Sorgenstein leicht, denn er ist lokalisierbar. Er findet sich hauptsächlich in
Bankunterlagen oder so. Laß ihn bloß liegen!
Die Angst hingegen ist immer und überall. Weil man einmal ein paar
Sekunden Angst durchaus hinnehmen kann, ist die direkte Angst nicht der Stein
des Anstoßes, es ist mehr so eine Überangst, die entsteht, wenn man versucht,
seine Angst in den Griff zu bekommen. Es wird die Angst vor der Angst, die sie
zum Dauerzustand macht, bis schlimmstenfalls jahrelange Stresshormonüberdosis
das Gehirn ausgelaugt hat. Es macht doch keinen Sinn ...
Wenn dem Betroffenen nun sagt: Reiß dich doch zusammen,
Überwinde es! , dann geschieht eher noch das Gegenteil, der Streß und die Angst
werden noch größer. Diese Angst verdunkelt bald die ganze Psyche. In weiterer
Folge versiegt u.U. des Denkens Kraft, und die Verantwortung entgleitet.
(Hierfür soll ein Stresshormon, welches erst vor Kurzem entdeckt wurde,
verantwortlich sein mit Namen Kortisol. Man hat es in Verdacht, das Gehirn
dauerhaft zu schädigen.)
Kommt man hier schon wieder an den Punkt, an dem
irgendwas merkwürdig ist?
Mit der (Dauer-)Angst ist es ja so eine Sache: Es gibt
Aussagen, die behaupten, daß Angst der einzige Beweggrund dafür ist, daß etwas
geschieht. Warum wird der Wecker gestellt? Aus Angst vor dem Chef? Geschieht
womögich ist alles, was nach dem Aufstehen kommt, auch aus Angst?
Empfinden Sie nicht auch, daß hier was ähnliches
geschieht, wie in dem Märchen mit dem König?
Vor kurzem hat ein cleverer Mann gemeint: Die Sklaverei
wurde nicht etwa aus menschenrechtlichen Gründen abgeschafft, sondern einfach
weil sie sich nicht mehr rechnete. - Womöglich bahnt sich hier etwas Ähnliches
an, wenn auch im übertragenen Sinn und auf einer ganz anderen Ebene...
Es gibt Steine des Anstoßes, über die jeder Wanderer
stolpern muß (Goethe).
Dieses Wort griechischen Ursprungs bedeutet eigentlich
Seele und Lebenshauch. In diesem Sinne wird es heute im Alltag meiner Meinung
nach kaum noch verwendet.
Manchmal empfinde ich sogar, daß diesem Wort heute eher
ein leichter Geruch nach Krankenhaus anhaftet. Heute versteht man landläufig
eher „das Ich“ darunter. Ist das
dasselbe? Es könnte sein, daß „das Ich“ nur eine Teilmenge der Psyche im lateinischen
Sinn ist. Denn man kann annehmen, daß das „Ich" am selben "Ort"
lokalisiert ist, wie die Seele, wobei es sich aber um 2 verschiedene Dinge
handelt, wie noch zu zeigen sein wird. Und der Lebenshauch könnte u.U. einen
materiellen Anteil haben. Ist nun das „Ich“ gleichzusetzen mit Persönlichkeit ?
Zur Persönlichkeit gehören zweifellos auch materielle Dinge, wie zum Beispiel
die Angaben, die im Ausweis stehen, das Aussehen sowie die körperliche
Verfassung, der Beruf usw., während man „das Ich“ eher als eine immaterielle
Sache handelt.
Derjenige Teil der Psyche, den ich hier behandeln will,
ist der Bereich, in dem merkwürdige Unregelmäßigkeiten auftreten, wenn man
versucht, Einfluß auf ihn zu nehmen, sei es nun mit logischen, mathematischen
(berechnenden), oder materiellen Methoden.
Meine Theorie ist nun, daß dieser Bereich mit solchen
Methoden überhaupt nicht auf sinnvolle Weise beeinflußt werden kann. Und ich
fürchte, ich kann das beweisen!
Lassen Sie sich überraschen, denn die Story bleibt
spannend!
Hier folgen nun Texte, die ich bis 1998 geschrieben habe.
Manche davon stammen schon aus den späten 80'ern. Den Lesern, die meine früheren
Texte schon kennen, wird empfohlen, hinter dem Balken weiter unten weiterzulesen.
Auf eines möchte ich noch hinweisen: Diese Texte, die ich nun als Belege für
ein gültiges Naturgesetz anführen möchte, habe ich damals eher in einem sog.
„esoterischen“ Umfeld gesehen. Ich habe sie nicht umgeschrieben, weil sie
doch ein „ehrliches Ringen um eine Wirklichkeit" zum Ausdruck bringen.
Urteile und
Vorurteile
Wir alle, vor allem diejenigen von uns, die sich mit
religiösen oder esoterischen Inhalten beschäftigen, sind von dem Wunsch
beseelt, „bessere Menschen“ zu werden. Jedoch muß man sich in diesem Fall davor
hüten, neue, größere Probleme zu erzeugen. Denn jemand, der ein besserer Mensch
werden will, ist logischerweise mit sich selbst nicht zufrieden, was bedeutet,
daß er sich selbst zumindest teilweise ablehnt, so wie er ist. Aufgrund eines
Ideals hat er sich ein Urteil über sich selbst gebildet. Er hat sich selbst
verurteilt.
Und man verurteilt sich selbst weiterhin und ständig. Wenn
man zum Beispiel agressiv ist, verurteilt man sich dazu, ruhig zu bleiben und
gleichzeitig aber auch dazu, unter seiner unterdrückten Agression zu leiden,
usw, usf.
Dann kommt jemand und sagt: Lebe im Hier und Jetzt! Das
bedeutet: Kämpfe nicht gegen dich selbst, sei wach, beobachte dich, stelle
deine Urteile, die Probleme erzeugen, in Frage.
Aber man tut sich schwer damit. Denn man ist an eine gewisse
Denkweise gewöhnt, die unbeirrt fortgesetzt wird. Die Unzufriedenheit mit den
eigenen Urteilen führt nun dazu, daß wir unsere eigenen Urteile verurteilen.
Man verurteilt sich allen Ernstes dafür, daß man sich ständig verurteilt! Ist
das nicht absurd?
Kann man stattdessen nicht aufhören, über sich selbst zu
urteilen?
Muß man sich distanzieren von sich selbst, um sich ein Urteil
zu machen?
Verlassen wir doch einfach dieses absurde
Spiegelkabinett. Meinen Sie nicht auch, daß wir auf der Suche nach uns selbst
getrost das Licht im Spiegelkabinett ausmachen dürfen?
Der Ärger
Gelegentlich ärgern wir uns! Wir haben aber erkannt, daß
Ärger unserem Wohlbefinden abträglich ist. Nun kann es tatsächlich geschehen,
daß wir uns darüber ärgern, daß wir uns ärgern.
Sehr ärgerlich, nicht wahr?
Diese Reaktion erst verschafft dem Ärger eine gewisse Dauer!
Kann man daraus schließen, daß wir unseren Ärger so sehr lieben und wir ihm
daher Dauer verschaffen wollen ? Lassen sie uns doch bitte einmal genauer
betrachten, was Ärger eigentlich ist, warum er entsteht. Wir ärgern uns, wenn
etwas nicht unseren Vorstellungen oder Erwartungen entspricht. Wir distanzieren
uns von der Tatsache, die wir offenbar nicht ändern können, das heißt, es
entsteht ein Beobachter, welcher eine Beobachtung macht. Wenn wir uns nun über
unseren Ärger zu ärgern beginnen, dann distanzieren wir uns nun von ebendiesem
Beobachter. Hier entsteht nun der Beobachter Nummer 2. Als Problemlösung wird
uns nun angetragen, positiv zu denken, die Sache doch etwas globaler zu sehen
und Abstand zu nehmen von unseren kleinlichen Problemen. Hier wird nun der
Beobachter Nummer 3 eingesetzt. Absurd, nicht wahr? Was glauben Sie wohl, wo
wir hinkommen, wenn wir das so weitertreiben? Sollte es nicht unser Anliegen
sein, diesen Beobachter selbst zum Objekt der Beobachtung werden zu
lassen? Deshalb wird hier
vorgeschlagen, ihn einmal frei von Urteil zu beobachten, was impliziert, auch
vorhandene Urteile und Vorurteile nicht zu verurteilen.
Erleben
Das Wort „Erleben“ ist ein Begriff, von dem wir alle eine
Vorstellung haben. Nun stellen Sie sich doch bitte einmal vor, Sie wollten
jemandem erklären, was „Erleben“ ist. Vieleicht stellen Sie dann fest, daß die
Sache „Erleben“ etwas ganz anderes ist als der Begriff, denn jeder
Erklärungsversuch, den Sie unternehmen, gründet sich logischerweise auf
irgendeine Vorstellung, sie wissen aber, daß „Erleben“ nun wirklich nichts mit
irgendeiner Vorstellung zu tun hat. In diesem Falle (und auch in sehr vielen
anderen Fällen) ist der Begriff etwas ganz grundsätzlich anderes, als die Sache
selbst. Nehmen wir einmal an, Sie wollen in den Zustand des Erlebens kommen,
und nehmen wir darüberhinaus an, sie haben die Vorstellung gewonnen, daß Ihnen
dabei alle Vorstellungen im Wege sind. Was können Sie da tun ? Besonders dann,
wenn Sie feststellen, daß Ihre Vorstellungen wichtig und unverzichtbar sind und
Sie deshalb erkennen, daß dieselben nicht einfach vernichtet werden können ?
Resignieren Sie dann, werden Sie dann depressiv ? Oder könnten Sie nicht
einfach damit beginnen, ihre Vorstellungen zu erleben ?
Individualität
Auf Grund von mathematischen Gesetzen der Statistik ist der
Anteil der Durchschnittsmenschen in der Menschheit relativ hoch. Soweit ich
mich an diese Gesetze erinnere, müßte er etwa bei 70% liegen. Auf der anderen
Seite aber würde sich jedermann dagegen verwehren, ein Durchschnittsmensch zu
sein. Angenommen, einer würde der Tatsache ins Auge blicken, daß er zum
Durchschnitt gehört, und nun nicht wünschen, etwas Besonderes zu sein, so wäre
dieser Eine doch etwas Besonderes. Auch hier geht's nach Absurdistan!
Individualität ist wohl ein gewisses Anderssein, oder
Andersverhaltenwollen. Individualität ist somit eine Abgrenzung von der Masse.
Nun ist aber diese Abgrenzung von der Masse zu einer Massenbewegung geworden.
Es kommt mir der Verdacht, daß wir gerade aufgrund unseres Wunsches nach
Individualität sehr berechenbar und steuerbar werden. Gerade die Werbung in den
Medien richtet sich oft an diese sogenannte Individualität. Dort kann man meist
schon vorher ungefähr errechnen, welchen Umsatzgewinn etwa eine Werbemimute im
Fernsehen erbringen wird. Bezüglich der Freiheit des Menschen wird diese
Individualität nun einfach zur Invalidität.
Unzufriedenheit
Ist es sinnvoll, zufrieden sein zu wollen ? Oder ist
Unzufriedenheit etwa eine Kraft in uns, die notwendig ist, die uns weiterbringt
? Wenn das so ist, könnten wir dann nicht zufrieden sein mit unserer
Unzufriedenheit ?
Aus alledem ergibt sich für mich folgende Konsequenz:
Beobachte ihn
genau,
ihn, den
Beobachter,
welcher vorgibt
dein Ich zu sein!
Und wisse:
alles was seine
Arme tun,
stärkt nur ihn
selbst.
Vermeide
weitgehend
das Urteil
auch das Urteil zu
verurteilen
denn vom Urteil
nährt er sich,
ohne Urteil
ist er
verschwunden.
Die Anomalie der
Logik
Ich kannte ihn nur flüchtig. Aber ich schätzte ihn sehr, weil
er eine Gabe hatte, die selten war: Er konnte ruhig sein. Manchmal saß er lange
Zeit einfach nur da, völlig bewegungslos. Aus dieser Ruhe schöpfte er, wie er
sagte, eine gewisse Klarheit. Ich traf ihn im Biergarten, setzte mich zu ihm
und fragte ihn, was ihn denn bewege, worüber er denn nachdenken würde.
„Interessiert dich das wirklich?“ fragte er. „Ja“, erwiderte ich. „Also gut“,
meinte er, aber dann mußt du auch wirklich einen Moment zuhören. Ich nickte ihm
zu, und er begann zu sprechen:
„Es gibt einen
Bereich im Leben des Menschen, indem die Logik des Denkens
völlig versagt“.
„Welche Logik meinst du?“, fragte ich. „Jede Logik meine ich,
jedes System, jedes Denkschema, ja sogar jeder Versuch, ein bestimmtes Problem
in den Griff zu bekommen“. „Ich verstehe nicht ganz“, entgegnete ich, „hast du
dafür einen Beweis?“ „Nun“, sagte er, „als Beweis kann ich ein paar Beispiele
anführen:
Wenn wir darunter
leiden, daß wir uns ärgern, dann ärgern wir uns über unseren Ärger.
Wenn es uns nicht
gefällt, daß wir manchmal Angst haben, dann haben wir Angst davor, Angst zu
bekommen.
Wenn wir an uns
ein Vorurteil entdecken, dann verurteilen wir womöglich dieses Vorurteil.
Wenn wir
feststellen, daß wir mit uns selbst unzufrieden sind, so mißfällt uns das und
wir werden unzufrieden mit unserer Unzufriedenheit.
Wenn wir voll von
Haß sind, so hassen wir uns dafür. Wenn wir erkennen, daß wir unter
Verkrampfungen leiden, so versuchen wir mit krampfhafter Anstrengung uns davon
zu befreien.
Die Liste solcher Beispiele läßt sich beliebig fortsetzen.
Denken ist dazu
da, Ordnung zu schaffen. Wir sehen aber, daß es einen Bereich gibt, indem die
Logik des Denkens versagt und sogar noch größere Unordnung zu schaffen beginnt.
Ich fürchte, daß es für diese Problematik absolut keine
Lösung gibt. Ich vermute, daß es nicht den Schimmer einer Hoffnung gibt, auch
in allerfernster Zukunft das Problem in den Griff zu bekommen. Auch glaube ich
nicht daran, daß uns WER-IMMER-AUCH davon erlösen wird.
Deshalb sieht für mich die einzig mögliche Lösung
folgendermaßen aus: Man muß lernen, ein heißes Eisen nicht mit den Fingern
anzufassen, gerade dann, wenn wir uns schon tausende Male die Finger verbrannt
haben, und sogar dann noch, wenn wir uns gesagt haben: “Nun, mit den ständigen
Brandwunden müssen wir eben leben!"
Die Ordnung des Denkens ist begrenzt. In einem gewissen
Bereich schafft sie Unordnung. Es gibt aber eine Ordnung, die nicht begrenzt
ist. Ich meine die Ordnung des gesamten Kosmos. Sie reicht vom Mikrobereich bis
hin zum Makrobereich. Denken Sie nur an die komplizierten Vorgänge in den
Genen, oder an die Vollkommenheit der Chemie in unserer Leber bis hin zur
Ordnung der Planeten und Milchstraßensysteme.
Wenn wir nun vermeiden, das heiße Eisen der Unordnung
anzufassen, dann entsteht Ruhe im Denken, denn alle Unordnung entsteht aus
der Illusion des psychischen
Etwas-Werden-Wollens. Und dann kann es sein, daß ein Strahl von der Intelligenz
der kosmischen Ordnung zu uns durchdringt und Licht bringt in unsere Gehirnwindungen.
Nichtaktion:
Es gibt also einen Bereich, in dem das Denken nicht richtig
funktioniert. Nun könnte man fragen: Wir konnten doch bisher nichts dagegen
tun, wieso sollte sich etwas ändern, wenn wir nichts dagegen zu tun versuchen?
Bisher waren wir weit davon entfernt, nichts dagegen tun. Es
ist wohl eher so gewesen, daß wir nichts gegen das „Dagegen Tun“ getan haben.
Denn es hat sich gewohnheitsmäßig automatisiert.
Zum Beispiel unterdrücken wir unseren Ärger. Das ist
eindeutig eine Aktion. Auch, wenn wir das für eine Nichtaktion halten.
Der Versuch, eine Nichtaktion einzuleiten, ist eine Aktion.
Nichtaktion besteht nicht aus Disziplinlosigkeit, denn
Disziplinlosigkeit besteht aus automatischen Aktionen.
Nichtaktion ist weder eine positive Aktion, noch eine
negative Aktion, weder eine Über-Aktion, noch eine ausgleichende Aktion.
Nichtaktion besteht vor allem aus dem Erkennen von sinnlosen
Aktionen.
Nichtaktion ist sehr radikal, aber nur sinnvoll im Bereich
der „Anomalie der Logik“
Man mag einwenden: Aber der Mensch will doch nach Höherem
streben. Es ist doch legitim, sich nicht mit Bestehendem zufriedenzugeben.
Das ist richtig.
Es soll nur davor gewarnt werden, in einer Sackgasse
weiterzufahren.
Du bist nicht dein
Verstand!
Diese Aussage ist nicht etwa als Wunschvorstellung zu sehen,
oder als erstrebenswertes Ziel, sondern sie ist eine Realität, die nun
verstandesmäßig begriffen werden kann, wenn ich weiß, daß mein logisches
Denkvermögen in Einzelfällen unklare oder gar falsche Ergebnisse bringt. Dann
bin ich nicht nur der Denkende, sondern ich bin zuerst einmal derjenige, der
mit seinem logischen Denkvermögen nicht hundertprozentig einverstanden ist
(wobei aber klar ist, daß eine Ablehnung meines Denkens weitere paradoxe oder
falsche Wirkungen hervorbringt). Wenn ich also in der Lage bin, sozusagen von
außen mein Denken zu betrachten, dann kann ich nicht hundertprozentig identisch
sein mit meinem Denken. Diese Betrachtung dürfte nun Beweis genug sein, für die
Feststellung: Du bist nicht dein Verstand!
Wenn man Zeit hat, kann man seine Gedanken betrachten, so wie
man einen Fluß betrachtet. Aufmerksam, interessiert, jederzeit bereit, etwas
Neues zu lernen, und ohne in irgendeiner Weise Einfluß zu nehmen. Ganz wichtig:
Die eigenen Reaktionen auf kommende Gedanken sind auch Gedanken. Diese gilt es
zu entdecken. Ist eine Reaktion erst einmal entdeckt, dann ist man in die Lage
versetzt, sie zum Fluß gehörig zu betrachten, und die Reaktion ist plötzlich
keine Reaktion mehr.
Es ist auch möglich, Reaktionen auf eigene Reaktionen zu
entdecken. Man kann unter Umständen erkennen, in welches Labyrinth sich der
menschliche Geist begeben hat, ineinander verschachtelt, wie die russischen
Puppen, die man öffnet, um wieder eine Puppe darin zu finden, die man öffnet,
um wieder eine...
Fährt man fort, den Fluß der Gedanken urteilslos zu
betrachten, so wird man zeitweise ohne Reaktion sein können, und zwar völlig
mühelos. Der Verstand wird ruhig, und das bedeutet, der Verstand erzeugt keine
Probleme. Man wird in die Lage versetzt, zeitweise völlig ohne jedes Problem
leben zu dürfen. (Langweilig? Ach ja: Langeweile ist das Problem, das man sich
macht, wenn man kein Problem hat.)
Ganz davon abgesehen, daß man eine Reise antritt bis in die
Tiefen der eigenen Psyche, welche, wie ich sehen durfte, nicht meine Psyche
ist, sondern die Psyche aller Menschen.
Noch etwas: Der Skeptiker wird entgegenhalten, es handelt
sich hier um einen kranken oder bewußtseinsgespaltenen Geist, der die
Feststellung macht: Ich bin nicht mein Verstand! Dies ist zugleich richtig und
auch falsch. Denn erstens: Ich habe noch kaum einen Menschen getroffen, der
nicht zeitweilig von Angst oder Haß, von Ärger oder Depression gepeinigt wird.
Die Menschen sind also fast alle nicht ganz gesund. Man ist also keineswegs
abnorm, wenn man auch so ist. Und zweitens: Selbsterkenntnis ist der erste Weg
zur Heilung. Die Feststellung: Du bist nicht dein Verstand, ist heilsam, wenn
man nicht den Fehler macht, seine Gedanken abzulehnen, verändern zu versuchen,
oder zu unterdrücken.
Über das
Urteilsvermögen
Die Urteilsfähigkeit
ist mit Sicherheit die wichtigste und herausragendste Fähigkeit des
Menschen. Sie ist die Grundlage unseres Verstandes, genau wie das Bit die
Grundlage des Computers ist. Jemand, der eine Situation klar und gut beurteilen
kann, wird immer im Vorteil sein. Das bleibt völlig unbestritten. Diese
Fähigkeit muß auch nach bestem Wissen weiterentwickelt, und den Erfordernissen
der neuen Zeit angepasst werden.
Das Beurteilen von sich selbst, genauso wie das Beurteilen
von anderen Menschen, mit denen man direkte Beziehungen hat, bringt aber
Probleme mit sich. Das Wälzen von Problemen dieser Art führt letztlich dazu,
daß das Urteilsvermögen darunter leidet, und man gerät leicht in mehr oder weniger große
Verwirrung.
Wenn man sich also in diesem Bereich des Urteils enthält,
wird das Urteilsvermögen größer, so paradox das auch erscheinen mag.
Ich erwähne das nur, um nicht mißverstanden zu werden.
Eine übergeordnete
Wesenheit lebt in uns allen!
Was läßt sich nun aussagen über den Bereich der
"Anomalie der Logik", der vorher besprochen wurde?
Unser "inneres Selbst" weist also logische
Lösungsversuche zurück, und verursacht paradoxe Ergebnisse. Logik aber
funktioniert streng zeitgebunden. Logik geht davon aus, daß, wenn ich dies tue,
daraus nach einer bestimmten Zeit das logische Ergebnis folgt . Daher kann man
sagen, unser "inneres Selbst" weist die Zeit zurück. Es existiert
also außerhalb der Zeit - es ist zeitlos - es lebt in der Ewigkeit.
Auch die Kausalität im Denken kann verändert werden
(Kausalität ist das Ursache - Wirkung - Prinzip). Der Spruch eines bekannten
Philosophen illustriert das ganz gut: "Die Psychologie ist die Krankheit,
für deren Heilung sie sich hält". Kausalität ist streng verknüpft mit dem
Begriff Karma. Unser "inneres Selbst" lebt frei von Karma. Es ist in
der Lage, unser angehäuftes Karma entscheidend zu beeinflussen, ja sogar
aufzulösen.
Durch das Fehlschlagen logischer Versuche erscheint mir das
"innere Selbst" als unveränderbar. Das heißt aber nicht, daß ich
keinen Einfluß auf mein Selbst habe. Denn je mehr es mir gelingt, mein Selbst
in Ruhe zu lassen, desto klarer, intelligenter, und gesünder wird mein Geist
und auch mein Körper sein.
Unser "inneres Selbst" hat also Attribute, welche
wir eigentlich nur Gott selbst zubilligen:
1. Es lebt außerhalb der Zeit in der Ewigkeit
2. Es ist unveränderbar. Der Versuch, es zu manipulieren,
entfremdet uns von ihm.
3. Es kann aktiv in unser Leben eingreifen. Wenn wir nach
seinem Willen leben, werden wir intelligenter sein, tiefer blicken können, und
die Sensibilität erhalten, um die Schwingungen dieser Welt besser wahrnehmen zu
können.
Ich befinde mich hier in völliger Übereinstimmung mit einem
indischen Weisheitsbuch, der Bhagavad-Gita. Dort steht in Kapitel 2.24:
Die indiviuelle
Seele ist unzerbrechlich und unauflöslich und kann weder verbrannt noch
ausgetrocknet werden. Sie ist immerwährend, überall gegenwärtig, unwandelbar,
unbeweglich und ewig dieselbe.
Ist das nicht wunderbar ? Gott lebt und ist nicht tot seit
2000 Jahren! Er lebt in jedem von uns. Er ist dort zu finden, wo wir leben: Im
Alltag, in der Natur, sogar in unseren Problemen und Depressionen. Sogar dort.
Eigentlich kann man sagen:
Wer gegen sich
selbst kämpft
spaltet sein Wesen
akzeptiert sich
nicht
und wird mehr und
mehr fremdbestimmt
wie ein Blatt im
Wind treiben.
Wer nicht gegen
sich selbst kämpft,
läßt sein Wesen
wachsen und blühen
akzeptiert sich
selbst
und wird mehr und
mehr einig mit sich und der Welt
wie ein Stern
seine Bahn ziehen
von keinem Winde erreicht
Aus einem Abstand heraus möchte ich noch weitere
Anregungen hinzufügen:
Öfters wird die Meinung vertreten, daß das alles ja
recht und schön wäre, und wohl auch gelingen könnte, wenn man die Zeit hätte,
sich jahrelangen Übungen unterziehen könnte wie die es indischen Jogis tun, und
dann würde man vielleicht soweit kommen...
Nun, sicherlich ist es nicht verkehrt, ab und zu mal
eine Zeit zum Nachdenken zu haben, oder auch eine Zeit ohne Stress. Aber die
Idee, „weit zu kommen“ oder „in psychischer Hinsicht „Etwas zu erreichen“ ist
meines Erachtens absurd und völliger Unsinn. Das genau ist eigentlich gemeint,
wenn weiter oben festgestellt wurde, daß das „innere Selbst außerhalb der Zeit
lebt. Nicht einmal die Kausalität ist in diesem Bereich gesichert.
Ein schlauer Kopf hat einmal gesagt: Meditation ist die
Vernichtung von Zeit. Die Rede ist von derjenigen Zeit, die der Gedanke
erschafft, Etwas zu erreichen.
Wie ist nun dieser Bereich der „Anomalie der Logik“
beschaffen? Woran erkennen wir ihn? Nun, in Kontakt zu diesem imaginären
Bereich treten wir immer dann, wenn wir unsere Psyche betrachten wollen.
Tatsache ist, daß solches Betrachten mehr oder weniger automatisch im Gehirn
Wertungen zur Folge hat, die wiederum fast automatisch den Verstand zum
logischen Problemlösungsversuch in Betrieb setzen. Deshalb wird empfohlen: Mach
dir kein Bild von dir selbst (Von der Psyche natürlich, es wurde nie behauptet:
Schau nie wieder in einen Spiegel).
In diesem Zusammenhang wird auch empfohlen, sich von den
Früchten (oder dem Gewinn) seiner Tätigkeiten unabhängig zu machen („Frei von
Hang“, erinnern wir uns an das Zitat ziemlich am Anfang). Natürlich hat man
vermieden, dem breiten Normalmenschen dies zu vermitteln, denn der Unbedachte
wird dann faul und flippt aus. In Indien hat man sich da gut aus der Affäre
gezogen, man hat einfach die Thematik umbenannt, und spricht vom
Hingebungsvollen Dienst an die Gottheit
(Im übrigen halte ich diese Zusammenhänge für den
psychologischen Hintergrund der Hippiebewegung).
Übrigens gibt es eine Religion, die fordert: Mach dir
kein Bild von Gott. Wie nahe Selbst und Gott sich stehen, konnte auch schon
gezeigt werden. Hier haben wir also die Grundlage für einen religiösen Lehrsatz
gefunden, der für Viele von uns bis heute keinen Sinn ergab.
Mein Interesse für Religionen beruht übrigens nicht auf
einer besonderen Gläubigkeit und auch nicht auf Fanatismus (Ich glaube nur
Nachvollziehbares, nicht einmal an den Atheismus glaube ich). Vielmehr ist mir
aber klar, daß es bis zum Mittelalter die Kirchen waren, die das Monopol auf
die Wissenschaften innehatten. Im Auftrag der Kirchen und Religionen wurde
jahrtausendelang geforscht und die Kirchen waren auch die Einzigen, die
Dokumentationen erarbeiten, und auf Dauer konservieren konnten. Natürlich haben
sie die Erkenntnisse oft für sich behalten, besonders wenn sich ketzerische
Inhalte darin fanden (wer die Bibliothek des Klosters Stift Melk bei Wien
besucht, kann sich davon selbst überzeugen), und sie haben dann, vorsichtig
ausgedrückt, eine „angepasste Version für das Volk zum Klauben“ verbreitet.
Wenn man die Möglichkeiten hat und sich die Mühe macht,
die Spreu vom Weizen zu trennen, dann finden sich da wahre Schätze. Besonders
im indischen Raum stößt man auf einiges, was die westliche Wissenschaft erst in
Zukunft entdecken wird.
Die zunehmende Orientierunglosigkeit hat vielleicht auch
damit zu tun, daß man nach wie vor die „Weltformel für alles“ zu finden hofft.
Dabei gilt es aber zu bedenken, daß es Bereiche geben mag, in denen andere
(Natur-)Gesetze herrschen als in anderen Bereichen. Eigentlich ist das sowieso klar – man denke nur an Atomphysik
oder Relativitätstheorie.
Nun haben wir hier erneut so einen Bereich entdeckt. Im
Westen, wo die Wissenschaft sich früh vom Clerus trennen konnte, hat man sich
von der materiellen Seite her an den Geist herangeschlichen, was zwar zu der
bekannten Problematik geführt hat, jedoch auch zu Wohlstand. In Indien hingegen
lief das anders. Man hat sich von der geistigen Seite her der materiellen Welt
genähert. Man hat erstaunliche, für uns schwer begreifliche Forschungsmethoden
entwickelt, und auch verblüffende Ergebnisse erzielt. Man denke z.B. an das
Ayurveda-System, an die Erforschung der Energievorgänge im Körper (Nadis und
Chakras) usw. Auch über die Wirtschaft hat man sich durchaus Gedanken gemacht.
Das illustriert z.B. der Spruch: Wenn es der Kuh gutgeht, dann geht es auch dem
Volk gut. (Ich gehe auf dieses Thema nicht weiter ein, denn darüber könnte man viele
Seiten füllen) Die (geistige) Philosophie, die viel von Hingabe und Vertrauen
spricht, hat die Leute jedoch fatalistisch werden lassen. Hingabe und Vertrauen
haben für meinen Begriff in der materiellen Welt kaum etwas zu suchen. Vor
allem nicht wenn man z.B. sagt: Wenn Gott gewollt hätte, daß ich eine
Wasserleitung besitze, dann hätte er mir eine hingebaut. Das mag vielleicht
teilweise erklären, warum man dort immer noch viel Armut antrifft.
Man machte dort also den selben Fehler wie hier, nur
andersherum.
Inzwischen wird dort aber alles anders. Das sehe ich
allerdings als eine Art Eroberungsfeldzug des Materialismus, der wenig Raum
läßt für Erkenntnisse.
Bleibt nur zu hoffen, daß bald erkannt wird, daß was
dran ist an der Theorie mit den zwei Bereichen. Es könnte wichtig werden. Denn
wenn unsere Kultur degeneriert wie fast alle Hochkulturen zuvor, dann ist das
ein globalisierter Effekt, und es wird keine andere Kultur mehr geben, die dann
in die Bresche springt.
Ich liebe die Mathematik. Zum Beispiel die natürlichen
Zahlen, weil sie doch
so ganz und positiv sind. Aber Spaß beiseite.
Dieser imaginäre Charakter der Psyche erinnert mich oft
an ein Phänomen aus der Mathematik. Ich
möchte sogar sagen, daß es eine Analogie, wenn nicht sogar eine Entsprechung
gibt.
Es gibt nämlich soetwas wie eine imaginäre Zahl. Sie
wird so genannt, und man kann sie unter diesem Namen im Lexikon finden.
Es geht um folgendes:
Die Gleichung x2
= - 4 hat keine Lösung.
Setzt man z.B. x = 2, dann ist x2 = +4.
Setzt man z.B. x = -2 dann ist x2 = +4 (Minus mal minus gibt plus!)
Man hat dann solche Ausdrücke aufgeteilt in Realteil und
Imaginärteil,
in unserem Fall also x = 2j, wobei j die Wurzel aus –1
ist, und imaginäre Zahl heißt.
Dieses j mußte man so stehen lassen, denn es gab ja
keine Lösung.
Auf diese Problematik ist man in der Wechselstromtechnik
gestoßen, also in einem Bereich, in dem (bezeichnenderweise!) von Schwingungen
und Energieübertragung die Rede ist, und wo man weitere Formeln gesucht hat
(Das taucht da auf, wo vom Einheitskreis die Rede ist, vielleicht erinnert man
sich noch ganz dunkel). Irgendwann später hat dann ein genialer Physiker und
Mathematiker doch versucht, mit dem j weiterzurechnen. Es gelang ihm dann, auf
eine Gleichung zu kommen, bei der auf beiden Seiten das j stand. Das konnte man
dann kürzen, und so gab es eine neue Formel.
Aha. Kürzen also! Es entfällt dann vielleicht
irgendwann.
In der Mathematik gibt es also auch so eine Stelle, die
unberechenbar bleibt.
Möglicherweise macht es auch beim „Ich" Sinn, die
Ausdrücke in Realteil und Imaginärteil aufzuteilen, und den Imaginärteil nicht
weiter zu berechnen.
Hier ist die Mathematik auch schon wieder zu Ende, und
jetzt geht die Story weiter:
Das „Ich" ist nun eine Sache, die uns in eine
paradoxe Situation führt:
Einerseits fällt auf, daß es irgendwie keine reelle
Grundlage, und daher keine Wirklichkeit haben kann, andererseits kommen wir
nicht umhin, seine Existenz festzustellen und zuzugeben.
Das war schon immer Grund für hintergründige Witze oder
weise Sprüche, z.B.:
Keiner glaubt mir, was geschah,
Ich sah 'nen Mann, der war nicht da.
Auch heute bog er nicht ums Eck,
Ach Gott, Ich wünsch't, er wär schon weg. (dt. Volksweise)
Es gibt keine Grenze auf der öffentlichen Straße. Wer
diese Grenze durchschreitet, wandelt frei durch den Raum. (Zenspruch)
Leute, die spirituelle Workshops besuchen, machen oft
wichtige Erfahrungen. Es kann gelingen, mit bestimmten Techniken oder im Gebet den
Verstand zu beruhigen, Stille zu erleben, und dabei definitiv eine große Menge
an Lebensenergie zu tanken. Weil man aber oft nicht anders kann (oder es nicht
besser weiß), nimmt man diese Energie bewußt oder unbewußt dazu her, sein Ego
damit aufzublasen, um sich besser gegen die Intrigen des Lebens durchsetzen zu
können. Das verbraucht aber sehr schnell die Energie, und man gerät in einen
Kreislauf (der auch viel Geld kostet, denn solche Workshops sind oft nicht
billig. Es sei auch gewarnt vor bestimmten Mantrameditationen, denn das ewige
Wiederholen eines Wortes ermüdet nur, und kann sogar auf die Dauer den Verstand
abstumpfen. Das Ziel solcher Techniken muß sein, den Verstand zu beruhigen, und
gleichzeitig die Wachheit zu steigern.).
Wer nun diesen Kreislauf durchschaut, und sich
hingezogen fühlt zu dieser Energie, der kommt irgendwann an ein Tor, das von
einem Drachen bewacht wird.
Es ist dies der Drache, der in der Nibelungensage
vorkommt, und gegen den auch Odysseus gekämpft hat. Der Drache taucht auch in
China auf, in Tibet nennt man ihn „Das alles verschlingende Ungeheuer der
Zeit“, und überhaupt taucht er in fast jeder Mythologie auf.
Was hat es nun auf sich mit dem Drachen ?
Auf dem Weg dorthin spürt man schon große Energie (Ich
sage Energie, weil ich keinen besseren Begriff finden kann). Die wird meist
erlebt als anhaltende Euphorie. Diese wiederum ist aber ein untrügliches
Zeichen, daß man seine Energie ins Ego bläst (Es ist schon eigenartig, da jagen
die meisten Menschen jedem bißchen Euphorie hinterher, und wenn man dann da
ankommt, steht die Euphorie plötzlich auf der Gegenseite). Wenn man nun
versucht, sich an dem Drachen ein Stück weit vorbeizumogeln, und das kann mit
manchen Techniken gehen, dann kann soviel Energie kommen, daß das Ego einfach
wie ein Luftballon zerplatzt. Wem das passiert, der ist reif für die
Klapsmühle. Zumindest. Es gab schon Leute, die im Größenwahn ihr Leben ließen.
Der Drache ist also eine Sicherung in uns, die überprüft, ob der imaginäre
Breich noch betreten wird, oder ob der „faradaysche Käfig“ bereits
fertiggestellt ist.
Diese Drachenstory ist keineswegs eine versponnene Idee,
sondern sie ist eine sehr ernst gemeinte, eindringliche Warnung von jemandem,
der dort war. Es ist in jedem Fall besser, auf der sicheren Seite zu bleiben,
bis das Tor sich von selbst öffnet (Jedenfalls wird das so behauptet, und es
scheint auch plausibel zu sein).
Philosophische
Betrachtungen
An dieser Stelle scheinen mir noch einige philosophische
Betrachtungen sinnvoll.
In der westlichen, wissenschaftlich orientierten Welt
ist man schon lange übereingekommen, daß man die Existenz oder Nichtexistenz
Gottes nicht beweisen kann. Daher kann kein Gottesbeweis mehr akzeptiert
werden. Das aber heißt doch eigentlich nur, daß die Wissenschaft so sehr von
sich selbst eingenommen ist, daß sie von vornherein ausschließt, daß ihr
Weltbild sich noch ändern oder wesentlich erweitern wird. Es könnte möglich
sein, daß diese Institution auch nicht anders drauf ist, als die Kirchen von
damals. Nur halt andersherum.
Der Autor von „Anomalie der Logik“ hält die Erkenntnisse
und Schlußfolgerungen, die sich daraus ergeben, und die vor allem in dem Text
„Eine übergeordnete Wesenheit lebt in uns allen!“ gipfeln, durchaus für einen
gültigen Gottesbeweis. Jedoch macht er als Zugeständnis an die Wissenschaft
klar, daß er hier keinen Anspruch auf Objektivität stellt. Er räumt durchaus
eine gewisse Subjektivität ein, so wie die Forschungen eines Autodidakten, die
der ganzen Umgebung gegen den Strich gehen, immer subjektiv bleiben, besonders
bei einem Thema, das ja geradezu als subjektivistisch bezeichnet werden kann.
Die Frage war ja eigentlich noch nie, ob es Gott gibt,
sondern eher, wer oder was als Gott zu bezeichnen ist!
Anders allerdings ist das bei der Seele. Daß es sie gibt
steht außer Zweifel, sogar für die Wissenschaft. Neu wäre vielleicht, daß sie
nur bei Abwesenheit des „Ich“ wirklich zum Tragen kommt. Aber eines soll nicht
verschwiegen werden: Es gab keine Hinweise darauf, daß an der Seele irgendetwas
Individuelles ist.
Bei dem letzten Bhagavad-Gita Zitat „Die individuelle
Seele ist unzerbrechlich und..“
(im Text „Eine Übergeordnete Wesenheit lebt in uns
allen!“ – Zitat aus der Übersetzung vom Bhaktivedanta Book Trust) ist im
Originalsanskrittext das Wort Individuell gar nicht vorhanden. Man hat hier
anscheinend nur eine Bezeichnung gebraucht, um sie von der Allseele zu
unterscheiden. Es wäre auch nicht glaubhaft gewesen. Auch die Veden sprechen
sonst eine andere Sprache. Es ist die Rede von: Brahman ist Atman, Innen ist
außen, der Spiegel der Seele...
Einer Spiegelfläche haftet nichts individuelles an, es
sei denn, der Spiegel wird nicht geputzt, oder wird beschmiert oder verkratzt.
Sicherlich, es kann nicht ausgeschlossen werden, daß die
zuständige Superintelligenz Informationen für interne Zwecke aus der Seele
ausliest bzw. einspielt, es gibt sogar Hinweise darauf, aber das ist ein völlig
anderes Thema.
Jedenfalls sieht es so aus, daß auch auf dieser Ebene
keine Spur von Angst, sondern nur endlose Weite ist.
Unter all diesen Gesichtspunkten kann und soll man sich
natürlich auch die Frage vorlegen: Was wird nun aus unserer Individualität ?
Das hat zwei Aspekte: In materieller Hinsicht hat die
Superintelligenz dafür gesorgt, daß es unter all den Milliarden Menschen keine
2 sind, die sich gleichen, außerdem ergeben sich durch die Lebensumstände und
dem kulturellem Hintergrund weitere Unterschiede.
In psychischer Hinsicht aber taucht auf dieser Ebene der
Betrachtung ein interessanter Aspekt auf: Es hat eine solche Individualität
noch nie gegeben, und es wird sie vermutlich auch nie geben. In unseren Ängsten
und Freuden, in unseren Sorgen und Lüsten unterscheiden wir uns allenfalls
durch die Situationen in die wir kommen. Wir alle geben uns Mühe, sogar der
Mörder gibt sich Mühe, die Leiche vor der Polizei zu verstecken. Sogar in
unserem Streben nach Individualität unterscheiden wir uns nicht. Selbst die
tiefen Abgründe unserer Seele haben wir alle, auch wenn wir verschieden damit
umgehen. Und auch dieses verzweifelte Festhalten an diesem „Ich" ist uns
gemeinsam, wenn auch der Eine vielleicht aus Unwissenheit sich daran klammert,
während der Andere schon den Urgrund aller Süchte darin erkennt. Denn auch in
unserer Sucht unterscheiden wir uns nur durch Erlerntes. Die Einen sind z.B.
süchtig nach Arbeit oder Sport, die anderen eher nach Konsum oder Alkohol.
Lediglich die Erleichterung des „Ichs" verspricht eine echte
Besserstellung, die aber nie überheblich oder eingebildet wird,
denn diese Eigenschaften bauen sich mit ab.
(Bild=Image, Einbildung=Verimaginärung?)
Wer nun glaubt, die Seele sei ein Teil der
übergeordneten Wesenheit, der liegt fast richtig. Nur das Wort „Teil“ riecht
nach „abgetrennt“, und das trifft es nicht. Aufgeteilt und doch unteilbar, so
oder ähnlich heißt es in den Veden. (Es wurde hier darauf verzichtet, das Zitat
anzugeben)
Ist die übergeordnete Wesenheit nun eine Person, oder
nicht? Schon vor vielen Tausenden von Jahren wurde diese Frage heftig
diskutiert. Die Unpersönlichkeits-Anhänger warfen ein, daß Gott sich nur durch
die Naturgesetze offenbart. Die Persönlichkeitsanhänger entgegneten, daß auch
eine menschliche Zelle, als eigenes Lebewesen, das Gesicht des Menschen nicht
sehen kann. Genauso sind wir nur ein Molekül dieser riesigen Person, deren
Gesicht so weit weg ist, daß wir es nie sehen werden. Und überhaupt: Gott wird
eine Unperson sein. Haha. Worauf die Gegenseite wieder meinte: Wir können uns
Gott nicht als Diktator vorstellen. Gott ist die Güte, hieß es daraufin.
Letztlich konnten die Persönlichkeitsanhänger punkten mit einem simplen
Argument: Wir sind die Guten, und ihr seid die Bösen. Seither wurde nichts mehr
über diesen Streit bekannt.
(ich gebe zu, die Diskussion nur sinngemäß wiedergegeben
zu haben)
Da ist noch etwas, was bemerkenswert erscheint. Es gibt
Hinweise auf eine Art Naturgesetz: Immer dann, wenn eine Kultur, oder auch ein
einzelner Mensch am extremen Höhepunkt, oder auch am extremen Tiefpunkt seiner
Existenz angelangt ist, dann entsteht u.U. die Möglichkeit, daß dieses uralte
Open-Scource Software-Patch fürs Gehirn mit eingebauter Bauanleitung für eine
Firewall, von dem hier die Rede ist, wieder neu upgedatet und auch realisiert
wird. Am Höhepunkt deswegen, weil es da am leichtesten fällt, und am Tiefpunkt
deswegen, weil es da am dringendsten gebraucht wird. Man blicke z.B. auf die
Lebensgeschichte mancher Schamanen, die unter katastrophalen Lebensumständen
und Schicksalsschlägen zusätzliche Kräfte aktivieren mußten, die normalen
Menschen meist verschlossen bleiben. Oder an die Geschichte Buddhas, einem
Königshaus entstammend, am Höhepunkt einer Kultur. Auch in extrem kargen
Landschaften, wie z.B. in Tibet, oder bei den Derwischen in der Wüste entstand
das Phänomen. Ein besonderes Beispiel ist die Gangesumgebung. Eine Landschaft,
die im Jahreslauf extreme Umstände wie riesige Überschwemmungen, dann aber auch
oft reiche Ernte, sowie extreme Hitze und Trockenheit erlebt. Vielleicht ist
auch das der Grund, warum gerade dort der Geist der Weisheit bis heute noch
spürbar ist. So ist es auch kein Wunder, daß dort in alten Schriften auf diese
Gesetzmäßigkeit einer regelmäßigen Wiederkehr hingewiesen wird.
An den Schluß stelle ich noch eine kleine Geschichte
Buddhas, die ich vor langer Zeit gelesen habe. Ich erzähle sie locker vom Hocker,
so wie ich sie verstanden habe, ohne sie weiter zu retuschieren, äh,
recherchieren meine ich natürlich.
Einer seiner Schüler kam eines Tages zu Buddha. „Ich
habe ein Problem mit meinem Ego", sprach er, „kannst du mir
helfen?" Buddha sprach: „Schon möglich,
- Zeig her dein Ego!" Der Schüler meditierte eine Weile, dann sagte er:
„Zu dumm, ich kann mein Ego gerade nicht finden". Daraufhin meinte Buddha:
„Ich hoffe du lernst daraus. Bleib auf der Suche!"
So entpuppt sich "die Suche nach dem Ich"
insgesamt als wenig zielführend. Das wäre pessimistisch ausgedrückt.
Optimistisch aber könnte man sagen: Es besteht Hoffnung, es sich weitgehend vom
Hals halten zu können.
Später wird man vielleicht sagen, es war nur eine
provisorische Hilfskonstruktion der Evolution.
Hier komme ich zum Ende.
Bleibt mir nur noch, allseits eine große Erleichterung
zu wünschen.
Heinz Gemeinhardt, München, Dezember 2003,
Widmen möchte ich diesen Text meiner lieben Frau Petra,
die mir immer genug Raum läßt, meine Forschungen weiterzuführen, und die mich
fortwährend motiviert.
(Dieser Text hat eine Fortsetzung: bitte hier klicken)