Stanislaw Lem
Die Waschmaschinentragödie Von Stanislaw Lem (kurz zusammengefaßt mit 6 Zitaten)
Sicherlich kennt noch ein jeder die ganzseitigen Reklamebeilagen in den Zeitungen, auf denen eine spöttisch grinsende, glotzäugige Waschmaschine abgebildet war, mit den Worten: Wünscht du, daß deine Waschmaschine intelligenter ist, als du? Gewiß nicht!
Während einer Straßenschlacht der Gang Struzzeli gegen die Bande Phums Byron, die ganz Manhattan terrorisierte - Sie erinnern sich, das war damals, als das Empire State Building in die Luft flog - ,fielen auf beiden Seiten mehr als hundertzwanzig bis zu den Deckeln bewaffnete Waschmaschinen.
Elektronengehirne, die sich entkleiden, um der gerichtlichen Verfolgung zu entgehen, werden zum Verschrotten verurteilt.
Der sogenannte Antiauferstehungsentwurf der Novelle zum Mac-Flacon-Gesetz, der daraufhin von einem Kongressausschuß angenommen wurde, scheiterte am Widerstand des Senators Guggenshyne. Kurze Zeit später kam man dahinter, daß dieser Senator eine Waschmaschine war.
Oberassistent Milger versuchte nachzuweisen, Mattrass habe durch die Verwandlung in Roboter seine Persönlichkeit vervielfältigt und bestehe nun aus 300 000 Exemplaren.
Der Vorsitzende - der letzte Mensch, der außer mir im Saal verblieben war - trat an meinen Stuhl. Nichtsahnend nahm ich ihm den Kompass ab. Die Nadel begann anklagend zu kreisen, und zeigte dann auf ihn. Ich klopfte seinen Bauch ab - er klang metallisch. Rasch packte ich den Kerl am Kragen, setzte ihn vor die Tür und blieb allein. ..... Als ich sah, daß nichts mehr für mich zu tun blieb, wandte ich mich kurzerhand um, und ging nach Hause.
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Eines seiner letzten Interviews:
INTERVIEW MIT STANISLAW LEM
27. März 2006
"Wir steuern auf einen Nuklearkrieg zu!"
In einem seiner letzten Interviews ließ Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem seinem Frust über die Welt freien Lauf. Er fluchte über Präsident Bush, schimpfte über seine Heimat Polen. Am Ende seines Lebens war der große alte Mann des Zukunftsromans vor allem ein Pessimist
Lem: Bei der Frage nach der Zukunft der Menschheit verspüre ich immer eine gewisse Unruhe. Denn wir steuern unaufhaltsam auf einen Nuklearkrieg zu. Leider weiß ich nicht, wann der endgültige Zusammenstoß stattfinden wird. Wenn ich es wüsste, würde ich mich möglichst in den Panzerschrank des amerikanischen Präsidenten setzen.
Frage: Das ist ja eine fürchterliche Prognose.
Lem: Fürchterlich, aber auf Tatsachen gestützt. Es reicht doch, wenn man sich einen Teil der politischen Landschaft vor Augen führt: Als Teheran verkündete, das Nuklearprogramm fortzusetzen, sagte der israelische Politiker Benjamin Netanjahu, dass er einen Plan habe, die iranischen Atomanlagen zu bombardieren. Als Reaktion darauf kaufte Teheran in Russland Raketen mittlerer und großer Reichweite, um sie im Fall eines Angriffs einzusetzen. So eine Spannung kündigt keinen dauerhaften Frieden an.
Frage: Meinen Sie, die Vereinigten Staaten könnten die Kontrolle in diesem Konflikt verlieren?
Lem: Die Vereinigten Staaten sind - wie es schon der kanadische Premierminister gesagt hat - ein Riese ohne Kopf. Präsident Bush hat die Eigenschaft, dumm zu sein. Davon zeugt zum Beispiel die Tatsache, dass er gegen die Evolutionstheorie auftritt, zugunsten eines sogenannten intelligenten Projekts, bei dem es darum geht, dass man nicht weiß, worum es geht. Seine ganze Administration verfechtet diese idiotische Theorie, ihren Mitgliedern mangelt es an Verstand.....
........
Frage: Gibt es keine Hoffnung?
Lem: Für die Welt? Schlechte Aussichten. Wie kann man wirksam den zunehmenden Terrorismus bekämpfen, wenn in diesem Fall nicht einmal die Todesstrafe hilft? Die Terroristen warten doch nur darauf zu sterben. So wie ich anfangs gesagt habe: Langsam aber unvermeidlich gehen wir auf einen nuklearen Konflikt zu. Das ist keine besondere Erkenntnis, sondern bloße Selbstverständlichkeit.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,400622,00.html
Es herrscht Chaos. Wir befinden uns auf einer Drehscheibe, die Richtung in die Zukunft ist noch nicht gefunden. Vielleicht muß diese Menschheit untergehen, damit eine andere entstehen kann.
(Stanislav Lem, polnischer Schriftsteller, *1921)
"Es ist absolut möglich, dass sich ein Mensch außerhalb des Gefängnisses befinden kann und dennoch gefangen ist; dass er frei aller körperlichen Fesseln ist und dennoch psychologisch unfrei - dazu gezwungen, so zu denken, zu fühlen und zu handeln, wie es die Vertreter des Staates oder gewisser privater Interessen innerhalb des Staates von ihm verlangen. Die Natur eines solchen psychologischen Zwanges ist dergestalt, dass diejenigen, die ihm unterworfen sind glauben, sie handelten auf Grundlage ihrer eigenen Initiative. Das Opfer von Verstandes-Manipulation weiß nichts von seiner Rolle als Opfer. Für ihn sind die Wände seines Gefängnisses unsichtbar, und er selbst glaubt, frei zu sein. Dass dies nicht stimmt, ist aber nur für die anderen Menschen offensichtlich. Sein Sklaventum ist rein objektiv." Wiedersehen mit der schönen neuen Welt, Aldous Huxley, 1958
Falls Freiheit überhaupt irgend etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. (George Orwell, engl. Schriftst., 1903-1950)
Robert Anton Wilson
Bildquelle: http://www.rawilson.com/img/illuminatus1.jpg
Ich zitiere Robert Anton Wilson, Masken der Illuminaten (Seite 12):
Eisenbahngeräusche. Vorbereitung auf die Abfahrt,
1. Stimme in der Menge: ...nicht der Allmächtige...
2. Stimme: Ich sagte zu ihm: Du kannst mich am Arsch..Er war ganz schön sauer.
3. Stimme: Ich nahe zur Rettung Israels. Schrille Lokomotivpfeife.
Volles Orchester: Der Walzer aus der fröhlichen Witwe.
Meinungsdummfrage:
Was wollte uns dieser Mann sagen?
Und Wilson zitiert auch Timothy Leary:
Geheimhaltung ist die eigentliche Erbsünde. Das Feigenblatt im Garten Eden. Das Hauptverbrechen gegen die Liebe. (Timothy Leary)
Der Beweisführer wird beweisen, was der Denker denkt!
(Robert Anton Wilson)
Ich kann seine Bücher wärmstens empfehlen, sie sind spannend und spritzig geschrieben, und sprühen von Geist.
Illuminatus-Trilogie, Schrödingers Katze-Trilogie, Illuminati-Papiere, Cosmic Trigger, Ist Gott eine Droge, oder haben wir sie nur falsch verstanden .......
Buchkritiken:
http://koeln.ccc.de/archiv/drt/books/illuminatus.html
Wer das kennt, der weiß auch, daß Gott ein Mädchen ist und Eris heißt ...
Ewige Blumenkraft
Wilsons Seite:
http://www.rawilson.com/main.shtml
Gibt es sie wirklich, die Erisianer? Guggst du hier:
http://principia.optimaten.de/
Schon gesehen? Wilson geht in die Politik:
Bildquelle: http://www.gunsanddope.com/LikeWhatYouLike.jpg
Es war wohl eine seiner letzten Aktivitäten.
Der Autor und Philosoph Robert Anton Wilson ist am 11. Januar um 4:50 Uhr im Alter von 75 Jahren am Post-Polio-Syndrom gestorben.
Alles unter Kontrolle ?
Robert Anton Wilson im Gespräch mit Mathias Bröckers. Über das Wachstum von Verschwörungen, Ängste vor einer geheimen Weltregierung und das Ende der Kontrolle...
http://www.broeckers.com/Interview-RAW.html
Die Gehfähigen Verwundeten
Unter den derzeitigen brutalen und primitiven Bedingungen auf diesem Planeten sollte jede Person, der du begegnest, als gehfähiger Verwundeter eingestuft werden. Wir haben noch nie einen Mann oder eine Frau zu Gesicht bekommen der oder die nicht zu einem gewissen Grad aus Angst oder Kummer geistig verwirrt war. Wir haben noch nie einen völlig normalen Menschen gesehen.
aus:
Ist Gott eine Droge oder haben wir Sie nur falsch verstanden (rororo 5854) von Robert Anton Wilson
Douglas Adams

Bildquelle: http://www.filmhobbit.com/moviereviews/movie-images/news/hitchhiker/hitch.jpg
Douglas Adams vertritt eine sehr ironische Sichtweise, die sicherlich nicht ganz verkehrt ist. So beginnt die Geschichte: Sein Haus wird abgerissen, und gleichzeitig wird der Planet in die Luft gesprengt, weil eine galaktische Umfahrungsstraße gebaut wird. Zwar ein schöner Witz, aber nur für den, der nicht nachdenkt, oder?
So gebe ich hier einige ausgesuchte Zitate von Douglas Adams zum Besten:
...die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen nicht die kleinen Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.
Und eines Donnerstags dann, fast zweitausend Jahre, nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war, weil er gesagt hatte, wie phantastisch er sich das vorstelle, wenn die Leute zur Abwechslung einmal nett zueinander wären, kam ein Mädchen, das ganz allein in einem kleinen Cafe in Rickmansworth saß, plötzlich auf den Trichter, was die ganze Zeit so schiefgelaufen war, und wußte endlich, wie die Welt gut und glücklich werden könnte. Diesmal hatte sie sich nicht getäuscht, es würde funktionieren, und niemand würde dafür an irgendwas genagelt werden.
Nur brach traurigerweise, ehe sie ans Telefon gehen und jemandem davon erzählen konnte, eine furchtbar dumme Katastrophe herein, und ihre Idee ging für immer verloren.
(Beides erste Textseite von Per Anhalter durch die Galaxis)
Hoch oben auf einem felsigen Vorgebirge saß ein elektrischer Mönch auf einem gelangweilten Pferd.
Dieser Mönch hatte zum ersten Mal nicht einwandfrei funktioniert, als er eines Tages schlicht und einfach zu viel glauben mußte. Er war aus Versehen mit einem Videorecorder quergeschaltet worden, der elf Fernsehprogramme gleichzeitig sah, und das hatte dazu geführt, daß ihm eine Reihe Unlogik-Schaltkreise durchbrannten. Der Videorecorder hatte sich die Programme natürlich nur anzusehen. Er mußte sie nicht auch noch glauben. Deshalb sind Gebrauchsanweisungen ja auch so wichtig.
Er hatte unbedingt gehen und das Feuer anbeten, sich seinem heiligen Leuchten anheimgeben wollen, aber während er sich noch hoffnungslos mühte, sich durch die Zweige einen Weg nach unten zu bahnen, waren Feuerwehren gekommen und hatten das göttliche Strahlen gelöscht, und so war auch das ein völlig nutzloser Glaube gewesen.
(3 Zitate aus „Der elektrische Mönch – Dirk Gently’s holistische Detektei“ von Douglas Adams)
Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen. (Aus "Per Anhalter durch die Galaxis")
Douglas Adams hat einmal ein sehr merkwürdiges Kapitel geschrieben. Das erste Kapitel des Buches „Der elektrische Mönch – Dirk Gently’s holistische Detektei“ ist nur etwas mehr als zwei Seiten lang. Vermutlich werden viele Leute darüberweg gelesen und das als eine sehr merkwürdige Einleitung empfunden haben. Doch es ist so genial. Für mich bedeutete es damals eine Art Bestätigung. Ich bin da nicht ganz allein, es gibt andere, die ähnlich empfinden. Für mich hat er da eine „spirituelle Erfahrung“ völlig „katastrophaler Art“ als Landschaftsbild gemalt. Weil ich das so gut finde, habe ich das schnell eingescannt:
„Der elektrische Mönch – Dirk Gently’s holistische Detektei“
1. Kapitel:
Diesmal würde es keine Zeugen geben.
Diesmal war nur die tote Erde da, ein Donnerrollen und das Einsetzen des unaufhörlichen leichten Sprühregens aus Nordost, von dem offenbar sehr viele der schicksalschwer- sten Augenblicke der Welt begleitet sind.
Die Stürme des Vortags und des Tages davor und die Flu- ten der vergangenen Woche hatten inzwischen nachgelassen. Der Himmel platzte immer noch schier vor Regen, aber in die dichter werdende abendliche Finsternis fiel tatsächlich nichts weiter als dieses trübselige Geniesel.
Ein leichter Wind fegte durch die dunkelnde Ebene, stol- perte über die niedrigen Hügel und kariolte durch ein flaches Tal, in dem ein Bauwerk stand, eine Art Turm, ganz allem in- mitten eines alptraumartigen Morasts und sehr schief.
Es war ein schwärzlicher Turmstumpf. Er stand da wie ein Magmablock, der aus einer der abscheulicheren Tiefen der Hölle nach oben gestiegen war, und neigte sich in einem son- derbaren Winkel zur Seite, als laste etwas noch viel Schreck- licheres auf ihm als nur sein eigenes beträchtliches Gewicht. Er sah aus wie etwas Totes, etwas seit Ewigkeiten Totes.
Die einzige Bewegung kam von einem Schlammfluß, der sich träge am Grund des Tales an den Turm vorbeiwälzte. Un- gefähr eine Meile weiter stürzte der Fluß in eine Schlucht und verschwand unter der Erde.
Aber während der Abend herabsank, wurde sichtbar, daß der Turm doch nicht ganz ohne Leben war. Ein schwaches ro- tea Licht glimmte nämlich tief in seinem Innern.
Das Licht war gerade nur so eben zu sehen - abgesehen na- türlich von der Tatsache, daß niemand da war, der es hätte se- hen können, kein Zeuge, diesmal nicht, aber es war trotzdem ein Licht. Alle paar Minuten wurde es ein bißchen stärker und ein bißchen heller, und dann verblaßte es langsam wie- der, bis es fast erlosch. Zugleich trieb ein leiser Klagelaut mit dem Wind dahin, steigerte sich zu einer Art Gejammer und verhallte wieder ebenso hoffnungslos.
Zeit verging, dann erschien ein anderes Licht, ein kleine- res, bewegliches Licht. Es tauchte nahe am Boden auf und bewegte sich einmal hüpfend um den Turm, -wobei es gele- gentlich haltmachte. Das Licht und die schattenhafte Gestalt, von der man gerade eben so wahrnehmen konnte, daß sie es trug, verschwanden darauf wieder in dem Turm.
Eine Stunde verging, und als die vorbei war, war die Dun- kelheit total. Die Welt schien tot zu sein, die Nacht ein schwarzes Loch.
Und dann erschien das Glimmen in der Nähe der Turm- spitze von neuem und nahm diesmal entschlossener an Kraft zu. Schnell erreichte es die Helligkeit, die es vorher gehabt hatte, und brannte dann weiter, heller und heller. Der Klage- laut, der es begleitete, wurde immer lauter und schriller, bis er ein Jammerschrei war. Der Schrei kreischte weiter und weiter, bis er ein blendender Krach und das Licht eine ohren- betäubende Röte waren.
Und dann hörte auf einen Schlag beides auf. Eine Millisekunde lang war schweigende Finsternis. Ein überraschendes, bleiches neues Licht blähte und bauschte sich tief aus dem Morast unter dem Turm hervor. Der Himmel preßte sich zusammen, ein Berg aus Matsch ge- riet in krampfhafte Zuckungen, Erde und Himmel grölten sich gegenseitig an, es entstand ein schreckliches Rosa, ein plötzliches Grün, ein zögerndes Orange, das die Wolken be- sudelte, und dann versickerte das Licht, und die Nacht war endlich unergründlich und abscheulich finster. Es gab kein anderes Geräusch mehr als das leise Rieseln von Wasser.
Doch am Morgen erhob sich die Sonne mit ungewohntem Glanz und blitzte auf einen Tag herunter, der -wärmer, klarer und heller -war oder zu sein schien oder zumindest erschienen wäre, wenn es jemanden gegegeben hätte, dem er irgendwie hätte erscheinen können — ein alles in allem lebendigerer Tag, als man ihn je gekannt hatte. Ein kristallklarer Strom floß durch die Trümmerreste des Tales.
Und Zeit begann ernstlich zu verrinnen.
2. Kapitel
Hoch oben auf einem felsigen Vorgebirge saß ein Elektri- scher Mönch auf einem gelangweilten Pferd......
12.05.2001 HERZINFARKT Kultautor Douglas Adams gestorben Der Science-Fiction-Autor Douglas Adams, 49, ist tot. Der Verfasser des Kultromans "Per Anhalter durch die Galaxis" erlag in Kalifornien überraschend einem Herzinfarkt.....

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,133590,00.html
Wenn der Krieg noch 2 Jahre dauert
Hermann Hesse? Kennt jeder!
(deutscher Nobelpreisträger)
Das bekannteste Buch ist wohl Siddhartha, bestimmt kennt ihr die Geschichte, als der junge Buddha bei Kamala die Liebe lernt.
Von Hesse stammt auch der Spruch:
Es gibt keine Frau, ohne die man nicht leben kann, und keine Frau, mit der man nicht leben kann. Sicherlich eine etwas eigentümliche Sichtweise.
Das alles ist ja bekannt, weniger bekannt aber ist diese im Jahre 1917 geschriebene "Science-Fiction"-Geschichte:
(Suhrkamp-Werkausgabe Band 10, Die Geschichte hat fast 9 Seiten, ich destilliere das für mich Wesentliche in einigen Zitaten)
Wenn der Krieg noch 2 Jahre dauert (1917)
Als ich wiederkam, war es 1920, und zu meiner Enttäuschung standen sich überall noch immer mit der geistlosen Hartnäckigkeit die Völker im Kriege gegenüber. Es waren einige Grenzen verschoben, einige ausgesuchte Regionen höherer Kulturen mit Sorgfalt zerstört worden, aber alles in allem hatte sich äußerlich auf der Erde nicht viel verändert.
Groß war der erreichte Fortschritt in der Gleichheit auf Erden. Wenigstens in Europa sah es in allen Ländern wie ich höre, genau gleich aus,...
Wenn der ewige Friede nicht zu haben war, so zog man mit aller Entschiedenheit den ewigen Krieg vor, und die Sorglosigkeit, mit welcher die Munitionsballons aus ungeheuren Höhen ihren Segen auf Gerechte und Ungerechte regnen ließen, entsprach dem Sinn des Krieges vollkommen.
Ich sagte, ich gehe spazieren. Er: Haben sie Erlaubnis? Ich verstand ihn nicht, es gab einen Wortwechsel, und er forderte mich auf, ihm in das nächste Amtshaus zu folgen.
"Beschäftigungslose Zivilisten" stand auf einem Schilde, und die Nummer 2487 B4 war dabei. Dort gingen wir hinein.
Ein Beamter stand vor mir, und musterte mich. "Können sie nicht strammstehen?" fragte er streng. Ich sagte: "Nein". Er fragte: "Warum nicht?" "Ich habe es nie gelernt", sagte ich schüchtern.
"Also, sie sind dabei festgenommen worden, wie sie ohne Erlaubnisschein spazierengegangen sind. Geben Sie das zu?"
"Ja", sagte ich, "das stimmt wohl. Ich hatte es nicht gewußt. Sehen Sie, ich war längere Zeit krank - "
Er winkte ab. "Sie werden dadurch bestraft, daß ihnen für 3 Tage das Gehen in Schuhen untersagt wird. Ziehen Sie ihre Schuhe aus!"
Ich zog meine Schuhe aus.
...Zeigen Sie übrigens doch einmal ihre Ausweispapiere!" Lieber Gott, ich hatte keine.
..."Sie sind ohne Ausweispapiere auf der Straße angetroffen worden. Sie bezahlen zweitausend Gulden Buße. Ich schreibe sofort die Quittung."
"Um Vergebung", sagte ich zaghaft, "so viel habe ich nicht bei mir. Können Sie mich nicht statt dessen einige Zeit einsperren?"
Er lachte hell auf.
"Einsperren? Lieber Mann, wie denken sie sich das? Glauben Sie, wir hätten Lust Sie auch noch zu füttern? - Nein, mein Guter, wenn Sie die Kleinigkeit nicht zahlen können, bleibt ihnen die härteste Strafe nicht erspart. Ich muß Sie zum provisorischen Entzug der Existenzbewilligung verurteilen! Bitte geben Sie mir Ihre Existenzbewilligungskarte!
Ich hatte keine.
Der Beamte war nun ganz sprachlos. Er rief zwei Kollegen herein, flüsterte lange mit ihnen, deutete mehrmals auf mich, und alle sahen mich mit Furcht und tiefem Erstaunen an. Dann ließ er mich, bis mein Fall beraten wäre, in ein Haftlokal abführen.
Nach einigen Stunden holte man mich ab.
"Sie haben sich in eine recht böse Lage gebracht", fing er an. "Sie halten sich in hiesiger Stadt auf und sind ohne Existenzbewilligungsschein. Es wird ihnen bekannt sein, daß die schwersten Strafen darauf stehen."
Ich machte eine kleine Verbeugung.
"Erlauben Sie", sagte ich, "ich habe eine einzige Bitte an Sie. Ich sehe vollkommen ein, daß ich der Situation nicht gewachsen bin und daß meine Lage nur immer schwieriger werden muß. - Ginge es nicht an, daß sie mich zum Tode verurteilen? Ich wäre sehr dankbar dafür!"
Milde sah mir der hohe Beamte in die Augen.
"Ich begreife", sagte er sanft. "Aber so könnte schließlich jeder kommen! Auf alle Fälle müßten Sie vorher eine Sterbekarte lösen. Haben Sie Geld dafür? Sie kostet viertausend Gulden."
"Nein, so viel habe ich nicht. Aber ich würde alles geben, was ich habe. Ich habe großes Verlangen danach zu sterben."
Er lächelte sonderbar.
"Das glaube ich gerne, da sind Sie nicht der einzige. Aber so einfach geht das mit dem Sterben nicht. Sie gehören einem Staate an, lieber Mann, und sind diesem Staate verpflichtet mit Leib und Leben. Das dürfte ihnen doch bekannt sein.
....
- Aber sagen Sie, könnten sie mir eine Sterbekarte verschaffen? Ich wäre ihnen fabelhaft dankbar."
Es wird vielleicht gehen. Vorher müssen Sie aber eine Existenzbewilligung haben. Ohne sie wäre natürlich jeder Schritt aussichtslos.
....
"Noch eines!, sagte ich leise. "Darf ich noch eine Frage an sie stellen? Sie können sich denken, wie schlecht orientiert ich in allem Aktuellen bin."
"Bitte ,bitte"
"Ja, also - vor allem würde mich interessieren, zu wissen, wie es möglich ist, daß bei diesen Zuständen das Leben überhaupt noch weitergeht. Hält denn ein Mensch das aus?
"Es gibt sehr wenige Zivilpersonen mehr. Wer nicht Soldat ist, der ist Beamter. Schon damit wird für die meisten das Leben viel erträglicher, viele sind sogar sehr glücklich. Und an die Entbehrungen hat man sich eben so allmählich gewöhnt. Als das mit den Kartoffeln allmählich aufhörte und man sich an den Holzbrei gewöhnen mußte - er wird jetzt leicht geteert und dadurch recht schmackhaft - , da dachte jeder, es sei nicht mehr auszuhalten. Und jetzt geht es eben doch. Und so ist es mit allem."
"Ich verstehe", sagte ich. "Es ist eigentlich weiter nicht erstaunlich. Nur eines verstehe ich nicht ganz. Sagen Sie mir: wozu eigentlich macht nun die ganze Welt diese riesigen Anstrengungen? Diese Entbehrungen, diese Gesetze, diese tausend Ämter und Beamte - was ist es eigentlich, was man damit beschützt und aufrechterhält?
Erstaunt sah der Herr mir ins Gesicht.
"Ist das eine Frage!" rief er mit Kopfschütteln. "Sie wissen doch daß Krieg ist, Krieg in der ganzen Welt! Und das ist es, was wir erhalten, wofür wir Gesetze geben, wofür wir Opfer bringen. Der Krieg ist es. Ohne diese enormen Anstrengungen und Leistungen könnten die Armeen keine Woche länger im Felde stehen. Sie würden verhungern - es wäre unausstehlich!"
"Ja", sagte ich langsam, "das ist natürlich ein Gedanke! Also der Krieg ist das Gut, das mit solchen Opfern aufrechterhalten wird! Ja, aber - erlauben Sie eine seltsame Frage - warum schätzen Sie den Krieg so hoch? Ist er denn das alles wert?
Ist denn der Krieg überhaupt ein Gut?
"Lieber Herr Sinclair", sagte er, "Sie sind sehr weltfremd geworden".
"Der Krieg ist es einzig und allein, dem wir es verdanken, daß noch soetwas wie Ordnung, Gesetz, Gedanke, Geist in der Welt vorhanden ist. Können Sie das nicht sehen?"
Ja, nun sah ich es ein, und ich dankte dem Herrn sehr.
Dann ging ich davon und steckte die Empfehlung an das Amt 127 mechanisch in die Tasche. Ich hatte nicht im Sinne, von ihr Gebrauch zu machen, es war mir nichts daran gelegen, noch irgendeines dieser Ämter zu belästigen.Und noch ehe ich wieder bemerkt und zur Rede gestellt werden konnte, sprach ich den kleinen Sternensegen in mich hinein, stellte meinen Herzschlag ab, ließ meinen Körper im Schatten eines Gebüsches verschwinden und setzte meine vorherige Wanderung fort, ohne mehr an Heimkehr zu denken.
Heute liegt die politische Vernunft nicht mehr dort, wo die politische Macht liegt. Es muß ein Zustrom von Intelligenz und Intuition aus nicht-offiziellen Kreisen stattfinden, wenn Katastrophen verhütet oder gemildert werden sollen. (Hermann Hesse)
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