Bildquelle: http://www.kulto.ru/reszfilm/atlantis/atlan.jpg Der Krieger und sein Schwert Es war einmal ein Krieger, und er lebte am heutigen Tag. Für den Frieden in der Welt wollte er all seine Kraft und all sein Können einsetzen. Geschickt lernte er sein Schwert zu führen, denn er erkannte und spürte die Macht, die es ihm verlieh. Er verbrachte viel Zeit damit, die Klinge seiner Waffe zu pflegen, bis sie scharf wurde wie eine Sense, und er polierte sie, bis sie in der Sonne glitzerte wie ein Diamant. Doch je schärfer seine Klinge wurde, desto schneller und leichter verletzte er sich selbst an ihr. Nun hatte er nichts anderes als den Umgang mit seiner Waffe jemals gelernt und gesehen, und so kam er logischerweise auf die Idee, mit seiner Klinge, die sich in jeder Lebenslage so gut bewährt hat, seine eigenen Wunden und Verletzungen zu heilen zu versuchen. Wie jedermann leicht einsieht, scheiterte er an diesem Versuch, ja seine Wunden wurden immer tiefer, und sie bluteten immer mehr. So mußte unser Krieger den Medizinmann aufsuchen, und ihn um ein Mittel gegen die Schmerzen bitten. Er bekam es, nahm es ein, es wirkte, und die Schmerzen waren erst einmal weg. Das Mittel aber betäubte ihn, und so lag er krank in seinem Bette, während das Schwert neben ihm lag, und langsam dahinrostete. Schon nach kurzer Zeit hatte es seine scharfe Schneide eingebüßt, und sein Glanz war dahin. So wurde er wieder einigermaßen gesund, die Wunden verheilten, und an dem stumpfen Schwert konnte er sich nun auch nicht mehr so leicht verletzen. Nun konnte er von neuem beginnen, sein Schwert zu polieren und zu schleifen. Diesen Kreislauf, in den er hier geraten war, hatte er nun schon mehrmals durchlaufen. Nun versuchte er also, gegen diesen Kreislauf zu kämpfen. Er kam wieder und wieder an den Punkt, an dem er gegen sich selbst kämpfte, tapfer ertrug er den Schmerz, den er sich selbst zufügte und er spürte auch die perverse Lust, die er dabei empfand. Auf einmal sah er sein Spiegelbild in der blankpolierten Fläche seiner Klinge (welche die Klinge seines Verstandes war). Augenblicklich begriff er die Illusion, die sein Spiegelbild anrichtete, und in diesem Moment legte er sein Schwert beiseite. Ein tiefer Zustand des Friedens bemächtigte sich seiner, zum ersten Mal in seinem Leben war Frieden in ihm. Dann arbeitete er wieder daran, sein Schwert zu schleifen. Immer wenn er unachtsam war, legte er es beiseite, um sich nicht zu verletzen. So konnte er es riskieren, seine Waffe zur mächtigsten und schärfsten Waffe der ganzen Umgebung werden zu lassen. Schließlich nahm er seine Waffe wieder auf, und zog hinaus in die Welt. Ohne sich noch ein einziges Mal umzudrehen, kämpfte er sein Leben lang mit all seiner Macht für den Frieden. Oh, große Seele des Alls, Urgrund des Sonnenlichts Dank sei Dir! Dank, daß du mich finden läßt den Ort der Ruhe der Zuflucht bei dir jenseits des Zweifels jenseits der Hoffnung jenseits des Ringens Du hast gezeigt daß Friede nicht Ergebnis sondern Schweigen des Kampfes. Und ich sehe die Augen die gekämpft vieltausend Jahr Sie fragen: Wie? Sie glauben nicht, daß schon das „Wie?" ein endloser Kampf Mache dich ruhig der Liebe verdächtig Innerlich leer werden schafft Weisheit. Diese Weisheit hilft zur Auflösung der Illusion zur Befreiung von Ideal und Ideologie Zuerst im Innern doch das nützt nur wenig, wenn wir das nur alleine tun! Denn wenn das viele täten, verschwände die Ideologie im Äußeren, die immer nur zum Krieg geführt hat. Ansteckende Leere Für mich die einzig mögliche Religion. Der Gedanke an die Leere macht Angst, die Leere selbst macht Frieden, sie zeigt, daß es nichts gibt, außer Gott. O Gott, wann endlich geschehe dein Wille? (Bekenntnis von jemand, der nicht einmal an den Atheismus glaubt.) An einem wunderschönem Frühlingstag ging er hinaus in die Natur, um etwas Ruhe und Sammlung zu finden. Er setzte sich unter einen Ahornbaum, und blickte hinaus auf die Wiese, wo sich in sanftem Winde die Wiesenblumen wogten. Er blickte zurück auf sein bisheriges Leben. Obwohl er noch gar nicht so alt war, schien es ihm, als ob sein Leben schon Jahrhunderte andauerte. Die Geschichte von Zeitaltern wiederholte sich in seinem eigenem Leben ständig aufs Neue. Es war die Geschichte des Leidens und der Suche nach einem Sinn, welche die Jahrhunderte mit seinen Kriegen und Machtkämpfen, seinen Ideologien und Religionen wie ein roter Faden durchzog. Schon vor vielen Jahren versuchte er allen Ernstes, seinem hohen Ideal von Liebe und Gerechtigkeit näherzukommen, jedoch allein dieser Versuch scheiterte von Grund auf, ja er schleuderte ihn in die totale Katastrophe. Aus diesem seelischen Unwetter ging er gereinigt von jedwedem Ideal hervor. Erst viel später erfuhr er von der Bedeutung des Wortes „Katastrophe“. Katharsis, die Reinigung. Katastrophe, der reinigende Satz, ja der reinigende Sprung. Dann gab es eine Zeit, in der er glaubte, möglichst ständig in der Katastrophe leben zu müssen, und er führte sich selbst immer wieder in ausweglose Situationen, in Situationen der höchsten Not, um das Erlebnis der Reinigung zu wiederholen. Zu dieser Zeit ist er wohl ein Asket gewesen. Er las die verschiedensten Philosophen, sowohl die Philosophen der verschiedenen Religionen, als auch die Philosophen ohne Religion. Hierdurch gelang es ihm, sein Problem zu präzisieren, und außerdem lernte er, Philosophien die nur für sich selbst bestehen, zu unterscheiden von solchen Philosophien, die dem Menschen eine Hilfe sind. Er präzisierte sein Problem folgendermaßen: „Mein Bewußtsein ist eingesperrt in dem Gefängnis meines eigenen Verstandes, wie kann es freikommen, jedoch ohne das Gefängnis zu zerstören?“ Er konnte es sogar noch genauer präzisieren: Der Zustand reinen Erlebens ist von Grund auf unkennbar. Es ist ein Zustand, der immer völlig neu bleiben wird. Deshalb wird jegliche Erfahrung und jeglicher begriffliche Versuch, also noch klarer ausgedrückt, jegliches Werten, niemals dahin führen können. In diesem Moment begriff er die Verwandtheit der Begriffe Suche und Sucht. Und außerdem die beiden Begriffe Werten und Werden. In der Tat scheiterte er immer daran, daß der Verstand jedes Erleben wertet, und es in das Begriffliche zu ziehen beginnt, was ein Verbleiben im Erleben verhindert. Da sagte er sich: Ab jetzt werde ich jede Wertung ablehnen! Noch während er das sich dachte, wurde ihm klar: Die Ablehnung einer Wertung stellt für sich wieder eine Wertung dar, denn die Wertung wird nun abgewertet. Von nun an wußte er, was zu tun war. |