Kredite und Kreditkrise    Welche Rolle spielen Kredite?
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http://www.sott.net/image/image/12772/full/photo_48e301820d060.jpg


22.09.2008
Bundesbank: Geldmengenanstieg seit 2004 kreditgetrieben
FRANKFURT (Dow Jones)--Das Geldmengenwachstum im Euroraum wird nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank seit 2004 hauptsächlich von der Kreditvergabe getrieben und gibt damit Anlass zu stabilitätspolitischen Sorgen...........
.......Das Wachstum der Geldmenge M3 ist seit November 2007 von einer Jahresrate von 12,3% auf 9,3% im Juli 2008 gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB), die als einzige große Notenbank weltweit ihre Geldpolitik nicht nur an realwirtschaftlichen, sondern auch monetären Faktoren orientiert, betrachtet eine Jahreswachstumsrate von 4,5% als inflationsneutral. Die Bundesbank verweist in ihrem Monatsbericht darauf, dass das M3-Wachstum besonders eng mit der Verbraucherpreisinflation verbunden sei .....
......Studien zeigen laut Bundesbank-Monatsbericht, dass die auch im Euroraum stark gestiegenen Immobilienpreise die Kreditvergabe der Banken erhöht haben, da höhere Häuserpreise die Besicherungsmöglichkeiten der Immobilienbesitzer verbessert haben. Zudem verbessere eine expansive Geldpolitik die Finanzierungsbedingungen, was wiederum die Nachfrage nach Immobilien verstärke. Allerdings sei selbst bei Einbeziehung der Immobilienpreisentwicklung nur die Hälfte des M3-Wachstums fundamental erklärbar..........
http://www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=84961515
 


Seit den 70ern gibt es keine Deckung für Geld mehr. Man spricht von Fiat-Money.

FIAT MONEY. Den Begriff kennt ihr?
http://de.wikipedia.org/wiki/Fiat_money
Zitat:
Fiat money, ein Geld aus dem Nichts, ist Geld, dessen juristische Deckung durch reale Vermögenswerte entweder nicht vollständig ist oder fehlt. Im Gegensatz zu Warengeld und Kurantmünzen, die einen Eigenwert haben, handelt es sich um stoffwertloses Geld, bei dem keine Deckung in Gold oder ähnlichen Werten vorhanden ist. Stark unterwertige Scheidemünzen, Papiergeld und Buchgeld sind als Fiat money anzusehen.
Die Bezeichnung fiat money (Es werde Geld) ist abgeleitet vom lateinischen fiat lux (Es werde Licht) aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel, der Genesis (1. Mose 1,3).

Aha. Geld aus dem Nichts. Und die Deckung des Geldes funktioniert heute wohl so:

....Zuerst muss man sehen, dass hinter jedem Euro Schulden auch ein Euro Vermögen für jemand anderen steht. Schulden kann es nur geben, wenn es auch Vermögen gibt und dieses verliehen wird.....
http://www.geldcrash.de/artikel-schulden.html

Und wenn man es nicht einhalten kann, so gibt es eben weitere Kredite. Dann fällt es nicht so schnell auf, daß damit einfach Geld gedruckt wird.

Allerdings wer weiß?

Es werde Geld!
Unser Geld wird dahin verschwinden, woher es gekommen ist - ins Nichts

Das Geld, das die Welt regiert, ist so schwammig konstruiert, dass nicht einmal die obersten Währungshüter mit Bestimmtheit sagen können, was Geld wirklich ist. In Tat und Wahrheit wird es aus dem Nichts geschöpft, und dorthin wird es sich am Tag der Abrechnung auch wieder verflüchtigen. Das ist der Moment der grossen Chance.......

......Greenspan antwortete: «Wir haben ein Problem, Geld exakt zu definieren. Die gängige Definition von Geld gibt uns nicht die geeigneten Mittel, die Geldversorgung zu kontrollieren.» Der Kongressabgeordnete Ron Paul: «Wenn Sie Geld nicht definieren können, wie können Sie denn das Geldsystem kontrollieren?» Alan Greenspan: «Das ist das Problem …»..........
http://www.hinter-den-schlagzeilen.info/sys/id/3533-Es-werde-Geld!#extended
 

 
Das nahende Ende der Papiergeldzeit
Seit US-Präsident Nixon die letzte schwache Verbindung des Dollars mit dem Gold kappte, indem er die Goldeinlösungsgarantie der USA für die Dollarguthaben ausländischer Zentralbanken beendete, läuft ein menschheitsgeschichtlich einzigartiges Experiment ab: Seit 35 Jahren befinden sich alle Staaten der Erde im reinen Papiergeldstandard (fiat money). Seither hat der Dollar rund 90% seiner Kaufkraft von 1971 eingebüßt. Und seither haben die Zentralbanken und die in ihrer Obhut stehenden (Bruchteilsreserven-) Bankensysteme der USA und der übrigen Industriestaaten Ozeane aus Schein- und Kreditgeld erzeugt. Überall lag das Geldmengenwachstum bei einem Vielfachen des Zuwachses der Güterproduktion. ....
.....
.....
....Das Ende vom Lied: Der Staatsbankrott (ist gleich Massenbankrott der Bürger) oder - letztlich, nach dem Zusammenbruch der Hyperinflation, doch eine lange schwere Depression - oder beides. Wer die Geschichte der Kriege, der Diktaturen und der Revolutionen kennt, weiß, was mit solchen Verelendungszeiten einhergeht. Der große Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich A. von Hayek, ein bedächtiger Wissenschaftler von Weltruf, wußte sehr wohl, warum er in seinem letzten Werk so eindringlich die Entstaatlichung des Geldes (Denationalisation of Money, 1976) gefordert hat - und warum er darauf hingewiesen hat, daß es dabei um nicht weniger als um das Überleben unserer Zivilisation gehen werde. Der letzte Satz seines Buches lautet: "Ich wünschte, ich könnte den Rat geben, langsam vorzugehen. Aber die Zeit mag kurz sein." Sie war kurz, denn jetzt ist es zu spät. Die Voodoo-Ökonomen der Neuzeit haben darüber gelacht. Das Lachen wird ihnen noch auf eine schreckliche Weise vergehen; leider uns allen ebenso.
http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=2874
 


Shorten ist in die Kritik geraten. Was ist ein Leerverkauf?
 
24.09.2008
SEC erweitert Verbot von Leerverkäufen
York (BoerseGo.de) - Der US-Börsenaufsicht SEC hat die in der Vorwoche veröffentlichte Liste über das Verbot von Leerverkäufen erneut erweitert. Gemäß der US-Börsenaufsicht SEC sind Aktienwetten auf fallende Kurse mitverantwortlich für den steilen Absturz vieler Papiere.........
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2008-09/artikel-11849772.asp
 

 
Diejenigen, die leerverkaufen, haben, wie es der Name schon sagt, keine Aktien! Sie leihen sich keine, sie kaufen keine, sie geben nicht einmal vor, welche zu haben. Deshalb nennt man das Leerverkauf
 
Sie setzen auf fallende Kurse. Innerhalb eines Termins.
 
Sie sagen also zum Beispiel: In einem Monat ist diese Aktie nur noch die Hälfte wert.
 
Und sie sagen: Wenn du das nicht glauben willst, so ist das kein Problem, in einem Monat verkaufe ich dir die Aktie zu dem Preis, den sie heute hat. Der Andere meint vielleicht: In einem Monat ist die Aktie das Doppelte wert.
 
Sie müssen sich also erst in einem Monat eindecken mit diesen Aktien. Wenn sie recht hatten, dann gewinnen sie viel Geld damit, wenn sie aber mehr wert wird, dann verlieren sie. Natürlichmüssen sie das Geld für die Aktien aber vorher hinterlegen.
 
Die Bank gewinnt in jedem Falle. Sie kassieren ihre Provisionen und Gebühren in jedem Fall, egal ob man gewinnt oder verlieret. Du kannst dich jederzeit bei einer solchen Direkt-Bank anmelden, und das Volumen deiner Transaktionen darf/kann natürlich nicht deine Einlagen übersteigen. Außerdem muß man etwas unterschreiben, was 1 Jahr gilt, und nach einem Jahr muß man das verlängern.
 
Der Zyniker argumentiert natürlich: Bestimmt werden sie demnächst das Aktienverkaufen komplett verbieten, das garantiert dann die Preisstabilität. :-)
 
Festzuhalten wäre aber: Aus Nichts wird Geld gemacht. Aufgrund eines Versprechens, also daß man zu einem bestimmeten Termin Aktien verkauft, die man aber erst dann besorgt, kann Geld erschaffen werden, das es vorher noch nicht gab. Allerdings nur, wenn die Aktien fallen.
 
Aktien-Spekulationen sind eine Sache. Wären nicht Leerverkäufe eine Spekulation auf Spekulationen? Und ein Verbot von Leerverkäufen verhindert, daß die ganzen Spekulationen auf ihrem inneren Wert, also Null zurückgeführt werden?
 
Wir haben es mit einem Versprechen zu tun. Zur Einhaltung des Versprechens wurde aber bereits das Geld dafür in Geiselhaft genommen. Könnte man das so sagen?
 
Inwieweit ist ein solches Versprechen ein Kredit? Du kannst zum Beispiel ein Geld bekommen aufgrund einer Hypothek auf dein Haus. Ist das eine ähnliche Geschichte? Ein Versprechen auf spätere Rückzahlung? Inwieweit ist Geld überhaupt ein Versprechen? Auf spätere Lieferung von Waren?
 


Die religiösen Momente des Geldverkehrs
Forscher Jochen Hörisch: Geld ist ein Versprechen
Jochen Hörisch im Gespräch mit Katrin Heise
 
Nach Ansicht des Literatur- und Medienwissenschaftlers Jochen Hörisch basiert unser Finanzsystem auf Glauben und Vertrauen. Die ganze Geldsphäre sei "theologisch, religiös durchdrungen", etwa dann, wenn von der "unsichtbaren Hand des Marktes" gesprochen werde, die nicht hinterfragt werden dürfe. Doch blieben die Folgen dieses Systems nicht abstrakt, sondern führten wegen ungerechter Verteilung zu Armut und Hunger........
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/850397/
 
Credo, lat.: Glaube. Kredit.  

Merkwürdige Dinge gehen vor. Nicht nur in Amerka sitzen die Bösen. Auch bei uns können Leute ihre Eigenheim-Kredite nicht mehr bedienen weil sie damals beim Kauf knapp kalkuliert haben, alles ist inzwischen teurer geworden, befördert worden sind sie auch nicht wie sie es sich ausgedacht haben, und so gehört das Haus nun der Bank. Anderswo sind die Mieter mit ihren Mietzinszahlungen im Rückstand, und in einer freien Marktwirtschaft würden die Preise der ertragsarmen Objekte fallen. Das geschieht aber nicht oder kaum. Die Banken halten die Objekte, lassen sie leer stehen, es kann sie sich sowieso kaum einer leisten, und sie geben sie auch nicht billiger her (Zumindest nicht bei uns im Süden). Bald ist alles wieder gut, sagen sie, die Hoffnung hält also die Preise hoch.
Das müssen sie auch so machen, denn wenn allgemein die Immo-Preise verfallen würden, dann kämen die Kreditrückzahler auf die Idee, weniger bezahlen zu wollen für ein billigeres Objekt. :-)
 
Werden wir eine Deflation an den Imobilienmärkten bekomen? Am Ölmarkt und an den Aktienmärkten hatten wir schon eine Deflation in de letzten Wochen.
 

 
Kennt ihr die Debitisten-Debatte?

Daß man einen Geldschein als Schuldschein betrachten kann, ist logisch, ich halte einen Schein in der Hand, der mir anzeigt, was man mir schuldet. Nun will man uns nahelegen, die Inflation kann zusammenhängen der Neukreditvergabe ( (auf den ersten Blick identisch mit Geldmengenvermehrung :-)) oder Neuverschuldung, wobei die Geldmenge nicht unbedingt eine Rolle spielen muß, weil der Kauf mit Geld aus der Geldmenge getätigt wird und unnabhängig vom Zins einen Einfluß auf den Preis haben kann.
 
So wie ich das verstehe, besteht daher auch die Möglichkeit, Kredite zu vergeben, die den Sinn haben, die Kredite zu vermehren .
 
Könnte man auch so sehen, wäre in dieser Denke sogar logisch, aber der weissgarnix, der ja recht interessante Blickwinkel manchmal hat, beschreibt das recht kompliziert . Nun streiten sich die schon immer, ob eine Inflation oder eine Deflation kommt oder gar schon jetzt existiert. Das Verblüffende wäre, daß theoretisch auch die Neuverschuldung steigen könnte, ohne daß die gesamte Geldmenge sich ändert, was dann einer Deflation gleichkäme. Wenn ich das richtig verstanden habe. Die Zinsen läßt er außer Acht bei dieser Betrachtung. Und dann schreibt er:

Zitat:
Die Neukreditvergabe per se ist inflationär. Bis zu dem Punkt, wo sie plötzlich ausbleibt, denn ab dann können bestehende Altschulden nicht mehr in toto (Tilgung und Zins) bedient werden, die Kreditpyramide kollabiert (deflationär). Der Kapitalismus funktioniert wie ein Kettenbrief, reisst er, dann ist für alle finito (Paul C. Martin).


Was ist davon zu halten? Eine alternative Finanzcrashthese? Eine ersatzweise Finanzcrashthese? Oder ein verstärkender Effekt? Man korrigiere mich bitte, wenn ich das nicht richtig wiedergegeben habe. Natürlich könnte diese "spiegelbildliche" Geldsicht einen erweiterten Blickwinkel auf die Schuldenmacherei werfen.

Der weissgarnix jedenfalls setzt einen Krügerrand aus, für den, der seine Theorie widerlegt.

Und hier die betreffenden Links, die mich bewogen, das endlich einmal genauer anzusehen:


Deflation mit steigenden Monopolpreisen!
http://finanzcrash.com/forum/read.php?1,35968,35999#msg-35999
von Hannich selbst geschrieben

Dann der Beitrag mit der sehr provokativ gewählten Überschrift:

No such thing as a "Geldmenge"
http://www.weissgarnix.de/?p=182#more-182
(Obiges Zitat ist aus diesem Beitrag)

Und hier die Debatte, bei der der Krügerrand ausgesetzt wird:

Geldmenge und Inflation im Kapitalismus
http://www.weissgarnix.de/?p=73


Vielleicht muß man sich auch gar nicht mit Infla und Defla auseinandersetzen, denn manchmal scheint mir, andere Beobachtungen könnten genügen, aber interessant wäre es schon, wie dieser Mechanismus funktioniert, oder?
 


Sehr spannend: Kolumne von Raimund Brichta bei ntv
 
Freitag, 11. Juli 2008
Beim Geld geht es um die Wurst
Die wenigsten Leute haben schon einmal dabei zugesehen, wie Wurst gemacht wird. Und das ist auch gut so. Denn wer es einmal beobachtet hat, kann leicht den Appetit verlieren. Beim Geld ist es ähnlich: Jeder hat es im Portmonee und auf dem Konto, aber im Prinzip weiß kaum jemand, wie es gemacht wird oder wo es herkommt. Und auch das ist gut so. Denn je mehr man übers Geld erfährt, desto eher kann man das Vertrauen in es verlieren. Dabei ist Vertrauen beim Geld mindestens so wichtig wie Appetit bei der Wurst. Im Prinzip ist Vertrauen sogar das Einzige, aus dem Geld besteht.

Wie bitte? Geld soll nur aus Vertrauen bestehen? Aus sonst nichts? Gibt es denn keinen materiellen Wert, der es wertvoll macht? Schließlich kann man sich doch fast alles dafür kaufen, was man will! Das stimmt zwar, und deswegen glauben viele auch, hinter Geld stecke eine Art Garantie. Zum Beispiel, dass man es notfalls in etwas wahrhaft Werthaltiges eintauschen kann, etwa in Gold. Mitnichten. Wer diesen Traum weiter träumen will, sollte jetzt lieber aufhören zu lesen ...
http://www.teleboerse.de/....
 

 
Montag, 6. Oktober 2008
....Sie können sich das wie zwei nebeneinander liegende Swimming-Pools vorstellen, die miteinander verbunden sind: in dem einen die Kredite, in dem anderen das Geld. Beide sind zunächst leer. Und erst, wenn in den einen Pool der ers te Kredit hineinkommt, fließt in den anderen automatisch die gleiche Summe an Geld. Wird dieser Kredit später getilgt, muss die gesamte Summe aus dem Geldpool wieder herausfließen. Aber dann wäre der Pool ja leer, und es wäre nichts mehr da, mit dem man sich beim Bäcker noch ein Brot kaufen könnte - oder eine Maschine beim Fabrikanten, um damit eine Brücke zu bauen.
 
Folglich müssen in den ersten Pool, den Kredit-Pool, immer wieder neue Schulden hineinkommen, damit im anderen Pool genügend Geld da ist, um sowohl die fälligen Kredite zu tilgen als auch gleichzeitig die Wirtschaft am Laufen zu halten (Brot, Maschinen etc.). Wenn nun besonders viele Kredite aufgenommen wurden, wie in den vergangenen Jahren, hat das zur Folge, dass auch wieder besonders viele neue Kredite aufgenommen werden müssen, wenn die alten fällig werden. Und das gleich gilt, wenn die neuen fällig werden und so weiter ….
 
Aber damit nicht genug, liebe Frau Merkel, denn Sie wissen ja, dass man für Kredite auch Zinsen zahlen muss. Das heißt, man muss insgesamt mehr zurückzahlen, als man aufgenommen hat. Manchmal - bei besonders langlaufenden Krediten - sogar mehr als das Doppelte. Wo soll aber das zusätzliche Geld herkommen? Klar, es kann nur aus zusätzlichen Bankkrediten stammen. Es muss also laufend neues Geld in Form von Bankschulden geschaffen werden. Und für die zusätzlichen Schulden müssen wieder Zinsen gezahlt werden, die noch mehr zusätzliche Kredite erfordern. Und so weiter und so fort...
 
Aus der Kolumne von Raimund Brichta bei ntv
Liebe Angela Merkel!
http://www.teleboerse.de/Kolumne_von_Raimund_Brichta
_Liebe_Angela_Merkel/061020080006/1033237.html

 


Kreditkrise für Dummies
Freitag, 5. Dezember 2008
Die Ursachen und Wirkungen der Kreditkrise sind schwer zu verstehen. Hier nun endlich ein Erklärungsmodell zur Finanzkrise, das jeder versteht.
 
Mandy besitzt eine Bar in Berlin-Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschliesst sie, die Getränke der Stammkundschaft (hauptsächlich alkoholkranke Hartz-IV-Empfänger) auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren. Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandy's Bar.
 
Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit auch massiv ihren Umsatz. Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Mandy's Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung.
 
Zur Refinanzierung transformieren top ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND®, ALKBOND® . Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung SPA Super Prima Anleihen und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert. Daraufhin werden sie von mehreren Rating- Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Mandy's Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen.
 
Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papiere beinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren. Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich.
 
Eines Tages, obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk Manager (der inzwischen wegen seiner negativen Grundeinstellung selbstverständlich entlassen wurde) fest, dass es an der Zeit sei, die ältesten Deckel von Mandy's Kunden langsam fällig zu stellen.
 
Überraschenderweise können weder die ersten noch die nächsten Hartz-IV-Empfänger ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, bezahlen. Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus.
 
Mandy macht Konkurs. SUFFBOND® und ALKBOND® verlieren 95%, KOTZBOND® hält sich besser und stabilisiert sich bei einem Kurswert von 20%.
 
Die Lieferanten hatten Mandy extrem lange Zahlungsfristen gewährt und zudem selbst in die Super Prima Anleihen investiert. Der Wein- und der Schnapslieferant gehen Konkurs, der Bierlieferant wird dank massiver staatlicher Zuschüsse von einer ausländischen Investorengruppe übernommen. Die Bank wird durch Steuergelder gerettet. Der Bankvorstand verzichtet für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den Bonus.
http://www.mmnews.de/index.php/200812051700/MM-News/Kreditkrise-fur-Dummies.html


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