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Tantra und Yoga (oder vom Umgang mit der Macht)
Yoga hingegen ist eine Technik zur Körperbeherrschung, welche zu Gesundheit und Wohlbefinden führen soll. Sind diese beiden Begriffe unvereinbare Gegensätze ? Loslassen und Beherrschen ? Weil ich meinen Körper als eine konkrete Sache betrachten kann, welche in materieller Form existiert, kann es wohl prinzipiell gelingen, durch ein Beherrschen, durch ein Machtausüben "über mich selbst" also, zu einer besseren Gesundheit oder größeren Fitness mich selbst zu verändern. Ganz anders aber sieht die Sache aber aus, wenn wir versuchen, unsere Psyche zu verändern. Der Mensch lebt im Konflikt zwischen dem, was ist, und dem was sein soll. In psychischer Hinsicht führt dieser Konflikt zu Selbsthaß. Der Versuch, etwas gegen diesen Selbsthaß zu tun wird zur Selbstverleugnung. Aus dieser Selbstverleugnung ergeben sich Rachegelüste und Destruktivität. Deshalb wird im Tantra von Hingabe gesprochen. So sind Yoga und Tantra zwei gegensätzliche Handlungsweisen, welche beide in ihrem eigenem Bereich gültig sind. Verkehrte Handlung führt natürlich zu Problemen. So führt eine Hingabe im materiellen Bereich zu Lethargie, Disziplinlosigkeit, und unangebrachter Schicksalsgläubigkeit, während Machtausübung in diesem "imaginären" Bereich zu Agression und Rachegelüsten ausartet. In diesem Sinne neigt der heutige Mensch dazu, Dinge zu verbinden, die nicht verbunden sind. Und außerdem, Dinge zu trennen, die nicht getrennt sind. Wir werden dafür ein Gefühl entwickeln müssen. Das Folgende ist eigentlich ein Destillat, also eine Kurzffassung des Artikels Vom imaginären Charakter der Psyche - Eine Theorie der Erleichterung, die ich für das Internet geschrieben habe. Diese Zusammenfassung ist vielleicht schneller zu erfassen und beschäftigt sich speziell mit Depressionen: Möglicherweise täusche ich mich, aber es könnte sein, daß der eine oder andere immer noch von Depressionen geplagt wird. Vielleicht ist das Folgende nicht für jeden gedacht, aber einen Versuch ist es allemal wert......... ![]() http://gutenberg.spiegel.de/gutenb_load/wbusch/knopp/knop1c04.gif Ich, so spricht er, heiße Krökel und die Welt ist mir zum Ekel alles ist mir einerlei mit Verlaub, ich bin so frei! (Wilhelm Busch) Ist es das, was wir unter Philosophie verstehen? Mir geht es da eher um etwas anderes. Um Depressionen zum Beispiel. Da gibt es schon einiges, das man sich überlegen kann, wie man damit anders umgehen könnte. Nachdem ich das Folgende schon einige Male vorgelegt habe, vermute ich, daß der Eine oder Andere daraus einen Nutzen ziehen kann. Daher einfach einige Beobachtungen: Erleben Das Wort "Erleben" ist ein Begriff, von dem wir alle eine Vorstellung haben. Nun stellen Sie sich doch bitte einmal vor, Sie wollten jemandem erklären, was "Erleben" ist. Vieleicht stellen Sie dann fest, daß die Sache "Erleben" etwas ganz anderes ist als der Begriff, denn jeder Erklärungsversuch, den Sie unternehmen, gründet sich logischerweise auf irgendeine Vorstellung, sie wissen aber, daß "Erleben" nun wirklich nichts mit irgendeiner Vorstellung zu tun hat. In diesem Falle (und auch in sehr vielen anderen Fällen) ist der Begriff etwas ganz grundsätzlich anderes, als die Sache selbst. Nehmen wir einmal an, Sie wollen in den Zustand des Erlebens kommen, und nehmen wir darüberhinaus an, sie haben die Vorstellung gewonnen, daß Ihnen dabei alle Vorstellungen im Wege sind. Was können Sie da tun ? Besonders dann, wenn Sie feststellen, daß Ihre Vorstellungen wichtig und unverzichtbar sind und Sie deshalb erkennen, daß dieselben nicht einfach vernichtet werden können ? Resignieren Sie dann, werden Sie dann depressiv ? Oder könnten Sie nicht einfach damit beginnen, ihre Vorstellungen zu erleben ? Das Urteil Wir alle, vor allem diejenigen von uns, die sich mit religiösen oder esoterischen Inhalten beschäftigen, sind von dem Wunsch beseelt, "bessere Menschen" zu werden. Jedoch muß man sich in diesem Fall davor hüten, neue, größere Probleme zu erzeugen. Denn jemand, der ein besserer Mensch werden will, ist logischerweise mit sich selbst nicht zufrieden, was bedeutet, daß er sich selbst zumindest teilweise ablehnt, so wie er ist. Aufgrund eines Ideals hat er sich ein Urteil über sich selbst gebildet. Er hat sich selbst verurteilt. Und man verurteilt sich selbst weiterhin und ständig. Wenn man zum Beispiel agressiv ist, verurteilt man sich dazu, ruhig zu bleiben und gleichzeitig aber auch dazu, unter seiner unterdrückten Agression zu leiden, usw, usf. Dann kommt jemand und sagt: Lebe im Hier und Jetzt! Das bedeutet: Kämpfe nicht gegen dich selbst, sei wach, beobachte dich, stelle deine Urteile, die Probleme erzeugen, in Frage. Aber man tut sich schwer damit. Denn man ist an eine gewisse Denkweise gewöhnt, die unbeirrt fortgesetzt wird. Die Unzufriedenheit mit den eigenen Urteilen führt nun dazu, daß wir unsere eigenen Urteile verurteilen. Man verurteilt sich allen Ernstes dafür, daß man sich ständig verurteilt! Ist das nicht absurd? Kann man stattdessen nicht aufhören, über sich selbst zu urteilen? Muß man sich distanzieren von sich selbst, um sich ein Urteil zu machen? Verlassen wir doch einfach dieses absurde Spiegelkabinett. Meinen sie nicht auch, daß wir auf der Suche nach uns selbst getrost das Licht im Spiegelkabinett ausmachen dürfen? Für mich jedenfalls ergab sich daraus folgende Konsequenz: Beobachte ihn genau, ihn, den Beobachter, welcher vorgibt dein Ich zu sein! Und wisse, alles was seine Arme tun, stärkt nur ihn selbst. Vermeide weitgehend das Urteil auch das Urteil zu verurteilen denn vom Urteil nährt er sich, ohne Urteil ist er verschwunden. Da lebte mal ein schlauer junger Mann, der meinte: Urteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. (Oder richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden, was wohl auf das selbe herauskommt) Über das Urteilsvermögen: Die Urteilsfähigkeit ist mit Sicherheit die wichtigste und herausragendste Fähigkeit des Menschen. Sie ist die Grundlage unseres Verstandes, genau wie das Bit die Grundlage des Computers ist. Jemand, der eine Situation klar und gut beurteilen kann, wird immer im Vorteil sein. Das bleibt völlig unbestritten. Diese Fähigkeit muß auch nach bestem Wissen weiterentwickelt, und den Erfordernissen der neuen Zeit angepasst werden. Das Beurteilen von sich selbst, genauso wie das Beurteilen von anderen Menschen, mit denen man direkt in Beziehung steht, bringt aber Probleme mit sich. Das Wälzen von Problemen dieser Art führt letztlich dazu, daß das Urteilsvermögen darunter leidet, und man gerät leicht in mehr oder weniger große Verwirrung. Wenn man sich also in diesem Bereich des Urteils enthält, wird das Urteilsvermögen größer, so paradox das auch scheinen mag. Ich erwähne das nur, um nicht mißverstanden zu werden. Du bist nicht dein Verstand! Diese Aussage ist nicht etwa als Wunschvorstellung zu sehen, oder als erstrebenswertes Ziel, sondern sie ist eine Realität, die nun verstandesmäßig begriffen werden kann, wenn ich weiß, daß mein logisches Denkvermögen in Einzelfällen unklare oder gar falsche Ergebnisse bringt. Dann bin ich nicht nur der Denkende, sondern ich bin zuerst einmal derjenige, der mit seinem logischen Denkvermögen nicht hundertprozentig einverstanden ist (wobei aber klar ist, daß eine Ablehnung meines Denkens weitere paradoxe oder falsche Wirkungen hervorbringt). Wenn ich also in der Lage bin, sozusagen von außen mein Denken zu betrachten, dann kann ich nicht hundertprozentig identisch sein mit meinem Denken. Diese Betrachtung dürfte nun Beweis genug sein, für die Feststellung: Du bist nicht dein Verstand! Wenn man Zeit hat, kann man seine Gedanken betrachten, so wie man einen Fluß betrachtet. Aufmerksam, interessiert, jederzeit bereit, etwas Neues zu lernen, und ohne in irgendeiner Weise Einfluß zu nehmen. Ganz wichtig: Die eigenen Reaktionen auf kommende Gedanken sind auch Gedanken. Diese gilt es zu entdecken. Ist eine Reaktion erst einmal entdeckt, dann ist man in die Lage versetzt, sie zum Fluß gehörig zu betrachten, und die Reaktion ist plötzlich keine Reaktion mehr. Es ist auch möglich, Reaktionen auf eigene Reaktionen zu entdecken. Man kann unter Umständen erkennen, in welches Labyrinth sich der menschliche Geist begeben hat, ineinander verschachtelt, wie die russischen Puppen, die man öffnet, um wieder eine Puppe darin zu finden, die man öffnet, um wieder eine... Fährt man fort, den Fluß der Gedanken urteilslos zu betrachten, so wird man zeitweise ohne Reaktion sein können, und zwar völlig mühelos. Der Verstand wird ruhig, und das bedeutet, der Verstand erzeugt keine Probleme. Man wird in die Lage versetzt, zeitweise völlig ohne jedes Problem leben zu dürfen. (Langweilig? Ach ja: Langeweile ist das Problem, das man sich macht, wenn man kein Problem hat.) Ganz davon abgesehen, daß man eine Reise antritt bis in die Tiefen der eigenen Psyche, welche, wie mit Sicherheit annehme, nicht meine Psyche ist, sondern die Psyche aller Menschen. Noch etwas: Der Skeptiker wird entgegenhalten, es handelt sich hier um einen kranken oder bewußtseinsgespaltenen Geist, der die Feststellung macht: Ich bin nicht mein Verstand! Dies ist zugleich richtig und auch falsch. Denn erstens: Ich habe noch kaum einen Menschen getroffen, der nicht zeitweilig von Angst oder Haß, von Ärger oder Depression gepeinigt wird. Die Menschen sind also fast alle nicht ganz gesund. Man ist also keineswegs abnorm, wenn man auch so ist. Und zweitens: Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Heilung. Die Feststellung: Du bist nicht dein Verstand, ist heilsam, wenn man nicht den Fehler macht, seine Gedanken abzulehnen, verändern zu versuchen, oder zu unterdrücken. Nichtaktion: Es gibt also einen Bereich, in dem das Denken nicht richtig funktioniert. Nun könnte man fragen: Wir konnten doch bisher nichts dagegen tun, wieso sollte sich etwas ändern, wenn wir nichts dagegen zu tun versuchen? Bisher waren wir weit davon entfernt, nichts dagegen tun. Es ist wohl eher so gewesen, daß wir nichts gegen das "Dagegen Tun" getan haben. Denn es hat sich gewohnheitsmäßig automatisiert. Zum Beispiel unterdrücken wir unseren Ärger. Das ist eindeutig eine Aktion. Auch, wenn wir das für eine Nichtaktion halten. Der Versuch, eine Nichtaktion einzuleiten, ist eine Aktion.- Nichtaktion besteht nicht aus Disziplinlosigkeit, denn Disziplinlosigkeit besteht aus automatischen Aktionen. Nichtaktion ist weder eine positive Aktion, noch eine negative Aktion, weder eine Über-Aktion, noch eine ausgleichende Aktion. Nichtaktion besteht vor allem aus dem Erkennen von sinnlosen Aktionen. Nichtaktion ist sehr radikal, aber nur sinnvoll im Bereich der "Anomalie der Logik" Man mag einwenden: Aber der Mensch will doch nach Höherem streben. Es ist doch legitim, sich nicht mit Bestehendem zufriedenzugeben. Das ist richtig. Es soll nur davor gewarnt werden, in einer Sackgasse weiterzufahren. Könnte an diesen Dingen ein Körnchen Wahrheit sein? Eine Fackel hätte ich noch anzubieten. Für manch Einen leuchtet sie evtl. ein Stück weit in dieser finsteren Zeit. Was soll das "Ich" überhaupt sein? Die Meinung, die ich über mich selbst habe, mein Image? Ist das das Ich? Oder meint ihr etwas ganz anderes damit? Wenn es das ist, dann würde ich empfehlen das weitgehend zu unterlassen, denn das halte ich für einen Quell ständiger Depressionen. Wenn du deine Eltern besuchst, dann bist du Sohn, wenn du nach Hause kommst zu deinen Kindern, dann bist du Vater. Du hast mehrere oder gar viele Ichs. Jederzeit wechselst du die Ichs wie die Hemden. Um alle unter einen Hut zu bringen baust du dir ein Über-Ich und teilst dich in in "gut und böse" oder in "zwei Seelen in meiner Brust?" Und gleichzeitig unterdrückst du Minderheiten in dir selbst? Das ist viel zu anstrengend. Ohne das sparst du u. U. mehrere Stunden Schlaf täglich ein. Du führst diesen Machtkampf nämlich sogar in der Nacht im Traum noch fort. Ist das Ich vielleicht sogar so ähnlich aufgebaut wie das Geld? Als starke Vereinfachung komplizierter Vorgänge auf plus und Minus und deshalb irgendwie aus nichts Greifbaren bestehend? Sind Ideale (und damit auch Ideologien) ein Teil des Ichs und machen vielleicht sogar eine Fremdbestimmung möglich? Überprüfe doch bitte einmal welche Rolle Ideale spielen bei dem, was du Ich nennst. Ideologie ist etwas, das die Leute dazu anregt, gegen sich selbst zu kämpfen. Weil man einem Ideal entsprechen will. Oder andersherum: Wer lange nach einem Ideal lebt, der wird dasselbe irgendwann von seinem Umfeld einfordern. Möglicherweise sogar mit Gewalt. So wird Ideal zu Ideologie. Kann man das so sagen? Ich sehe diese beiden, Ideal und Ideologie nicht getrennt. Was bleibt vom Ich noch übrig, wenn alle Ideale weggenommen sind? Ist das Ich vielleicht sogar ein Fake, ein Betrug? Wer daran glaubt ist leicht zu steuern? _________________ 27.05.2007 .....Es gibt keine unzerstörbare Ich-Einheit. Der Gedanke einer geistigen Ich-Substanz in uns ist eine Illusion. Das belegen für Gerhard Roth eindeutig die nüchternen Erkenntnisse der Neurologie. Wir haben ein Wahrnehmungs-Ich, ein Gedächtnis-Ich, ein emotionales Ich und viele Unter-Iche und die können auch relativ unabhängig voneinander ausfallen. Man kann zum Beispiel das autobiographische Gedächtnis verlieren. Dann erlebe ich mich zwar als körperliche Einheit, aber ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Man kann das Wahrnehmungs-Ich zerstören, dann weiß ich nicht mehr, was das alles bedeutet, was ich sehe und höre, oder ich beziehe es nicht mehr auf mich. Daraus sieht man, dass das, was ich als Einheit erlebe, außerordentlich viele verschiedene Dimensionen hat, die auch relativ unabhängig voneinander gestört werden können. Und noch eines ist wichtig: das Gefühl, ich sei der Produzent meiner Handlungen ist natürlich eine Illusion. Der Produzent meiner Handlungen ist das Gehirn und ich selber bin ein Widerschein dieser Handlungen........ http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/628899/ Wieso akzeptieren die meisten Leute die "Wettbewerbsgesellschaft", und zwar eine Form der Wettbewerbsgesellschaft, die eine Zusammenarbeit eigentlich ausschließt? Zumindest in der Politik ist das oft deutlich zu sehen. Man sägt am Stuhl seines Gegners, man hetzt lieber gegen andere, gegen andere Parteien usw. als daß man sich zusammensetzt und etwas Sinnvolles arbeitet. Wie kommt es dazu? Könnte es sein, daß die meisten Leute Euphoriker sind? Oder süchtig nach Euphorie? Es gibt im Christentum einen Begriff, der oft ganz vergessen wird und den heute auch kaum jemand mehr in den Mund nimmt. Demut. Das liegt daran, daß man das heute manchmal intuitiv mit Feigheit oder Duckmäuserei übersetzt. Was wäre aber das Gegenteil? Ich würde sagen, das Gegenteil ist Größenwahnsinn. Hier ist ganz klar eine Falle gestellt. Es ist eine Falle, in die jeder mindestens einmal hineintappt. (man lernt es ja nicht, wenn man es nicht zumindest einmal gesehen hat. Ich möchte jetzt gar nicht auf Beispiele eingehen, wir kennen viele Personen aus Vergangenheit und Gegenwart, sei es aus dem religiösen Bereich, dem politischen Bereich, oder auch aus dem Bereich Kunst. Was ich sagen will läßt sich leichter ausdrücken, wenn wir nicht von Extremen reden, sondern vom "ganz normalen" Auf und Ab des Lebens. Der Mensch sucht nach Euphorie. Das ist sicherlich oft wahr. Er sucht sich diese Euphorie überall. In der Anerkennung, im Geld, im Sex, in den Drogen und so weiter. Ich behaupte, daß es Leute gibt, die rein euphoriegesteuert sind. Was kann man tun? (Ich frage nicht, was soll man tun, dieses ewige "du sollst" geht mir schwer auf den Wecker, man wird es daher auch in meinen Argumentationen kaum finden.) Man sucht euphorische Höhepunkte, versucht sich krampfhaft oben zu halten, aber dann kommt unweigerlich der Fall. Ich sage das mal so krass, damit man es versteht: Der Euphoriker lebt in Rhythmen von Hochmut und Fall. Er läßt sich sozusagen vom Zweitaktmotor von Hybris und Nemesis vorwärtstreiben. Wenn man das erste Mal das als ein "Dauerbrummen" wahrnimmt, dann ist schon viel gewonnen. Und wenn sich jetzt ein Mitleser vielleicht denkt: Was hat dann das Leben überhaupt noch für einen Sinn?, dann hab ich dich erwischt. Tatsache ist, daß uns Euphorie unvorsichtig werden läßt. Sei es der frenetische Beifall, den man bekommt, sei es das Gefühl von Geld und Macht oder der Adrenalinstoß eines am Höhepunkt eines Sieges, oder auch nur die Euphorie von legalen oder auch illegalen Drogen. Es gibt also Gründe, gegenüber seiner eigenen Euphorie skeptisch zu werden, und zwar, weil sie im Extremfall sogar Lebensgefahr birgt. Es gibt also eine Zweitakter-Verschrottungsprämie. Mit der Euphorie pumpt man sein Ego auf. Man kann es auch für nötig erachten, denn in der "Wettbewerbswelt" muß man oft sehen, daß niemand so leicht an einen herankommt. Ich finde zwar heute nicht mehr, daß man das muß, aber es mag vielleicht ein legitimer Standpunkt sein. Und in diesem Umfeld sieht man dann plötzlich Energievampire. Leute, die "ach so cool" sind, die sich aber gerne für sich Energie abzweigen, und zwar auf eine Weise, daß sie anderen fehlt. Die nächste Variante ist logischerweise, daß einer sich so derart mit Euphorie aufpumpt, daß andere in jedem Falle überfordert sind mit der Energie, die er abgeben kann. Und/oder jemand Ungeliebten einfach wegblasen kann. Nun kann es aber passieren, daß der Druck zu hoch wird. Das Ego kann platzen. Klar, man hält das in dieser Situation nicht für möglich. Aber wenn es platzt, dann wird der Größenwahn zum klinischen Fall. Der Schritt, wie man das auch gerne nennt, vom Genie zum Wahnsinn, ist vollzogen. Der Lama Drugpa Künleg (16. Jahrhundert)
Das liederliche Leben und die lästerlichen Gesänge des tantrischen Meisters Drugpa Künleg (Der heilige Narr v. Keith Dowman, Knaur Esoterik, 4122) Kapitel I. Wie Drugpa Künleg ein wandernder Asket wurde und das Mädchen Sumdschok aus dem Ozean des Leidens befreite Zitat: ......Du wirst noch genug Zeit haben, mir deine Sorte Tee zu servieren, sagte der Lama. Bereite jetzt lieber dieses besondere Gebräu, das ich den ganzen Weg, vom Markt in Lhasa bis hierher getragen habe! Es ist augenblicklich fertig! Und er ergriff ihre Hand, legte das Mädchen auf das Bett des Gouverneurs, hob ihre Dschuba (tibetisches Kleid) hoch und betrachtete ihr unteres Mandala. Er richtete sein Organ auf das angehäufte Mandala von weißen Lotussen zwischen ihren Schenkeln, deren Fleisch weicher als Sahne war, und da er gesehen hatte, daß sie füreinander gemacht waren, vollzog er die Vereinigung mit ihr. Während er sie liebte, gab er ihr mehr Vergnügen und Befriedigung, als sie jemals erfahren hatte........ .....Sumdschok erlangte bald Befreiung, da das Mitgefühl des Lama und ihre eigene Hingabe unter glücklichen Umständen zusammenkamen. Tagsüber zufriedengestellt durch Musik der Götter und Dakinis und nachts durch den Geruch des Räucherwerks und das Licht der Butterlampen, verschwendete sie die ersten drei Tage keinen Gedanken an Essen. Am Morgen des vierten Tages vollendete sie, befreit von jedem Leiden, den Lichtkörper und erreichte Buddhaschaft........... _________________________ Wir werfen uns nieder zu Füßen des Drukpa Künga Legpa. Nackt und ungeschmückt, ist er frei von der befleckten Bewußtheit, die ergreifenden Geist und ergriffene Realität als verschieden betrachtet. Durch sein verrücktes Wirken diszipliniert er die Ungläubigen und die Eigensinnigen Und führt sie mit jedem seiner Sinne zur Befreiung. _________________________ In deinem früheren Leben warst du bestimmt ein Buddha. Erzähle uns bitte davon!« Drukpa Künleg entgegnete ihnen: »Weil man zu einer gewissen Einsicht in seine früheren Existenzen gelangt, wenn man sein gegenwärtiges Verhalten überprüft, werde ich euch ein Lied gen.« In der Kette meiner vielen Leben habe ich schon die Körper jeder Art von Geschöpfen angenommen. Ich erinnere mich nur undeutlich daran, doch es muß etwa folgendermaßen gewesen sein: Weil ich jetzt so gerne Dschang trinke, war ich bestimmt mal eine Biene. Weil ich jetzt so viel Begierde habe, war ich bestimmt einmal ein Hahn. Weil ich jetzt so vom Haß geprägt bin, war ich bestimmt mal eine Schlange. Weil ich jetzt so träge bin, war ich bestimmt einmal ein Schwein. Weil ich jetzt so geizig bin, war ich bestimmt einmal ein reicher Mann. Weil ich jetzt kein Schamgefühl besitze, war ich bestimmt mal ein Verrückter. Weil ich jetzt so gerne lüge, war ich bestimmt einmal ein Heuchler. Weil ich jetzt ein so schlechtes Benehmen habe, war ich bestimmt einmal ein Affe. Weil ich jetzt so blutdürstig bin, war ich bestimmt einmal ein Wolf. Weil ich jetzt einen so engen Schließmuskel habe, war ich bestimmt mal eine Nonne. Weil ich jetzt so kleinlich bin, war ich bestimmt mal eine unfruchtbare Frau. Weil ich jetzt meinen Reichtum für Essen ausgebe, war ich bestimmt einmal ein Lama. Weil ich jetzt so raffgierig bin, war ich bestimmt mal ein Verwalter. Weil ich jetzt so viel von mir halte, war ich bestimmt einmal Sekretär. Weil ich jetzt so gerne die anderen betrüge, war ich bestimmt einmal ein Kaufmann. Weil ich jetzt so geschwätzig bin, war ich bestimmt einmal eine Frau. Ob dies alles wahr ist, kann ich euch nicht sagen - ihr müßt es selbst herausfinden. Was meint ihr? »Es hört sich so an, als würdest du deine früheren Leben auf- zählen«, antworteten die Mädchen. »In Wahrheit aber machst du uns auf unsere eigenen Fehler aufmerksam. Wir danken dir, daß du uns mit deinem Lied belehrt hast.« _________________________ »Schaut euch an, was für große Eier der hat!« riefen einige Kinder, die ihn beobachteten. Der Lama sang ihnen dieses Lied: Im Sommer, der Zeit des Blauen Kuckucks, hängen die Eier tief herab. Im Winter, der Zeit des Purpurfarbenen Hirsches, wird der Kopf des Penis groß. Ob Sommer oder Winter, die Gedärme haben die gleiche Länge: Das ist der Unterschied zwischen der warmen und kalten Jahreszeit. _________________________ Also der Drugpa Künleg hat den Karmapa beschuldigt, sein Gelübde gebrochen zu haben, worauf ihn seine Jünger schon verprügeln wollten: Der Karmapa rief jedoch: »Schlagt ihn nicht! Schlagt ihn nicht! Er spricht die Wahrheit! Dieser Mann besitzt die Fähigkeit, die Gedanken seiner Mitmenschen zu lesen. Er ist eine Verkörpe- rung des indischen Meisters Shavaripa. Ehrlich gesagt, wurde ich für einen Moment von der Schönheit dieses Mädchens dort drüben ergriffen, obwohl ich sie nicht wirklich begehrte, ge- nauso wie sich die Menschen manchmal von einem Tier mit einem schönen Fell angezogen fühlen. Drukpa Künleg war sich dessen bewußt, und seine Anschuldigung war berechtigt. Singe uns ein Lied, Näldschorpa, das von diesem Mädchen handelt!« Und Künleg sang folgendes: Dieses Mädchen ist wie die Tochter des Bösen; obwohl sie weder einen Eisenhaken noch eine Schlinge trägt, kann sie allein mit einem Augenaufschlag den Geist eines Mannes auf sich lenken und ihn fesseln - sogar das Herz eines Buddha kann sie beeinflussen! Ein bezauberndes Antlitz hast du, o strahlendes Mädchen mit der lieblichen Stimme, und dein liebkosendes Geflüster läßt einen Mann vertraulich mit dir werden; flüchtig aber ist diese Freude, und am Ende geht er zugrunde! Deine wohlgeformte Gestalt, dein klares Gesicht, das leicht errötet, deine launische und verführerische Rede ziehen einen Mann hilflos ins Samsara hinab. Begehre nicht! Widerstehe der Verführung, Karmapa! Der junge indische Pfau jedoch läßt sich auf einem Kissen aus Dornen nieder - Für andere Tiere ist das gefährlich. Und der anmutige tibetische Hahn frißt giftige Samen, um seinen Hunger zu stillen - Für andere Tiere ist das tödlich. Ich, Drukpa Künleg aus Ralung, kann in Gedanken schöne Frauen bewundern - Für dich, Herrscher Karmapa, ist das gefährlich. »Wer gibt dir das Recht, das zu tun, was anderen verboten ist?« wollte ein Mönch wissen. »Es gibt ein Paradies, das Ogmin heißt« (Nichts Höheres, das ist der Bereich innerhalb des Samsara, der jedoch frei von dessen Gesetzmäßigkeiten ist) erwiderte der Lama, »und dorthin kann kein gewöhnlicher Mensch kommen. In der Mitte dieses grenzenlosen und unermeßlichen Paradieses steht ein wunderschöner Palast, die Wohnstätte des in blauer Kör- perfarbe erstrahlenden Trägers des Vajra. Er hat mir durch Tilo- pa und Naropa Unterweisungen übertragen, die mir sagen, was ich tun und was ich lassen soll.« Die Menge war mit dieser Erklärung zufrieden und wurde von Hingabe überwältigt. Der Karmapa lächelte und sprach: »In den Regeln der Diszi- plin, die den Geist zähmen, bin ich dir überlegen, aber in der Verwirklichung des gleichbleibenden reinen Wesens aller Dinge stehst du über mir. In späteren Zeiten wird dein Ruhm größer sein als meiner.« |